Schwarz-Rot-Gold Friedhof der Fanartikel

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel? Nicht für Fanartikel. Eine Firma kauft die Fußball-Aktionsware, die bald keiner mehr haben will - teilweise sogar zum vollen Buchwert. Bargeld fließt aber nicht.

Von Stefan Weber

Beim Fleischwarenanbieter Abbelen gibt es den "Weltmeisterburger mit leckerem Bacon und südafrikanischer Chakalaka-Sauce". Der Ketchup-Hersteller Heinz hat zur WM eine Barbecue Sauce Marke "Torjäger" ins Programm aufgenommen, und Haribo verkauft derzeit schwarz-rot-goldene Kaubonbons. Viele Unternehmen versuchen in diesen Wochen mit speziell abgestimmten Produktbezeichnungen von der Strahlkraft des Fußball-Spektakel in Südafrika zu profitieren.

Bisher hat das in vielen Fällen funktioniert. Denn dank der guten Leistungen der Deutschen, die an diesem Mittwoch das Halbfinale bestreiten, ist die Aufmerksamkeit für alles, was mit Fußball zu tun hat bei vielen Verbrauchern groß.

Das Problem: Wenn das Turnier am nächsten Sonntag vorbei ist, sind die Aktionsprodukte im Fußball-Design oder mit Sonderverpackung nicht mehr zu gebrauchen. Deshalb muss der Handel dann rasch die Regale leeren.

Über die überschüssige Ware freut sich Christian Kirschbaum. Er ist bei der Deutschland-Tochter des amerikanischen Dienstleisters Active für den Ankauf und die weitere Verwertung von Waren zuständig, die üblicherweise als Ladenhüter bezeichnet werden.

Schwarz-Rot-Gold wird billiger

Das können neue Produkte sein, die beim Verbraucher nicht ankommen, überschüssige Ware, für die sich kein Käufer findet, oder eben Aktionsartikel, wie sie zu bestimmten Anlässen entwickelt werden. "Nach dem Turnier wird sehr viel Ware mit Fußball-Bezug auf den Markt kommen", sagt Kirschbaum voraus.

Für die Hersteller dieser Produkte ist das oft schmerzlich; ihnen drohen hohe Verluste durch Abschreibungen. Denn der Marktwert der Waren ist plötzlich sehr viel niedriger als ihr in der Bilanz angesetzter Buchwert. Denn "Weltmeisterburger" oder schwarz-rot-goldene Kaubonbons sind von der nächsten Woche an nur noch mit hohen Preisabschlägen zu abzusetzen.

Active dagegen übernimmt solche Bestände bis zum vollen Buchwert. Die Zahlung erfolgt nicht in bar, sondern in Form von Gutscheinen, die die Firmen später bei Active einlösen können - etwa, in dem sie Hotel- und Reisekontingente buchen, Druckdienstleistungen in Auftrag geben oder Werbemaßnahmen buchen. "Active International gehört zu den 15 größten Media-Einkäufern weltweit", sagt Gerhard Erning, der das Media-Geschäft in Deutschland verantwortet.

Active ist somit eine Art Vermittler zwischen zwei Welten, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben - der Verwertung überschüssiger Ware auf der einen Seite und der Vermittlung verschiedener Dienstleistungen wie etwa der Belegung von Werbekampagnen in Medien auf der anderen Seite.

Deutsche sind zu kritisch

Die übernommene Ware veräußert Active über Handelspartner im In- und Ausland und erhält dafür lediglich den Marktwert. Die Käufer wiederum schlagen die Produkte im Internet, bei Resteanbietern oder Interessenten im Ausland los.

"Oft werden die Artikel nur umverpackt oder im Paket mit anderen Waren angeboten. Verbraucher in anderen Ländern sind oft weniger kritisch als in Deutschland, wenn es um Aktionsware geht ", beobachtet Kirschbaum. Die Vermarktung erfolge stets in Absprache mit dem jeweiligen Hersteller, der oft darauf bedacht sei, dass seine Marke durch solche Sonderverkäufe keinen Schaden nehme.

Die Dienstleistung, die Active anbietet nennt sich "Corporate Trading" und ist in Amerika weit verbreitet. Als weltweiter Marktführer in diesem Bereich erwirtschaftete Active im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,5 Milliarden Dollar. In Deutschland, wo Corporate Trading derzeit noch wenig bekannt ist, ist die Firma seit 1999 mit einer Niederlassung in Düsseldorf vertreten und in dieser Zeit rasant gewachsen.

"Wir betreuen mehr als 100 Kunden aus Mittelstand und Großindustrie der verschiedensten Branchen", sagt Kirschbaum. Es gebe kaum einen Hersteller von Konsumartikeln, der nicht von Zeit zu Zeit mit überschüssiger Ware zu kämpfen habe. Das seien dann die potenziellen Kunden.

Aus diesem Grund soll es für Active weiter steil bergauf gehen. Bis 2012 soll der bereits in den vergangenen beiden Jahren auf 25 Millionen Euro verdoppelte Umsatz auf 50 Millionen Euro erhöht werden. Über die in diesem Geschäft üblichen Margen machen Kirschbaum und Erning derzeit keine Angaben. Nur soviel: Die Niederlassung in Düsseldorf habe innerhalb eines Jahres profitabel gearbeitet.

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