Schwache Konjunktur Krise erreicht deutsche Autobauer

Willkommen im Abschwung: Bislang ist die Krise weitgehend an den deutschen Premium-Autobauern vorbeigegangen. Jetzt bereiten sie sich auf den Aufprall vor. Daimler kündigt ein Sparprogramm an, Porsche rechnet mit weniger Absatz.

Von Thomas Fromm

Die ersten deutschen Hersteller von Oberklasse-Autos bereiten sich wegen der Konjunkturkrise auf herbe Einbrüche bei Absatz und Gewinn vor. So kündigte der Premium-Hersteller Daimler am Donnerstag an, er werde seinen Vorjahresgewinn von fünf Milliarden Euro im Autogeschäft in diesem Jahr nicht mehr erreichen. "In Europa sehen wir uns zunehmend schwierigeren Marktbedingungen gegenüber", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Der Stuttgarter Konzern müsse sich auf ein "herausforderndes Umfeld" vorbereiten, so der Manager. Das Unternehmen kündigte für die kommenden Wochen ein Sparprogramm an.

Die Ankündigung Zetsches kam überraschend. Denn bislang waren die deutschen Premium-Autobauer weitgehend von der Krise verschont geblieben. Immer wieder hatten deutsche Manager betont, man komme gut durch den Wirtschaftsabschwung. Anders als Massenproduzenten wie Fiat, Opel, Ford oder Peugeot, die die Flaute am europäischen Markt schon früh gespürt und bereits mit Kurzarbeit und drastischen Sparplänen auf die schwache Autokonjunktur reagiert hatten. Bei Daimler heißt es nun zur Begründung, die Entwicklung sei inzwischen "negativer", als man dies noch "vor kurzer Zeit erwartet" habe. Auch auf dem für die deutschen Autobauer zuletzt so wichtigen Wachstumsmarkt China werde die Lage zunehmend schwieriger.

"Da haben alle Premium-Hersteller gelitten"

Mit Daimler hat bereits der zweite deutsche Autokonzern Probleme eingeräumt. Zuvor hatte schon Porsche-Vorstandschef Matthias Müller seine ursprünglichen Verkaufsziele nach unten korrigiert. Zwar werde der Sportwagenbauer im nächsten Jahr weltweit mehr Autos als in diesem Jahr verkaufen; allerdings dürfte der Zuwachs fünf bis zehn Prozent niedriger liegen als bisher geplant, sagte Müller am Mittwochabend vor Journalisten des Münchner Clubs Wirtschaftspresse. Seine Prognose: Der Auto-Weltmarkt werde im Jahr 2013 schrumpfen. Dies gelte nicht nur für die schwächelnden Massenhersteller in Südeuropa. Wie bereits in der jüngsten großen Krise 2008/2009 sei auch diesmal kein Konzern immun gegen den Abschwung. "Da haben alle Premium-Hersteller gelitten", betonte der Porsche-Manager. Damals wurden Tausende Arbeiter bei Konzernen wie BMW und Daimler in Kurzarbeit geschickt.

Noch ist unklar, ob die schlechten Meldungen aus Stuttgart bereits die Vorboten einer neuen großen Branchenkrise sind. Kurz nachdem Daimler am Donnerstag seine Gewinnwarnung veröffentlicht hatte, betonten die Konkurrenten BMW und Audi, sie hielten trotz der Krise an ihren optimistischen Prognosen fest und rechneten auch für die Zukunft mit neuen Rekordergebnissen.

Porsche-Chef Müller sprach sich dagegen aus, den Autoverkauf mit hohen Preisnachlässen anzuheizen. "Ich verkaufe lieber ein Auto weniger, als es zu verramschen", sagte er. Vor allem Massenhersteller drücken seit Monaten ihre Wagen mit Rabatten von bis zu 30 Prozent auf den Markt. Dies hält zwar ihren Absatz stabil, drückt aber die Gewinne der Unternehmen drastisch nach unten.