Schutz im Urlaub Wenn der Pistenspaß zum Albtraum wird

Ski Heil! Skifahrer an einem Tiefschneehang im Skigebiet Westendorf bei Kitzbühel.

(Foto: Johannes Simon)

Unfälle können für Wintersportler teuer enden. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die Versicherung zu prüfen oder zu ergänzen.

Von Anna Gentrup, Köln

Eine Woche Skiurlaub für 750 000 Euro. Irrsinnig teuer? Sicherlich. Doch wer auf der Piste andere Sportler umfährt und dabei jemanden verletzt, muss mit solchen Forderungen rechnen. Bei schweren Personenschäden drohen sogar Kosten in Millionenhöhe, für die der Verursacher voll mit seinem gesamten Privatvermögen haftet. Nicht unterschätzen sollten Sportler auch das Risiko, sich selbst bei einem Sturz zu verletzen.

Jeder fünfte versicherte Sportunfall passiert beim Ski- oder Snowboardfahren, warnt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. In jeder Wintersport-Saison verletzen sich mehr als 40 000 Deutsche - mehr als 7 000 müssen stationär behandelt werden. Wer bald in den Skiurlaub aufbricht, sollte daher bei den Reisevorbereitungen nicht nur an das Wachsen von Ski und Snowboard denken. Auch wichtige Versicherungen gehören eben dazu.

Guter Haftpflichtschutz, der vom Versicherten verursachte Schäden abdeckt, ist nicht nur beim Wintersport unentbehrlich. "Generell sollte man eine private Haftpflichtversicherung haben", sagt Versicherungsmakler Stefan Jauernig aus Frechen. Sie leistet auch bei Schäden an gemieteten Objekten. "Zum Beispiel wenn es im Ferienhaus brennt, weil ich vergessen habe, den Herd auszuschalten", sagt er. Auch Personenschäden sind abgedeckt. In der Regel ausgeschlossen sind hingegen Schäden an gemietetem Sportzubehör wie der Skiausrüstung. Wer sie absichern möchte, sollte sich beim Verleih erkundigen. Eine Haftpflicht-Police mit 10 Millionen Euro Deckungssumme gibt es für Personen unter 49 Jahren ab 50 Euro im Jahr.

Auch das eigene Verletzungsrisiko sollte auf der Piste abgesichert sein. In Deutschland sind Wintersportler durch ihre Krankenversicherung gut geschützt. Wer ins Ausland will, sollte eine Auslandsreisekrankenversicherung abschließen. Solche Policen gelten meist für ein Jahr und kosten für Einzelpersonen etwa zehn Euro, für Familien sind es etwa 20 Euro. Allerdings muss man aufpassen: "Viele Angebote gelten nur für Freizeit-Urlaubsreisen", warnt Makler Jauernig. "Manche Reisende rechnen aber aus steuerlichen Gründen einen Teil der Reise beruflich ab." Wer am Urlaubsort schnell einen Geschäftstermin wahrnimmt und dann teils auf Firmenkosten Ski fährt, kann bei einem Schaden Probleme bekommen. "Es ist besser, für die Police fünf Euro mehr auszugeben, damit der Schutz bei beruflichen und privaten Reisen greift", rät Jauernig.

Der Kunde macht sich keine Gedanken - und dann reicht der Schutz nicht aus

Bei der Auslandsreisekrankenversicherung aufpassen müssen Wintersportler mit doppelter Staatsangehörigkeit. Verreist etwa ein Deutsch-Italiener zum Skifahren in die italienischen Alpen und verletzt sich dort, kann der Versicherer die Leistung verweigern. Denn die Policen gelten nur in Drittländern, die beiden Heimatländer sind ausgeschlossen. Bergsportler sollten zudem bei Angeboten prüfen, ob der Versicherer auch für Sucheinsätze und Bergrettungen zahlt und wenn ja, bis zu welcher Höhe. "Bergungskosten sollten bis 10 000 Euro abgesichert sein", sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Sinnvoll insbesondere für sportliche Menschen ist eine Unfallversicherung. Grieble warnt davor zu glauben, nur im Sporturlaub könne etwas passieren. "Skifahrer sind in der Regel auch sonst sportlich aktiv, daher lohnt ein Unfallschutz für das gesamte Jahr", sagt er.

Der Deutsche Skiverband, der ADAC und der Deutsche Alpenverein bieten Versicherungspakete an, die beim Wintersport umfassend schützen sollen. Sie enthalten meist Komponenten der Haftpflicht-, Unfall-, Kranken-, Rechtsschutz- und Sportgeräteversicherung. Beim Alpenverein ist die Police in der Mitgliedschaft enthalten. Gegen einen Beitrag von 50 bis 85 Euro, je nach Vereinssektion, sind Mitglieder europaweit abgesichert gegen Bergungs-, Such- und Rettungskosten bis 25 000 Euro. Anbieter sind die Würzburger Versicherung und die R+V Versicherung.

Von solchen Paketen hält Verbraucherschützer Grieble nicht viel. "Häufig reichen die Versicherungssummen nicht aus", moniert er. Der Kunde fühlt sich gut versichert und macht sich keine Gedanken mehr über seinen Versicherungsschutz, obwohl der gar nicht ausreicht. Zudem seien die Pakete-Angebote oft teurer als umfassende Policen.

Viele Sportgeschäfte und Internethändler bieten beim Kauf von Ski oder Snowboard gleich eine Versicherung gegen Skidiebstahl oder Skibruch dazu an. Verbraucherschützer Grieble sieht die Policen kritisch, denn die abgesicherten Schäden sind meist finanziell verkraftbar. "Da geht es um Summen im niedrigen dreistelligen Bereich", sagt er. "Es gibt Risiken, die ungleich höher sind und zuerst abgesichert werden sollten."

Zuerst sollten Verbraucher existenzbedrohende Risiken wie die Berufsunfähigkeit und Haftpflichtrisiken absichern. Auch eine Invaliditätsversicherung für den Nachwuchs gehört dazu. "Beim Wintersport wird eigentlich kein Schutz benötigt, der nicht auch im alltäglichen Leben sinnvoll ist", sagt Grieble.

Wer von Kurzzeit-Policen per App gehört hat, die günstig tageweise Schutz bieten, wird derzeit kaum Angebote finden. Versicherer wie Ergo Direkt und HDI haben das Geschäft wieder aufgegeben. Die Nürnberger hingegen bietet seit November eine Police des österreichischen Versicherers Garanta an, das allerdings nur in Österreich gilt. Verbraucherschützer Grieble ist kein Freund von Kurzzeitpolicen. Sie taugten lediglich als Notlösung. "Die Policen sind besser als nichts, aber nicht vergleichbar mit einer Vollversicherung mit einer ausreichenden und bedarfsgerechten Deckung", sagt der Verbraucherschützer.