Von Stefan Weber

In vielen Haushalten sind die finanziellen Probleme zuletzt kleiner geworden. Das könnte sich aber bald ändern.

In einem Punkt könnten die Unterschiede zwischen Einchstätt und Offenbach am Main nicht größer sein: Nirgendwo in Deutschland ist der Anteil der überschuldeten Haushalte niedriger als im bayerischen Eichstätt.

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Landkarte der Verschuldung (© Grafik: SZ)

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Dagegen bildet Offenbach im Bundesland Hessen gemessen an der Schuldnerquote das Schlusslicht unter den 413 Kreisen und kreisfreien Städten; dort ist nahezu jeder fünfte erwachsene Einwohner dauerhaft nicht in der Lage, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Das geht aus dem Schuldner-Atlas hervor, den die Neusser Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Dienstag vorgestellt hat.

Die positive Nachricht, auch für Offenbach, aber lautet: Abgesehen von Wuppertal ist die Zahl der überschuldeten Menschen in den vergangenen zwölf Monaten überall in Deutschland zurückgegangen.

Creditreform zufolge waren zum 1. Oktober 2008 knapp 6,9 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet oder wiesen zumindest "nachhaltige Zahlungsstörungen" auf.

Das waren 470.000 Menschen weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg weisen mit weniger als acht Prozent die niedrigsten Schuldnerquoten auf, gefolgt von Sachsen. Schlusslichter sind - wie bereits im vergangenen Jahr - die Länder Bremen und Berlin.

Weniger private Pleiten

Dass die finanziellen Probleme in vielen Haushalten kleiner geworden sind, hat nach Einschätzung von Creditreform-Vorstand Helmut Rödl vor allem mit der verbesserten Situation auf dem Arbeitsmarkt zu tun: Viele ehemaligen Schuldner seien inzwischen in der Lage, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, weil sie wieder einen Arbeitsplatz hätten und über ein regelmäßiges Einkommen verfügten.

Mit dem in den nächsten Monaten zu erwartenden Anstieg der Arbeitslosigkeit werde sich die finanzielle Situation in vielen Haushalten jedoch rasch wieder anspannen, prognostiziert Rödl: "In den nächsten zwei Jahren wird eine neue Überschuldungswelle durch Deutschland rollen."

Verantwortlich dafür seien aber nicht nur Jobverlust oder Scheidung und übertriebener Konsum. Immer häufiger ebneten auch andere Gründe den Weg in die Schuldenfalle - etwa die zuletzt deutlich gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel. Insbesondere Geringverdiener litten überproportional unter der Verteuerung von lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen.

Denn die Ausgaben für Lebensmittel, Wohnen und Energie hätten an ihrem Budget häufig einen Anteil von bis zu 60 Prozent, sagt Rödl. Erstmals seit Einführung des Verbraucherinsolvenzverfahrens im Jahr 1999 ist die Zahl der privaten Pleiten im ersten Halbjahr 2008 zurückgegangen, auf 48.500 Fälle.

Das waren 7,2 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Rödl zufolge ist der Grund für den Rückgang die starke Überlastung der Schuldnerberatungsstellen.

Zwar könnten sich Schuldner auch bei Anwälten Rat holen. Aber die Amtsgerichte bewilligten aus Kostengründen immer seltener Beratungshilfe und verwiesen stattdessen auf die für Betroffene kostenlose Unterstützung durch die Schuldnerberatungsstellen.

"Damit wird kommerziellen Schuldenregulierern Tür und Tor geöffnet", meint Creditreform-Vorstand Rödl. Diese Berater dienten sich hilfesuchenden Schuldnern häufig mit zwielichtigen Methoden an und stellten beschleunigte Bearbeitungsverfahren in Aussicht. Tatsächlich nutzten sie aber nur das Unwissen und die Notsituation der Betroffenen aus.

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(SZ vom 05.11.2008/hgn)