Schuldenkrise Standard & Poor's senkt Ausblick für Griechenland auf "negativ"

Schlechte Prognosen für Griechenland: Die Ratingagentur Standard & Poor's hat den Ausblick für das krisengeschüttelte Land von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Die Wirtschaft des Landes werde noch stärker abstürzen, sagt die Agentur.

Wegen schlechter wirtschaftlicher Prognosen hat die Ratingagentur Standard & Poor's den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Griechenlands von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Es sei wahrscheinlich, dass das finanziell angeschlagene Land im laufenden Haushalt eine Deckungslücke aufweisen und weitere Hilfen benötigen werde, erklärte die Agentur am Dienstagabend.

Grund seien die sich verschlechternde Wirtschaftslage und Verzögerungen bei der Umsetzung von Reformen. Griechenland brauche voraussichtlich zusätzlich bis zu sieben Milliarden Euro von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF), erklärte S&P. Die Senkung des Ausblicks deutet darauf hin, dass S&P die Kreditwürdigkeit Griechenlands weiter herabstufen könnte, falls das Land keine weiteren Hilfszahlungen von der Euro-Zone und dem IWF bekommt.

Derzeit liegt das Bonitätsrating unverändert bei "CCC", was Ramschniveau entspricht. Bisher sieht die Agentur damit Investments in griechische Verbindlichkeiten als extrem spekulativ an. Eine Stufe darunter wird mit "D" ein Zahlungsausfall für sehr wahrscheinlich gehalten.

S&P erwartet, dass das griechische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Verlauf dieses und des nächsten Jahres um zehn oder elf Prozent schrumpft. Die EU und der IWF haben für diesen Zeitraum lediglich einen Rückgang um vier bis fünf Prozent prognostiziert.

Die Troika aus Experten der Europäischen Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF hatte am Sonntag ihre Gespräche über die Umsetzung der griechischen Konsolidierungsprogramme beendet. Von einer positiven Bewertung des Regierungshandelns hängt die Auszahlung weiterer Kredittranchen an das Euro-Zonen-Mitglied ab. Vor September wird kein Ergebnis erwartet.

Anfang August hatte sich die griechische Dreierkoalition nach wochenlangem Ringen auf neue Haushaltskürzungen geeinigt, mit denen in den kommenden zwei Jahren 11,5 Milliarden Euro eingespart werden sollen.

Aus Sicht des IWF könnten die Sparprogramme nicht reichen, um Griechenlands Finanzen wieder in Ordnung zu bringen. Durch einen Bericht im Wall Street Journal hat der Fonds vorgeschlagen, dass die Euro-Länder und die Zentralbanken Griechenland einen Teil der Schulden erlassen könnten - also auf Kosten der europäischen Steuerzahler.