Schuldenkrise So leiden die Griechen unter dem Sparkurs

Griechenland und die Krise: Ein Obdachloser bettelt im Jahr 2012 auf den Straßen von Athen.

(Foto: dpa)
  • Seit Beginn der Schuldenkrise in ihrem Land müssen griechische Bürger einen dramatischen Einkommensverlust hinnehmen.
  • Die Haushaltseinkommen sanken zwischen 2008 und 2012 um knapp ein Viertel. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung.
  • Besonders betroffen sind die ärmsten Griechen.
Von Jakob Schulz

Dramatischer Einkommensschwund

Die Einkommen griechischer Bürger sind einer Studie zufolge zwischen 2008 und 2012 dramatisch geschrumpft. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung im Auftrag des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) (die Studie hier als PDF). Die nominalen Bruttoeinkommen sanken demnach im Durchschnitt um ein knappes Viertel. Besonders stark waren Haushalte mit mittlerem und niedrigem Einkommen betroffen.

Grundlage der Studie

Basis der Untersuchung waren Steuerdaten von etwa 260 000 griechischen Haushalten aus den Jahren 2008 bis 2012. Auf Grundlage dieser repräsentativen Stichprobe analysierten die Forscher, inwieweit sich die Einkommen über die Jahre veränderten. Die Autoren der Studie sind zwei griechische Wirtschaftswissenschaftler. Auftraggeber der Untersuchung ist das IMK, das der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung angehört.

Die Gründe des Einkommensrückgangs

Besonders dramatisch war der Studie zufolge der Rückgang der Löhne in der Privatwirtschaft. Das Lohnniveau sank binnen vier Jahren um fast ein Fünftel. Als auffällig stellten die Autoren heraus, dass die Löhne von Beschäftigten im öffentlichten Dienst mit etwa acht Prozent deutlich weniger sanken.

  • Ein Grund für den Einkommensrückgang war der Studie zufolge die Senkung des Mindestlohns und die Schwächung von Tarifverträgen. Lohnkürzungen verursachten der Studie zufolge etwa die Hälfte des gesamten Einkommensrückgangs.
  • Auch Arbeitslosigkeit und zahllose Unternehmenspleiten trugen demnach zum Einkommensrückgang bei. Waren Mitte 2008 noch etwa 7,3 Prozent der Griechen ohne Job, waren es Mitte 2014 schon 26,6 Prozent.
  • Weiter ließen neue Steuerbelastungen die Einkommen schmelzen. Direkte Steuern - wie etwa die Einkommensteuer - stiegen den Wissenschaftlern zufolge seit Beginn der Krise um mehr als die Hälfte. Die Belastung durch indirekte Steuern wie etwa die Umsatzsteuer stieg demnach um mehr als ein Fünftel. Den Forschern zufolge litten darunter besonders die armen Bürger: Haushalte mit mittlerem oder niedrigem Einkommen wurden durch die neuen Steuerbelastungen härter belastet als Besserverdiener.

Appell der Forscher

Die Schlussfolgerungen der Autoren sind drastisch: Die Einkommen wurden seit Beginn der Krise um ein Viertel abgeschmolzen, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel um fast ein Viertel, eine Million Menschen wurden arbeitslos, zusätzliche 42 Milliarden Euro Schulden wurden angehäuft.

"Die nüchternen Zahlen zeigen, wie Millionen Menschen in Griechenland durch eine überharte und sozial völlig unausgewogene Austeritätspolitik wirtschaftlich abgestürzt sind", sagt Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK. Horn fordert daher nicht nur ein konsequentes Vorgehen gegen Steuerflucht und Steuerhinterziehung. Zugleich müsse die Politik zur Bewältigung der Krise mehr auf Wachstum und Investitionen zielen als bisher.