Schuldenkrise in Griechenland Zum Augenrollen

"Das war kein Witz", erklärt Euro-Gruppen-Chef Juncker bei einer Pressekonferenz nach dem Ministertreffen zu Griechenland - weil IWF-Chefin Lagarde neben ihm grimassiert. Was die anwesenden Journalisten erheitert, ist eigentlich ernst: ein offener Streit zwischen Griechenlands Geldgebern.

Die wichtigsten Geldgeber Griechenlands streiten über den Zeitplan zur Schuldensenkung des Krisenlandes - vor Journalisten. Nach dem Treffen der Finanzminister in Brüssel am Montagabend wurde die Uneinigkeit bei einer Pressekonferenz offensichtlich.

Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker sagte, die Euro-Gruppe werde neue Ziele beschließen. Dabei werde für Griechenland ein Schuldenstand von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erst für 2022 erwartet, statt wie bisher geplant bis 2020. Lagarde, die neben ihm auf dem Podium saß, widersprach: "Aus unserer Sicht ist ein angemessener Zeitplan: 120 Prozent bis 2020. Wir haben hier ganz klar verschiedene Ansichten."

Als Juncker seinen Standpunkt mehrfach wiederholte, verdrehte Lagarde die Augen und wandte sich von ihm ab. Juncker sah das nicht, reagierte aber auf das Lachen der Journalisten im Raum mit den Worten: "Das war kein Witz." (in diesem Bloomberg-Video ab Minute 24:00)

Ihre Irritation über die nicht abgestimmte Pressekonferenz äußerten die anwesenden Pressevertreter auf Twitter. Matina Stevis, Reporterin des Wall Street Journal, schrieb: "Juncker ganz schön dreist, aber die Lady, bleibt standhaft." Ihr Kollege Matthew Dalton twitterte: "Eine der eher verwirrenden Pressekonferenzen in der Geschichte der Schuldenkrise."

Die Euro-Gruppe verschob die Entscheidung über die nächste Hilfstranche an Griechenland. Die Finanzminister würden ihre Beratungen darüber am 20. November fortsetzen, sagte Juncker. Offen ließen die Währungspartner auch, wie sie dem Land den Weg zur Sanierung seiner Finanzen erleichtern wollen. Seit dem Ministertreffen ist zwar klar: Griechenland soll den dringend gewünschten Aufschub um zwei Jahre erhalten. Unklar ist jedoch, wie die dabei entstehenden Finanzierungslücken geschlossen werden sollen.

"Mehr Zeit kostet auch mehr Geld", resümierte Österreichs Finanzministerin Maria Fekter. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Minister wieder zu ihren eigenen Steuerzahlern gehen" - denn der Widerstand in den reicheren Ländern gegen neue Hilfszahlungen ist stark. Fekter sprach von einem "Mix von Möglichkeiten", wie etwa die Streckung von Zahlungszielen. Die Europäische Zentralbank (EZB) könne auch Gewinne mit griechischen Staatsanleihen an nationale Notenbanken weiterleiten, die diese wiederum an Euro-Staaten auszahlen könnten.

Der Staatsbankrott droht schon bald, da Griechenland bereits am 16. November alte Schulden bedienen muss. Als wahrscheinlichste Lösung zeichnet sich ab, dass der griechische Staat kurzfristig weiter auf EZB-Hilfe zurückgreifen kann.

Die Euro-Gruppe werde am Dienstag kommender Woche den Finanzbedarf des Landes diskutieren und das griechische Anpassungsprogramm überprüfen, erklärte Juncker. Noch offene Zusagen sollten bis dahin von der Regierung in Athen eingelöst und auf den Weg gebracht werden. Euro-Kreisen zufolge ist dafür am 28. November eine Telefonkonferenz geplant.