Endlich wacht die griechische Regierung auf. Bisher trafen die Sparbemühungen nur die Wehrlosen - jetzt sollen die Privilegierten ihre Opfer bringen. Das ist richtig, dauert aber lange. Deshalb sollten die europäischen Geldgeber ihren Zeitplan ändern.
Eine letzte Verzweiflungstat? Oder eine letzte Chance? Die nächsten Wochen werden es zeigen. Immerhin: Die griechische Presse meldet, die Regierung in Athen wolle endlich auch da die Axt ansetzen, wo der Baum schon lange am morschesten ist: beim aufgeblähten, ineffizienten Staatsapparat. Der war die letzten Jahre über zuallerletzt dazu da, dem Staat zu dienen, war zuallererst den Parteien Beute, die dort Freunde und Vettern unterbrachten.
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Die Proteste gegen die Sparpläne der griechischen Regierung werden wieder größer. (© dpa)
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Die Schrumpfkur wäre ein zweifacher Segen: Zum einen stiehlt die monströse Bürokratie dem Staat die Ressourcen, die er so dringend braucht. Im Durchschnitt verdient ein Angestellter des Staates doppelt so viel wie einer in der Privatwirtschaft. Zum anderen verstand ein Teil des Apparates seinen Daseinszweck stets in der Behinderung von Investoren und im Handaufhalten.
Die Regierung von Giorgos Papandreou muss aber auch deshalb Ernst machen, weil dies ein Zeichen ist an die große Mehrheit der zornigen Wehrlosen, die bisher die Last der Sparmaßnahmen allein trägt. Es müssen auch die ersten der Privilegierten ihre Opfer bringen.
Gleichzeitig sollten die Reformen den Geldgebern Anlass dafür sein, ihren Zeitplan zu überdenken. Die ehrgeizigen Sparziele von EU und IWF lassen sich kaum erreichen, wenn man die Wirtschaft weiter in den Würgegriff nimmt. Steuern kann man über Nacht erhöhen, die kaputte Finanzverwaltung aber zu sanieren, das verlangt Monate.
Selbst wo die Regierung guten Willens ist, hat sie es mit einer maroden Justiz und einer oft sabotierenden Bürokratie zu tun. Athen braucht mehr Zeit. Wenn die Regierung zeigt, dass sie nun aufgewacht ist, sollte man sie ihr geben.
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(SZ vom 22.09.2011/aum)
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Die "Arbeitsplätze" um die es da gehen soll, existieren zum Großteil nur auf dem Papier. Die Athener U-Bahn hat z. B. nur 164 Arbeitsplätze aber 850 Personen auf der Gehaltsliste. Diese Leute haben lediglich Dank massiver Korruption einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Sie haben aber wohl keinen einzigen Tag für die U-Bahn-Gesellschaft gearbeitet, weil es für einen derart großen Personalüberhang definitv nichts zu tun gibt. Die Leute erhalten also für das gewohnte Nichtstun vierzig Prozent weniger, wenn die Streiks erfolglos sind. In Deutschland muss man allerdings mindestens zwei Jahre wirklich arbeiten, um einen Anspruch auf 60% des letzten Gehalts zu haben.
die Geldgeber einschließlich Deutschland sind selbst nicht weit von der Pleite entfernt. Ich fürchte, ohne einen flächendeckenden Bankrott zu riskieren, lässt sich der Zeitplan nicht großartig strecken.
eine regierung ist kein possierliches tierchen im winterschlaf. alles was passiert passiert wachen auges und vollen bewusstseins.
wir erleben die endphase einer verzögerungstaktik in der die versprechungen und ankündigungen immer besser werden.
jede milliarde die weiter verschoben wird kommt lediglich drauf auf den berg, raus aus der realwirtschaft und rein in die finanzwirtschaft.
Ich stimme zu. Es ist auch falsch, dass Deutschland so vorprescht mit immer größeren Rettungspakten. Wenn jemand den Euro retten kann, dann die Griechen, Italiener usw.
Genau, man muss sie bitten. Und wenn nicht, ist das ein Zeichen, dass sie den Euro nicht haben wollen. Die Italiener haben von sich aus ein Sparprogramm aufgelegt, dann hat die EZB italienische Staatsanleihen gekauft, und schon haben die Italiener das Sparprogramm gekippt.
Wenn den PIIGS der Euro wirklich wichtig ist, dann helfen sie sich selbst. Und wenn keiner von den PIGGS mitmacht, dann war es doch eh Wurscht um den Euro.
Denn die PIIGS könnten/sollen/müssen die Entscheidungen selbst treffen.
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