Schuldenkrise in Europa Schweig, Generation D-Mark!

Hach, war das mit der D-Mark doch schön: In abendlichen Plauderrunden trauern manche älteren Herren der Bundesrepublik und ihrer einstigen Währung hinterher. Doch mit ihrer Starrköpfigkeit gefährden sie die Zukunft des Euro. Die junge Generation tut gut daran, leidenschaftlich um den Euro und die europäische Idee zu kämpfen - auch wenn der Preis dafür hoch ist.

Ein Kommentar von Alexander Mühlauer

Sie wissen noch, wie es mit der Mark war, das ist es ja. All die älteren Herren, die jetzt in den Plauderrunden der Republik sitzen und den Euro schlechtreden, erinnern sich gerne an die D-Mark, ihre starke deutsche Währung. Fast jeden Abend erzählen sie Geschichten aus einer Zeit, als die Bürger fleißig in die Hände spuckten und die Bundesrepublik zum Wirtschaftswunderland machten. Wer ihnen zuhört, bemerkt den Stolz, der in ihren Worten mitschwingt. Ja, die Deutschen konnten damals endlich wieder auf etwas stolz sein - auch wenn es nur ihr Geld war.

Mit diesem Stolz kann die Jugend im Jahr 2011 nichts mehr anfangen. Sie ist mit dem Euro aufgewachsen. Die D-Mark? Das war die Währung ihres Taschengeldes in der Schulzeit, mehr nicht. Manche denken vielleicht noch an einen warmen Tag im Mai, als sie auf dem Rücksitz im Auto ihrer Eltern über die Grenze nach Italien fuhren und plötzlich andersfarbige Geldscheine in der Hand hatten. Mit der Kindheit sind später auch die Schlagbäume an den Landesgrenzen verschwunden; der Franc, der Schilling und die Lira sowieso. Die jungen Menschen haben Europa als freien Lebensraum kennen- und schätzen gelernt mit einer Währung, die das große Ganze irgendwie zusammenhält.

Wer nun den Euro als größten Fehler der europäischen Integration geißelt, verunglimpft nicht nur ein erfolgreiches Zahlungsmittel, er stellt damit die europäische Idee in Frage. Dabei wissen doch gerade die älteren Deutschen von der D-Mark, wie verbindend eine Währung für Gesellschaften sein kann. Die Jugend hat das längst selbst erfahren; sie reist ohne Passkontrollen von Berlin nach Lissabon, von Athen nach Paris. Junge Spanier studieren in Wien, junge Deutsche berichten von ihren Entdeckungen in London und Rom. Über soziale Netzwerke bleiben die jungen Europäer in Kontakt. Sie haben das, was Facebook "Freunde" nennt, auf der ganzen Welt. Besonders in Europa, ihrer Heimat.

Im Kampf um den Euro, einem Symbol für das Zusammenwachsen des Kontinents, fällt auf, dass es vor allem Deutsche in Spitzenpositionen sind, die nicht zusammenwachsen wollen. So hätte ein Deutscher Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) werden können. Es wurde ein Italiener. Und es war ein Deutscher, der den Job des EZB-Chefvolkswirtes hinschmiss. Nun will ihn ein Franzose.

Beide Dissidenten verkörperten die Tugenden der Bundesbank, sie standen für unbedingte Stabilität. Sie stemmten sich gegen die Vergemeinschaftung von Schulden europäischer Staaten; sie waren strikt dagegen, dass Europas Zentralbank Anleihen angeschlagener Länder kauft. Man kann sagen, sie haben ihre Position stabil verteidigt. Man kann sagen, sie haben ihren Mann gestanden. Ja, es war konsequent, dass die Stabilitätsdogmatiker zurücktraten. Was hätten sie auch machen sollen? Wer nicht von dem überzeugt ist, was er tut, sollte das auch nicht machen.

Auch die Alten kennen keinen Ausweg

Unverantwortlich ist es allerdings, dass sie nun, da sie ihre Verantwortung los sind, einfach das fordern, was sie schon immer verlangt haben. Sie bedrohen mit ihrer Starrköpfigkeit die Zukunft des Euro. Sie sollten besser schweigen, denn: Auch sie wissen keinen Weg aus der Schuldenkrise, sie machen nichts weiter als ihre alten Postulate herunterzubeten. Gerade in Krisenzeiten ist es aber nötig, sich von altem Denken zu lösen und - so pathetisch das klingt - Neues zu wagen. Dazu gehören nun einmal die umstrittenen Anleihekäufe der Notenbank. Schon wahr, für die Deutschen wird das alles sehr teuer. Es ist ein hoher Preis, aber er ist es wert.

Viele Junge haben das erkannt und wissen, dass sie ihn bezahlen werden - nicht die Alten. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als sich mit der Schuldenlast auseinanderzusetzen. Einer Last, die auch hierzulande in Zeiten des wirtschaftlichen Aufstiegs angehäuft wurde. Die Trümmer gilt es abzutragen.

Fern ist der Gedanke an die D-Mark

Dieser Weg wird schwer, denn das Wohlstandsniveau hat in Europa seinen Höhepunkt überschritten. Dies zu akzeptieren fällt den Jungen natürlich leichter als den Alten. Zu viele von ihnen trauern noch immer dem Wohlfühlkokon namens BRD hinterher. Anders die Jugend: Sie kann die Vergangenheit nicht glorifizieren; ganz einfach deshalb, weil sie sie nicht erlebt hat. So fern die D-Mark für die jungen Menschen ist, so fern ist der Gedanke, dass sie je wieder kommen könnte.

Die Zukunft gehört der jungen Generation und sie gehört dem Euro. Wenn es nicht gelingt, die europäische Gemeinschaftswährung zu retten, wird einmal nichts weiter bleiben als die Erinnerung an viele Nullen.