Schuldenkrise in Europa Deutschland muss um Top-Bonität fürchten

Zweifel an Deutschlands Kreditwürdigkeit: Die US-Ratingagentur Moody's hat den Ausblick für die Bonität von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Auch die Niederlande und Luxemburg sollen nun geprüft werden.

Die Ratingagentur Moody's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Deutschlands zurückgestuft. Die Bestnote AAA bleibt weiter bestehen, aber der Ausblick wird nun mit "negativ" bewertet und nicht mehr mit "stabil", wie die Agentur am Montag nach US-Börsenschluss mitteilte.

Neben Deutschland schätzt die Ratingagentur auch den Ausblick für die Bonität der Euro-Länder Niederlande und Luxemburg nur noch mit "negativ" ein. Moody's begründete seine Ratingschritte mit einer wachsenden Unsicherheit wegen der Euro-Schuldenkrise. Die Wahrscheinlichkeit eines Austritts von Griechenland aus dem Währungsgebiet sei gestiegen.

Selbst wenn dies nicht passiere, sei anzunehmen, dass Länder wie Spanien und Italien weitere Hilfen bräuchten. Dabei sei davon auszugehen, dass die europäischen Staaten mit einer sehr guten Bonität die neuen Hilfen schultern müssten. Deutschland und die anderen wirtschaftlich starken Länder der Euro-Zone haben den schwächeren Euro-Ländern bereits Hilfen gewährt.

Ein negativer Rating-Ausblick bedeutet, dass nach einiger Zeit eine Herabstufung auch der Kreditwürdigkeit insgesamt fällig werden könnte - was oft höhere Kosten für das Land bei der Aufnahme neuer Kredite nach sich zieht. Deutschland kann derzeit zu äußerst niedrigen Zinsen frisches Geld aufnehmen, im Gegensatz zu Ländern wie Spanien oder Italien, die teils mehr als sieben Prozent zahlen müssen.

Finanzministerium reagiert gelassen

Das Bundesfinanzministerium reagierte allerdings gelassen auf die Mitteilung der Ratingagentur. Die Meinung von Moody's werde zur Kenntnis genommen, teilte das Ministerium mit. "Die von ihr genannten Risiken in der Euro-Zone sind nicht neu, wobei die Einschätzung vor allem die kurzfristigen Risiken in den Vordergrund stellt, während längerfristige Stabilisierungsaussichten unerwähnt bleiben."

Das Ministerium betonte weiter, die Euro-Zone habe eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht, die zu einer nachhaltigen Stabilisierung der Euro-Zone führen werden. "Deutschland selbst befindet sich unverändert in einer sehr soliden Wirtschafts- und Finanzsituation." Auch an den internationalen Finanzmärkten sei das Vertrauen in Deutschland hoch, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums weiter.

Deutschland werde sich mit einer soliden Wirtschafts- und Finanzpolitik seinen Status als sicherer Hafen wahren und seine Ankerrolle in der Euro-Zone weiter verantwortungsvoll ausüben. Gemeinsam mit den Partnern werde alles getan, um die europäische Schuldenkrise schnellstmöglich zu überwinden.

Das ebenfalls mit der Moody's-Bestnote bewertete Finnland entging indes einem verschlechterten Ausblick. Die Agentur begründete das unter anderem mit dem kleinen und auf den Heimatmarkt fokussierten finnischen Bankensystem, von dem nur geringe Risiken ausgingen.

Erst im Februar hatte Moody's den Ausblick für die ebenfalls mit AAA bewerteten Länder Frankreich und Österreich auf "negativ" gestuft. Bei der Agentur Standard & Poor's haben Deutschland, die Niederlande, Luxemburg und Finnland ebenfalls die Bestnote, aber nur Deutschland noch einen "stabilen" Ausblick. Die dritte große Agentur, Fitch, bewertet die vier Länder ebenfalls mit AAA, gibt ihnen allen aber einen stabilen Ausblick.