Schuldenkrise Griechenland will Hafen von Piräus doch verkaufen

Container-Terminal in Piräus: Die chinesische Cosco Group hat ein Auge auf den größten Seehafen Griechenlands geworfen.

(Foto: AFP)
  • Athen bietet entgegen anderslautender Erklärungen den Hafen von Piräus nun doch zum Kauf an.
  • Aussichtsreichster Bieter ist die chinesische Cosco Group.
  • Verkaufsabsicht erklärt sich offenbar durch den akuten Finanzbedarf Athens.

Griechenland hat beim Privatisierungsprojekt "Hafen von Piräus" offenbar eine Kehrtwende eingeleitet. Man sei bereit, die Mehrheit an dem Hafen zu verkaufen, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Giannis Dragasakis nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. Dragasakis hält sich derzeit in der Volksrepublik auf.

Nach ihrem Amtsantritt hatte die neue Regierung unter Führung der linken Syriza-Partei im Januar noch erklärt, sie werde Schluss machen mit der Spar- und Privatisierungspolitik der Vorgängerregierungen. Stoppen wollte sie zunächst auch den Verkauf der Mehrheit von 67 Prozent am Hafen von Piräus.

Cosco kann sich Hoffnungen auf den Zuschlag machen

Auf der Fünfer-Liste der aussichtsreichen Bewerber für diese Beteiligung steht bis dato auch die chinesische Cosco Group.

Cosco und seine Mitbewerber seien eingeladen, ein wettbewerbsfähiges Angebot für den Hafen vorzulegen, sagte Dragasakis einem Bericht der chinesischen Agentur zufolge bei seinem Besuch in der Volksrepublik.

Die Transaktion könne dann in kurzer Zeit abgeschlossen werden. Der Politiker signalisierte, dass sich das chinesische Unternehmen Hoffnungen auf das Geschäft machen kann.

Athen weist auf akuten Finanzbedarf hin

Die Privatisierung des größten griechischen Hafens war eines der Vorhaben, zu denen sich die Regierung des damaligen Regierungschef Antonis Samaras im Gegenzug zu Finanzhilfen verpflichtet hatte.

Dass die neue Regierung nun wieder darauf zurückkommt, hängt offenbar mit dem akuten Finanzbedarf des Landes zusammen. Die Regierung von Alexis Tsipras hatte am Freitag gewarnt, dass Athen im April eine fällige Rate des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht bedienen könne, sollte die Regierung von ihren Kreditgebern zuvor kein Geld erhalten.

Voraussetzung für eine Auszahlung weiterer Mittel aber ist, dass Tsipras ein neues Reformpapier vorlegt, das von den Euro-Finanzministern gebilligt wird. Dies sollte eigentlich bis kommende Woche geschehen, doch nach Angaben von Syriza wurde die Maßnahmenliste bereits am Freitag den Institutionen der früheren Troika übergeben. Deren positives Votum dazu könnte einen entscheidenden Schritt bedeuten, um kurzfristig Hilfsgelder von 7,2 Milliarden Euro freizumachen.