Die EU-Staaten werden noch 20 Jahre Schulden aus der Finanzkrise abtragen. Erst dann dürften sie wieder die Regeln des Stabilitätspakts erfüllen.
Die Staaten der Europäischen Union (EU) werden zwei Jahrzehnte brauchen, um die Folgen der Finanzkrise zu bewältigen. Die Europäische Zentralbank (EZB) machte am Donnerstag deutlich, dass nicht nur Griechenland massive Schuldenprobleme hat.
113 Milliarden Euro an neuen Verbindlichkeiten nahm die Bundesrepublik im vergangenen Jahr auf. (© Foto: dpa)
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Selbst unter günstigen Annahmen werde es 20 Jahre dauern, bis die durchschnittliche Verschuldung in den Ländern der Eurozone auf ein Niveau falle, das mit den Regeln des Stabilitätspaktes vereinbar sei, heißt es im Monatsbericht der Notenbank.
Die Staaten der EU hatten im Zuge der Finanzkrise ihre Schulden drastisch erhöht. Erstens steckten sie Hunderte Milliarden Euro in die Rettung maroder Banken, zweitens versuchten sie, die Konjunktur mit Ausgabenprogrammen anzukurbeln, drittens brachen die Steuereinnahmen infolge der Rezession ein.
In Deutschland stiegen die Schulden von Bund, Ländern und Gemeinden 2009 um 113 Milliarden Euro auf den Rekord von 1692 Milliarden Euro, meldete das Statistische Bundesamt.
EZB drängelt
Das war der zweitstärkste Zuwachs in der Geschichte der Bundesrepublik. Lediglich 1995 waren die Schulden noch stärker angeschwollen, als sich die Kosten der Wiedervereinigung erstmals voll im Bundeshaushalt niederschlugen.
Experten rechnen auch in diesem Jahr mit einem Anstieg der Schulden. "Ein Grund dafür ist, dass viele Maßnahmen aus den Konjunkturpaketen erst in diesem Jahr zu Buche schlagen", sagte Stefan Bach, Finanzexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Die EZB drängt jedoch darauf, die Schuldenflut einzudämmen.
Viele Staaten müssten ihre Anstrengungen kräftig erhöhen, heißt es in dem Bericht. Die Krise habe die durchschnittliche Verschuldung in der Eurozone von 70 Prozent der Wirtschaftsleistung auf 85 Prozent erhöht. Die Regeln des Maastricht-Vertrages sehen maximal 60 Prozent vor.
Den griechischen Staatshaushalt hatte die EU vor wenigen Wochen unter ihre Aufsicht gestellt, um das jährliche Defizit in den nächsten Jahren wieder unter die zulässige Schwelle von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu drücken.
Griechenland war das erste Land der Eurozone, das wegen der hohen Schulden den Zugang zu Geld zu verlieren drohte. Erst als die Regierung ein Sparprogramm von mehr als 4,8 Milliarden Euro verkündete, gelang es ihr, wieder Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen. Athen braucht jedoch 2010 weitere 45 Milliarden Euro.
Mit diesem hohen Geldbedarf ist das Land nicht allein. Nach einer Schätzung der Ratingagentur Standard & Poor's werden 46 europäische Staaten in diesem Jahr die Rekordsumme von 1,45 Billionen Euro aufnehmen. S&P weist darauf hin, dass es wegen des enormen Kapitalbedarfs für viele Staaten deutlich teurer werden könnte, an Geldnachschub zu kommen. Die Meinung der Ratingagentur hat Gewicht, weil ihre Bonitätsnoten ausschlaggebend dafür sind, welche Zinsen Staaten ihren Gläubigern zahlen müssen.
Welche Folgen das hat, skizzierte Mohamed El-Erian, der die Anlagen der Allianz-Tochter Pimco managt. Die Regierungen müssten Steuern erhöhen und die Ausgaben drastisch kürzen. "Der Schock für die Staatsfinanzen entwickelter Volkswirtschaften wird noch nicht ausreichend verstanden", warnte der einflussreiche Manager.
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(SZ vom 12.03.2010/hgn)
Großprojekte in Berlin
Man möchte jenen, die solche Zahlen in die Welt setzen, freundlich zurufen: "Wie seid Ihr bloß auf das schmale Brett gekommen? Wer hat euch diese konkrete Ziffer 20 nur zugeraunt? Seid Ihr sicher, dass es nicht 18 oder 22 Jahre heißen müsste?"
Kurzum: Ich halte solche Überlegungen für müßig. Wie lange eine Schuldentilgung de facto in Anspruch nehmen wird, weiß kein Mensch. Wie´s derzeit aussieht, ist ja nicht mal sicher, ob ein solches Vorhaben überhaupt je gelingen kann.
ich verstehe es nicht, warum wird das verursacherprinzip nicht angewendet. alle bonis und gewinne 5 jahre einsammeln und es wäre alles im butter.
wenn die Schulden tatsächlich - selbst in einem Zeitrahmen von zwei Jahrzehnten - abbezahlt würden.
Allerdings fiele es mir fast leichter sogar an den Weihnachtsmann zu glauben.
Stellen wir uns doch einmal die Gretchenfrage unter der Annahme der Staat würde keine wie auch immer getarnten Schulden mehr machen:
Wie würden sich in unserem Staat die Nettoleistungsempfänger verhalten wenn sie lediglich so viel bekämen wie die Gruppe der Nettoleistungserbringer (ohne selbst in die Knie zu gehen) aufbringen könnten.
Alternativ: Wie würden sich die Nettoleistungserbringer verhalten wenn sie alleine die Nettoleistungsempfänger auf deren heutigen Niveau "durchfüttern" müßten.
Mit der Schuldenmacherei drückt sich doch die Politik quasi weltweit um diese Frage herum. Glauben Sie wirklich daß auch nur eine Regierung es auf die Beantwortung der gestellten Fragen ankommen lassen will?
in einer gesellschaft mit ca 20 mio rentnern ist es natürlich sehr sehr schwierig eine friedliche revolution überhaupt zu beginnen.
unsers mitbürger haben uns zwar vorgemacht wies geht aber ob wir dazu fähig sind wird sich zeigen. naja dann halt weiter so. ich hoffe ihr steht weit genug oben, wenn nicht dann good night and good luck.
Mir scheint, dass der letzte Satz der wichtigste ist und auch auf manchen " Volkswirtschaftler" der die Bundesregierung berät. Es folgt nach einer nur ganz wenigen Menschen vertrauten Logik, dass man deshalb die "Steuern senken muss, damit die Binnennachfrage zunimmt" Es hat eher den Anschein, dass die Strategie bestimmter Kreise darin besteht, möglichst schwache Regierungen zu haben. So sind die Bürger mehr und mehr allein gelassen, was zu ungeahnten Vorteilen diskreter Lobby-Gruppen führen wird! Und, wie gesagt, viele haben es noch nicht richtig verstanden
Paging