Von Silvia Liebrich

Eine Untersuchung offenbart, dass Tricksereien mit dem Ökosiegel bei Obst und Gemüse gang und gäbe sind. Manche Länder fallen besonders häufig auf.

Nicht überall, wo Bio drauf steht, ist auch Bio drin. Die wachsende Nachfrage nach Obst und Gemüse mit dem Ökosiegel verleitet offenbar einige Lieferanten dazu, konventionell erzeugte Ware als Bioprodukte auszugeben.

Schöner Schein: Bio? Von wegen!

(© Foto: ddp)

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Das ist das Ergebnis von Stichproben in den vergangenen fünf Jahren, die das baden-württembergische Agrarministerium am Freitag veröffentlicht hat. Besonders schlecht schnitten dabei Erzeugnisse aus Italien ab. Kaum etwas zu beanstanden hatten die Stuttgarter Kontrolleure dagegen bei Produkten deutscher Herkunft.

Besonders betroffen: Italien

"Bei vier von zehn Karotten-Proben aus Italien war die Bezeichnung Bio nicht korrekt", sagte der baden-württembergische Agrarminister Peter Hauk. Dies sei kein Einzelfall. Bei der Untersuchung von Öko-Karotten sei in den vergangenen drei Jahren stets italienische Ware negativ aufgefallen.

Die Pestizidmengen seien teilweise so groß gewesen, dass sie auf den Einsatz solcher Gifte auf dem Feld schließen ließen. Es liege daher der Verdacht nahe, dass konventionelle Ware vermehrt als Ökoware vertrieben werde. "Dies ist nicht akzeptabel. Ich erwarte, dass auch die Kontrollen im Ausland besser werden", ergänzte er.

Im Ländervergleich schnitten deutsches Bioobst und -gemüse am besten ab. 2,2 Prozent der untersuchten Produkte waren hier mit Pestiziden belastet und trugen das Ökosiegel zu Unrecht. Es folgten Israel mit einer Fehlerquote von 3,3 Prozent, Spanien mit 4,3 Prozent und die Niederlande mit 7,9 Prozent. Ware aus Italien war zu 12,7 Prozent mit chemischen Pflanzenschutzmitteln belastet, die im Ökolandbau verboten sind.

Dass es Defizite bei Kontrollen von Bioerzeugern im Ausland gibt, ist in der Branche bekannt. Selbst innerhalb der Europäischen Union gibt es nach Einschätzung von Branchenkennern ein Gefälle bei den Kontrollen.

Demnach werden Erzeuger in Deutschland und Frankreich erheblich kritischer geprüft als etwa Produzenten in anderen europäischen Ländern. Außerhalb der EU, etwa in Afrika, Südamerika oder Asien fällt diese Kontrolle noch schwerer, weil es meist keine staatliche Aufsicht gibt und nur wenige private Zertifzierungsfirmen sich diese Aufgabe teilen.

Offen reden will über dieses Problem jedoch kaum jemand. "Von Nachteil ist vor allem die schwammige EU-Verordnung, die die Vorgaben für Kontrollen regelt. Sie lassen viel Spielraum für Interpretationen", sagt ein Kontrolleur, der für einen französischen Bio-Zertifizierer Farmen in Südafrika prüft.

Zahlen muss für diese Dienstleistung der Landwirt, ganz gleichgültig, ob er am Ende das begehrte Ökosiegel bekommt oder nicht. "Wenn wir etwas zu beanstanden haben, kann der Farmer einfach zu einem anderen Zertifizierer gehen, der es mit der Prüfung nicht so genau nimmt", erläutert er.

Problematisch ist die Situation auch in China. Die Volksrepublik liefert zunehmend Bioware nach Deutschland. Häufig sei den Bauern dort gar nicht bewusst, worauf es beim Ökolandbau ankomme, kritisiert ein Kontrolleur, der dort jahrelang für einen deutschen Zertifzierer tätig war.

Da komme es schon vor, dass Ökoware mit konventioneller Ware vom Nachbarhof gemischt werde. Ein Unrechtsbewusstsein bei den Bauern sei bislang kaum vorhanden, kritisiert er.

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(SZ vom 28.7.2007)