Ein Kommentar von Ulrich Schäfer

Mit Deutschland geht es wieder bergauf. Trotz Merkel? Oder vielleicht gerade wegen ihr?

Angela Merkel hat, wenn man den gängigen Thesen folgt, bisher eigentlich alles falsch gemacht:

Deutschland im Aufschwung: Goldbarren der Deutschen Bundesbank. (© Foto: ddp)

Anzeige

Sie hat die großen Reformen verschoben oder nur halbherzig angepackt.

Sie hat die Steuern erhöht und nicht gesenkt.

Sie hat ein paar kleine Schritte gemacht, aber keinen großen.

Doch die deutsche Wirtschaft wächst so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr: Sie legt aufs Jahr gerechnet derzeit mit beinahe vier Prozent zu, die Steuereinnahmen sprudeln wie zuletzt im Boom der New Economy, die einstmals leeren Kassen der Bundesagentur für Arbeit quellen über und das staatliche Defizit lag in der ersten Jahreshälfte erstmals seit 2001 wieder unter der Maastricht-Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Deutschland also erlebt ein kleines Wirtschaftswunder. Trotz Merkel? Oder vielleicht gerade wegen ihr?

Die Büchsenspanner der Bundesregierung werden nicht müde, diesen Aufschwung als Merkels Aufschwung zu definieren, so wie es Gerhard Schröder 1998 tat, ehe er zum Kanzler gewählt wurde.

Damals wollte der SPD-Kandidat den Bürgern weismachen, die Wirtschaft wachse schneller, weil jedermann mit einem Regierungswechsel rechne.

Die große Koalition versucht dem Volk nun weiszumachen, die schönen Zahlen und Prognosen, die allerorten zu hören sind, seien in erster Linie ihr Verdienst.

Dies ist, gelinde gesagt, dummes Zeug, so wie auch Schröders Gerede vor acht Jahren dummes Zeug war.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Das kleine Wunder
  2. Seite 2
  3. Seite 3
Leser empfehlen