Ein Kommentar von Michael Bauchmüller

Geschwindigkeit ist das Geschäft der Deutschen Bahn - aber bei der Wahrheitsfindung bewegt sie sich mit dem Tempo einer Draisine.

Erstmals, immerhin, legt der Konzern nun einen Bericht über die internen Überprüfungen seiner Mitarbeiter vor.

Wie konnte die Bahnrevision zehn Jahre lang Mitarbeiter ausspähen, ohne dass dies im Konzern bekannt gewesen sein soll? (© Foto: dpa)

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Die Zahl der Spähaktionen ist im Laufe der Zeit von einer auf zwei, von zwei auf drei, von drei auf fünf gewachsen. Jede neue Woche bringt Neues ans Licht. Und auch mit dem jüngsten Bericht ist noch nicht klar, wo und wie der Konzern im Einzelnen Informationen über seine Mitarbeiter erhoben hat.

Eigenleben der Revision

Das alleine ist schlimm genug. Ganz offensichtlich führte eine komplette Abteilung des Konzerns, die interne Revision, über Jahre hinweg ein Eigenleben. Weite Teile ihrer Arbeit lassen sich nicht mehr rekonstruieren, weil Akten verschwunden sind - und offenbar fehlt es an Mitarbeitern, die darüber reden wollen.

Kein Mensch erfährt, gegen welche Gesetze die Revisoren verstießen - also diejenigen, die doch eigentlich die Einhaltung von Regeln überwachen sollen. Auch wird der Chef der Abteilung dem Verkehrsausschuss des Bundestages nicht Rede und Antwort stehen. Er hat sich, so die offizielle Lesart, beurlauben lassen.

Für Konzernchef Hartmut Mehdorn wird das gefährlich. In den vergangenen Tagen hatte er sich Luft verschaffen können, indem er sich bei den Mitarbeitern für die heimlichen Spähaktionen entschuldigte. Nun aber tauchen neue Fragen auf.

Wie konnte die Konzernrevision zehn Jahre lang Mitarbeiter ausspähen, ohne dass dies im Konzern bekannt gewesen sein soll? Warum wusste Mehdorn angeblich nichts, obwohl die Abteilung ihm direkt unterstellt ist? Die Bahn hat mit der Aufklärung begonnen. Plausible Erklärungen bleibt sie schuldig.

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(SZ vom 11.02.2009/hgn)