Die EU-Kommission hat den staatlichen Rettungskredit für Quelle genehmigt. Der insolvente Versandhändler hat damit eine letzte Überlebenschance.

Die EU-Kommission hat den Rettungskredit für Quelle genehmigt. Das Darlehen über 50 Millionen Euro sei "auf das für die Rettung erforderliche Minimum begrenzt", erklärte die Brüsseler Wettbewerbsbehörde am Dienstagnachmittag.

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Könne der Kredit nach sechs Monaten nicht zurückgezahlt werden, so müsse Deutschland einen Umstrukturierungs- oder Liquidationsplan für den insolventen Versandhändler vorlegen. "Die Rettungsbehilfe für Quelle unterstreicht abermals die Bereitschaft der Kommission, Maßnahmen zur Stützung der Realwirtschaft, die den Wettbewerb nicht übermäßig beeinträchtigen, umgehend zu prüfen", erklärte Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Die Bundesregierung hatte die Beihilfe am vergangenen Donnerstag angemeldet.

Zuvor war die Erleichterung bei Quelle groß, dass die Bundesregierung den staatlichen Kredit genehmigt hatte. Durch das Darlehen wurde das Ende des insolventen Versandhauses in letzter Sekunde abgewendet. "Jetzt hat Quelle die Chance, sich neu aufzustellen", sagte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Dienstag.

"Quelle ist mitnichten jetzt gerettet"

Er warnte zugleich: "Quelle ist mitnichten jetzt gerettet." Zugleich entzündete sich an der Quelle-Hilfe neuer politischer Streit zwischen Bayern und der Bundesregierung.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) attackierte die Bundesregierung scharf und sprach mit Blick auf die tagelange Hängepartie von einem "Trauerspiel".

Der Bund sowie die beiden Länder Bayern und Sachsen hatten sich am späten Montagabend auf einen Notkredit für das Fürther Versandhaus geeinigt.

Für die rund 8000 Quelle-Beschäftigten ging eine tagelange Zitterpartie vorläufig zu Ende. "Uns ist nicht nur ein Stein, sondern ein Felsen vom Herzen gefallen", sagte Betriebsrat Rainer Rohlederer. Dies sei jedoch nur der erste Schritt.

"Wahnsinnige Motivation"

Quelle-Geschäftsführer Konrad Hilbers erklärte: "Unsere Mitarbeiter und unsere Kunden haben bis zuletzt auf eine faire Chance gehofft und sie nun erhalten."

Gesamtbetriebsratschef Ernst Sindel sagte, die Entscheidung gebe "wahnsinnige Motivation". Vor Quelle liege eine Menge Arbeit. "Aber wir haben jetzt die Chance zu beweisen, dass unsere Konzepte tragen."

Das bayerische Kabinett mit seinem 21-Millionen-Euro-Anteil und Sachsen mit fünf Millionen Euro segneten die Kredite am Dienstag ab. Der Bund, der die restlichen 25 Millionen Euro trägt, will die Staatsbank KfW beauftragen.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sprach von einer guten Lösung für die Beschäftigten und die Steuerzahler. Für den Kreditanteil des Bundes gebe es ausreichend Sicherheiten. Zudem habe der Bund vorrangigen Zugriff auf die Sicherheiten - vor Sachsen und Bayern.

Guttenberg zeigte sich überzeugt, dass das Geld wieder zurückfließen wird. Er verteidigte sein langes Zögern, die Zustimmung zum Notkredit zu geben. "Wir haben mit Steuergeldern vernünftig umzugehen", sagte er im "ZDF-Morgenmagazin".

Seehofer griff Steinbrück und seinen eigenen Parteifreund Guttenberg dagegen scharf an, ohne sie namentlich zu nennen.

"Das erhöht schon meinen Blutdruck"

Bayern habe den Eindruck, dass die Bundesregierung nicht in erster Linie auf die Arbeitsplätze und die Betroffenen geachtet habe. Zudem kritisierte er, "die beiden betroffenen Ministerien" in Berlin hätten den Eindruck erweckt, als würde Bayern leichtfertig mit Steuergeldern umgehen und der Bund sei der einzige Hüter ordnungspolitischer Interessen. "Das erhöht schon meinen Blutdruck."

Nach Worten von Quelle-Geschäftsführer Konrad Hilbers wurde das Ende von Quelle im buchstäblich letzten Moment abgewendet. "Die Situation war sehr heikel und hat sich jeden Tag weiter zugespitzt", sagte Hilbers. "Die Lichter wurden immer schwächer." Der Umsatz sei zuletzt um bis zu 30 Prozent gesunken. Quelle konnte seine Lieferanten nicht bezahlen und war darauf angewiesen, dass sie im Vertrauen auf die Staatshilfe in Vorleistung gehen.

Mit dem sogenannten Massekredit soll das Unternehmen den Geschäftsbetrieb zunächst aufrechterhalten.

Hilbers sagte, es gehe nun darum, mit Hochdruck einen Insolvenzplan zu entwickeln. "Wir müssen ein Zukunftsszenario entwerfen, das Profitabilität nachweisen und Arbeitsplätze sichern kann." Anfang September solle der Plan dem Insolvenzgericht und der Gläubigerversammlung vorgestellt werden.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gab sich verhalten optimistisch. Er erklärte: "Ich hoffe sehr, dass wir jetzt eine Basis haben, auf der wir beginnen können, die Gesellschaft zu reorganisieren." Dies sei aber kein "Selbstgänger". Er hoffe jedoch auf einen "guten Ausgang", sagte Görg.

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(sueddeutsche.de/dpa/pak)