Schnäppchen-Portal Groupon laufen die Investoren weg

Ein dreiviertel Jahr nach dem Börsengang rutscht das Rabattportal Groupon immer tiefer in die Krise. Der Kurs bricht ein, die Zahl der Neukunden flaut ab - und nun steigen auch noch wichtige Investoren der ersten Stunde aus.

Schon als das Schnäppchenportal Groupon vergangenen Dienstag die Zahlen für das zweite Quartal in Chicago vorstellte, wurde deutlich, dass der einstige Börsenstar in der Krise steckt. Im ersten Quartal hatte der Umsatz noch um 89 Prozent zulegen können. Im zweiten Quartal wuchs Groupon im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur noch um 45 Prozent auf 568 Millionen Dollar - dabei hatte das Unternehmen im ersten Vierteljahr noch doppelt so stark zugelegt. Im dritten Quartal soll sich das Wachstum sogar auf bis zu 35 Prozent abschwächen. Da tröstet es auch nicht, dass Groupon statt einen 28-Millionen-Dollar-Gewinn verbuchen konnte. Denn der war in erster Linie einem einmaligen Effekt geschuldet: dem Tausch von Anteilen an Firmen in China.

Mehrere große Investoren des Schnäppchenportals Groupon haben ihre Anteile abgestoßen.

(Foto: dapd)

Die Situation spitzt sich weiter zu. Wie das Wall Street Journal meldete, haben vier wichtige Investoren aus der Zeit vorm Börsengang ihre Anteile verkauft oder drastisch reduziert. Im Prinzip kein ungewöhnlicher Vorgang - doch dass die Investoren bei einem so niedrigen Kurs aussteigen, ist Zeichen dafür, dass sie um Schadensbegrenzung bemüht sind.

Der Kurs sank auf zeitweise 4,77 Dollar. Ein Allzeittief. Beim Börsengang im November 2011 wurde die Aktie mit 20 Dollar gehandelt. Damit hat das Unternehmen mehr als drei Viertel seines Börsenwerts und damit über zehn Milliarden US-Dollar eingebüßt.

Zu den prominentesten Aussteigern soll Silicon-Valley-Veteran Marc Andreessen zählen. Reich geworden durch den Dot-Com-Hype der 90er Jahre, investierte seine Firma Andreessen Horowitz rund 40 Millionen Dollar in Groupon. Den Börsengang hielt der 41-Jährige jedoch für zu verfrüht - und soll nach Informationen des Wall Street Journal nun die Konsequenzen gezogen haben. Dem Bericht zufolge soll er kurz nach Ablauf der Haltefrist am 1. Juni seine 5,1 Millionen Aktien verkauft haben. Trotzdem ein Plusgeschäft: Andreessen verdiente knapp 14 Millionen Dollar.

Neben Andreessen soll die schwedische Investmentfirma Kinnevik ihre 8,4-Millionen-Aktien abgestoßen haben. Massiv reduziert hat der Hedge Fund Maverick Capital seine Anteile: von 6,3 auf unter zwei Millionen. Der Investmentfonds-Riese Fidelity Management & Research wiederum hat etwa ein Drittel seiner Aktien verkauft.

Morgan Stanley kauft zu

Die Bank Morgan Stanely und der vermögensverwalter T. Rowe Price Group haben dagegen aufgestockt: Beide sollen dem bericht zufolge ihr Engagement mehr als verdoppelt haben - demnach hielt allein die T. Rowe Price Group Ende Juli rund 75 Millionen Aktien.

Groupon versucht nun fieberhaft, das Geschäft über die Rabattcoupons hinaus auszuweiten. So gibt es in den USA unter anderem das Angebot Groupon Goods mit Rabatten auf Produkte und eine Plattform, die traditionelle Treuekarten ersetzen soll. Diese Geschäftsbereiche sind aber weniger lukrativ als die Coupons, bei denen Groupon in der Regel die Hälfte des Preises einstreicht.