Schmiergeldprozess um Banker Gribkowsky Schöne Reisen, gutes Essen

Ein Münchner Anwalt hat im Strafprozess gegen Gerhard Gribkowsky ausgesagt, der wegen Verdachts der Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung vor Gericht steht. Dabei wurde klar: Es läuft nicht gut für Gribkowsky.

Von Klaus Ott und Nicolas Richter

Im Herbst 2008 unternahmen die Vorstände der österreichischen Privatstiftung "Sonnenschein" eine Reise, deren Ziel gut zum Namen der wohlklingenden Organisation passte. Es ging nach Mallorca. Auf der spanischen Mittelmeerinsel wurde gut gegessen und getrunken, eine kleine Belohnung für den ehrenamtlichen Einsatz der Beteiligten. Außerdem wollte man die Ziele der sehr vermögenden Stiftung, mit deren Millionen krebskranken Kindern geholfen werden sollte, näher bestimmen.

Der Vorstandschef der Stiftung, der Münchner Anwalt Wolfgang Leierseder, fühlte sich aber zunehmend unwohl. Ihm wurde allmählich klar, dass kranke Kinder eigentlich gar nicht das Thema waren.

Stattdessen ergab sich aus den Unterlagen, die er zu lesen bekam, dass zuallererst der Gründer von "Sonnenschein" und dessen Familie versorgt werden sollte. Der Stifter, Gerhard Gribkowsky, ein Vorstand von Bayerns Landesbank, hatte viele Millionen Dollar in die Stiftung eingebracht. Leierseder hatte er als Vorstand gewonnen, indem er ihm erzählte, er wolle das viele Geld nicht für sich ausgeben, er brauche keine Yacht. Auf Mallorca aber, so erinnert sich Leierseder, hätten sie einen ganzen Nachmittag nur darüber diskutiert, ob und wie die damalige Freundin Gribkowskys im Fall der Fälle versorgt würde.

Die Reisegruppe besuchte dann zwar noch eine karitative Einrichtung am Rande der Stadt Palma de Mallorca - die aber hatte mit krebskranken Kindern wenig bis nichts zu tun, sondern beschäftigte Streetworker. Am Ende der drei Tage jedenfalls war Leierseder "ziemlich sauer". In dieser Woche hat Leierseder im Strafprozess gegen Gribkowsky ausgesagt, der wegen Verdachts der Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung seit knapp zwei Monaten vor Gericht steht.

Das Verfahren dürfte noch Monate dauern, aber einige der wichtigsten Zeugen sind bereits erschienen, und eine Tendenz zeichnet sich nunmehr ab: Es läuft nicht gut für Gribkowsky.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft läuft es für ihn sogar so schlecht, dass sie seinen Verteidigern kürzlich ein "Rechtsgespräch" angeboten hat. Solche Gespräche können auf einen Deal hinauslaufen: Falls der Angeklagte doch gestehen sollte, könnte er mit einer milderen Strafe rechnen. Gribkowskys Anwälte haben darauf bisher nicht reagiert. Noch immer ist nicht erkennbar, wohin ihre Verteidigungsstrategie zielt. Gleichzeitig offenbaren immer neue Zeugenaussagen, wie dubios sein Millionen-Vermögen ist, das von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sowie der Bambino-Stiftung stammt, hinter der Ecclestones Ex-Frau und seine beiden Töchter stehen.

Mindestens vier verschiedene Versionen

Nimmt man alle Erklärungen Gribkowskys vor verschiedenen Zeugen zusammen, so addieren sich mittlerweile mindestens vier Versionen. Unlängst erzählte seine frühere Mitarbeiterin Alexandra Irrgang vor Gericht, ihr damaliger Chef habe ihr erzählt, seine Stiftung verwalte überwiegend Familienvermögen. Sein Vater sei Vorstand einer Brauerei in Bremen gewesen. In der Kanzlei seines Salzburger Steueranwalts erklärte Gribkowsky hingegen, er habe beim Verkauf der Rennserie Formel 1 durch die BayernLB ein Vermögen verdient.

Stiftungsvorstand Leierseder erfuhr, Gribkowsky habe die Formel 1 "wieder auf die Spur" gebracht. Autokonzerne hätten eine Konkurrenzveranstaltung geplant, die er, Gribkowsky, verhindert habe. Dafür habe er eine Provision bekommen. Als die Staatsanwaltschaft zu ermitteln begann, erzählte der frühere BayernLB-Vorstand zunächst von M&A-Geschäften, die ihm Geld gebracht hätten. M & A steht für Mergers & Akquisitions, also irgendetwas mit Unternehmensfusionen und Firmenkäufen.

Und schließlich steht noch eine völlig abweichende Version von Bernie Ecclestone und der Stiftung Bambino im Raum: Demnach habe Gribkowsky sie beide charmant erpresst mit seinem Wissen über angebliche Steuerprobleme des Formel-1-Chefs und der Stiftung. Ecclestone und Bambino hätten dann eine Art Schweigegeld gezahlt, um einem drohenden Steuerbescheid über zwei Milliarden Pfund zu entgehen.