Schmiergeld-Skandal um Rheinmetall Entlarvende Mails

Dunkelmänner, abhörsichere Verbindungen, "Spezialwerkzeuge": Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat die griechische Armee bestochen, um an Aufträge zu kommen. Doch die Beschuldigten haben es längst nicht nur mit der Staatsanwaltschaft zu tun.

Von Klaus Ott

Die Botschaften aus Athen enthielten merkwürdige Hinweise, aber die Empfänger der Mails in Deutschland wussten genau, was wie zu verstehen war. "Special tools", Spezialwerkzeuge, bedeutete Schmiergeld. "Downstreamen" hieß, auch unterhalb der Chefetagen in den Ministerien und beim Militär müsse bestochen werden. Und dann waren da auch noch "Loyalities" zu pflegen. Ein dezenter Fingerzeig, dass weitere Zahlungen notwendig seien, um laufende Projekte voranzubringen.

Die Absender der Mails, der griechische Geschäftsmann und frühere Marine-Offizier Papagiotis Efstathiou und seine Mitarbeiter, ließen bei ihren deutschen Partnern keine Zweifel aufkommen, wie das System funktioniere. Den Zuschlag für lukrative Rüstungsaufträge bekomme er nicht, weil er in der orthodoxen Kirche um göttlichen Beistand bete, machte Efstathiou klar. Der Erfolg beruhe auf dem "Einsatz unserer Werkzeuge".

Die entlarvenden Mails werden von Staatsanwälten ausgewertet, die Schmiergeldvorwürfen beim Verkauf des deutschen Flugabwehrsystems Asrad für 150 Millionen Euro an die griechische Armee nachgehen. Aus dem Verdacht ist inzwischen Gewissheit geworden. Efstathiou hat Ministeriale und Militärs in Athen bestochen, damit die sich für die Stinger Boden-Luft-Raketen der Düsseldorfer Rheinmetall AG entschieden. Und etliche Verantwortliche bei der Tochterfirma Rheinmetall Defence Electronics in Bremen haben das gewusst oder bewusst in Kauf genommen, um den Auftrag zu erhalten.

Mindestens zwei Rheinmetall-Führungskräfte haben sich bereichert

E-Mails, Kontoauszüge und andere Dokumente sowie abgehörte Telefonate dokumentieren: Hier wurde korrumpiert. Mindestens zwei Führungskräfte der Rheinmetall Defence Electronics haben sich an dem schmutzigen Deal sogar persönlich bereichert. Der eine griff 40 000 Euro ab, der andere 80 000 Euro. Als das aufflog, mussten die beiden die Bremer Rheinmetall-Tochter ganz schnell verlassen. Vielleicht floss von den gut 20 Millionen Euro, die Efstathiou mit seinen Firmen im Laufe der Jahre von Rheinmetall erhielt, noch einiges mehr zurück. Die Rede ist von großzügigen Geschenken und teuren Familienurlauben.

Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwölf heutige und frühere Beschäftigte des Rheinmetall-Konzerns. Einige von ihnen müssen davon ausgehen, vor Gericht zu landen. Die Beschuldigten haben es aber, zu ihrer Überraschung, längst nicht mehr nur mit den hanseatischen Strafverfolgern zu tun. Ihr mittlerweile ärgster Widersacher sitzt in Düsseldorf, im eigenen Haus. Armin Papperger, seit Anfang 2012 Vorstand und seit Anfang 2013 Chef der Rheinmetall AG, räumt auf. Papperger hat bei einer Berliner Anwaltskanzlei eine eigene Untersuchung in Auftrag gegeben, die Juristen haben freie Hand. Der Konzernchef will alles wissen. Was in Bremen und Athen geschehen ist. Ob es Mitwisser in der Düsseldorfer Konzernzentrale gegeben hat. Und was jetzt geschehen muss, damit Rheinmetall möglichst schnell und überzeugend aus dem Schlamassel herauskommt.

Viel zu tun: Reparaturarbeiten bei Rheinmetall in Kassel.

(Foto: Jochen Eckel/SZ Photo)

Der aus Niederbayern stammende Papperger ist keiner, der Konflikte scheut. Das hat ihn in der Rüstungsindustrie bis ganz nach oben gebracht, an die Spitze des Bundesverbands der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Als oberster Repräsentant seiner Branche streitet Papperger mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel öffentlich über den Export von Panzern, U-Booten und anderem Kriegsgerät. Der 51-Jährige hat mit der in diesem Industriezweig üblichen Geheimniskrämerei um alles und jedes nichts am Hut. Dass militärische Details unter Verschluss bleiben, versteht sich von selbst. Aber ein dubioses Geschäft leugnen? Nicht mit Papperger.