Schlechter Start für den EFSF-Fonds Investoren verschmähen neue Euro-Papiere

Der Rettungsfonds EFSF, der die Zukunft der Gemeinschaftswährung sichern soll, wird selbst zum Pflegefall. Die EU tut sich schwer, Käufer zu finden, vielen Investoren ist der Fonds mittlerweile zu kompliziert - und in den Hinterzimmern munkeln die Bonitätswächter bereits über einen Entzug des Spitzenratings.

Von Cerstin Gammelin, Brüssel

Eigentlich sollte er die Kopfschmerzen des Euro-Klubs lindern, nun bereitet er ihm selbst welche. Der Euro-Rettungsfonds EFSF, gegründet, um zu helfen, ist zum Pflegefall geworden. Der Fonds, der klamme Euro-Länder aus finanzieller Not befreien soll, musste in den wenigen Monaten, die er überhaupt erst existiert, schon mehrmals nachgebessert - um nicht zu sagen, selbst gerettet werden, und zwar davor, vorzeitig leer, abgeräumt und ausgeschöpft zu sein. Es wurde erweitert und gehebelt - doch in Cannes fiel das Fazit erneut ernüchternd aus. Der Fonds ist noch immer nicht das, was er sein soll.

Für seinen Auftrag, eine Brandmauer aus 2000 Milliarden Euro um die Währungsgemeinschaft zu errichten, fehlt ihm das nötige Geld. Mit dem, was da ist, lassen sich nach wie vor lediglich ein paar kleinere Brandherde löschen. Brennen Spanien oder Italien, ist der Fonds am Ende. Und so mussten die Finanzminister des Euro-Klubs an diesem Montag in Brüssel erneut darüber grübeln, woher bloß die nötigen Rettungs-Milliarden kommen könnten.

Eigentlich hatten sie gehofft, das Geld werde aus Asien und Russland fließen. In China und Japan gibt es reichlich ausgestattete staatliche oder private Geldtöpfe, deren Eigentümer bisher gern Euro-Papiere, auch Anleihen des EFSF, gekauft haben. Dieses Geld im Blick, bauten die Euro-Länder kürzlich ihren Rettungsfonds so um, dass er noch mehr dieser finanzkräftigen Investoren anlocken möge - um mit deren Milliarden endlich die Brandmauer errichten zu können.

Allein, das Kalkül geht nicht auf. Die Asiaten zögern, die Russen auch. Keiner ist so richtig überzeugt, noch mehr Geld in EFSF-Papieren anzulegen. In der vergangenen Woche gab der Fonds sogar den Plan auf, eine neue Anleihe zu verkaufen. Nicht schlimm, wiegeln die Fondsgründer ab, es sei ohnehin nur ein Test gewesen. Doch schlimm, sagen Finanzmanager, die Anleihen wurden nicht genug nachgefragt. Und sie hatten recht: an diesem Montag gab der EFSF nun eine neue Anleihe aus, das Interesse war gering - und die Risikoaufschläge hoch wie nie.

Und in den Hinterzimmern der Bonitäts-Wächter ist zu hören, dass auch die Bestnote, das sogenannte Triple A wackelt. Die drei Buchstaben sorgen dafür, dass Investoren trotz Krise überhaupt Euro-Papiere kaufen.

Vielen von ihnen ist der Fonds offenbar zu kompliziert geworden. Das große Rettungsinstrument der Euro-Länder ähnelt jenen komplizierten Finanzprodukten, die Anleger kaum verstehen und von denen sie lieber die Finger lassen. Als der Euro-Klub den Fonds gründete, schrieb er 440 Milliarden Euro drauf. Tatsächlich drin im Topf waren aber nur 280 Milliarden Euro an Krediten. Die Finanzwelt fühlte sich gefoppt und die Sorge wuchs, das Geld könnte nicht reichen, müssten noch mehr Länder gerettet werden. Also füllte der Klub den Fonds auf tatsächlich 440 Milliarden Euro an Krediten auf, was insgesamt 780 Milliarden Euro erforderte, weil der Rest als Garantie für die Bestnote gebraucht wurde.

Dass auch diese Summe nicht reicht, war klar, als Italiens Schulden ins Visier der Finanzmärkte rückten: Es sind fast 2000 Milliarden Euro. Das Konstrukt des Fonds wurde also noch einmal verkompliziert, um, siehe vorn, finanzstarke Investoren anzulocken. Das hat nun nicht geklappt. Sicher, der Euro-Klub kann noch mal durch Asien touren und für den komplizierten Fonds werben. Im Hintergrund aber werden längst die Weichen gestellt, um die Quelle anzuzapfen, die bisher als einzige für ein paar kopfschmerzfreie Tage sorgte: die Europäische Zentralbank.

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