Von Thorsten Denkler, Berlin

Erbittert wehrt sich die Spielzeug-Industrie dagegen, ihre Produkte unabhängig testen zu lassen - und bringt so Millionen Kinder in Gefahr.

Wenn Kinder am Heiligen Abend ihre Geschenke auspacken, dann kann der Inhalt mitunter gefährlich sein. Leicht entflammbar, elektrische Schläge, Allergene und krebserregende Stoffe: Spielzeug kann heute zu oft kleine Kinder krank machen.

Elektrische Schläge, Allergene, krebserregende Stoffe: Spielzeug ist zu oft gefährlich. (© Foto: dpa)

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Im Sommer 2007 erschütterte eine weltweite Rückrufaktion des US-Spielzeugherstellers Mattel das Vertrauen der Verbraucher in die bunte Spielzeugwelt. In 83 verschiedenen Artikeln fanden die Mattel-eigenen Prüfer überhöhte Blei-Konzentrationen im Lack. Betroffen war auch ein knallbuntes Musikinstrumenten-Ensemble der Edition "Sesamstraße". Produktionsort der beanstandeten Ware: China.

Sogleich versprach die Politik Abhilfe. Wenn es um die Sicherheit der Kinder gehe, dürfe es keine Kompromiss geben, sagte damals EU-Industriekommissar Günther Verheugen (SPD). Der Süddeutschen Zeitung teilte er mit, Spielwaren seien "anders zu behandeln als andere Güter". Es gehe hier um die "verwundbarste Gruppe überhaupt, die Kinder". Bei diesen Produkten dürfe es keine Risiken geben.

Industrie klagt über hohe Kosten

Seitdem wurde die 20 Jahre Spielzeugrichtlinie der Europäischen Union überarbeitet. Noch in diesem Monat soll sie im Europaparlament verabschiedet werden. Darin enthalten sind schärfere Grenzwerte und eine Reihe von neuen Stoffen, die künftig in Spielzeug nicht mehr enthalten sein dürfen. Eine entscheidende Forderung haben die Europa-Parlamentarier jedoch nicht in die neue Richtlinie aufgenommen: Die Hersteller müssen sich nicht dazu verpflichten, ihre Produkte von unabhängigen Prüfern testen zu lassen.

Die konservative Mehrheit im Parlament lehnt das ab. Eine Studie im Auftrag des Verbraucherausschusses im Europaparlament sollte belegen, dass die Kosten und der Aufwand für die Industrie zu hoch seien. Durchgeführt wurde die Untersuchung jedoch ausgerechnet von Beratern des dänischen Ramboll-Konzerns, der auch enge Beziehungen zum Spielzeuggiganten Lego unterhält. Auch die Studie stützt das Urteil der Konzerne - und die Opposition ist entsprechend empört: "Unseriös" sei das Werk, urteilt die grüne Europa-Abgeordnete Heide Rühle.

Bei jährlich 600.000 neuen Spielzeugartikeln, so rechnet dagegen die Industrie, entstünden für unabhängige Prüfungen Kosten in Höhe von über sechs Milliarden Euro, sagt Ulrich Brobeil, Justiziar des Deutschen Verbandes der Spielwaren Industrie - bei einem Gesamtumsatz von 2,2 Milliarden Euro. Die Kosten für eine Erstprüfung der Produkte würden demnach bei 10.000 Euro pro neuen Artikel liegen. Die deutschen TÜV-Gesellschaften, die ebenfalls Spielzeugprüfungen durchführen, halten die von der Spielwaren-Industrie genannten Kosten für völlig überzogen.

Lesen Sie im zweiten Teil, warum unter deutschen Christbäumen Spielzeug liegen kann, das für China zu gefährlich ist.

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