Schlechte Arbeitsbedingungen bei Online-Händler Amazon kündigt Zusammenarbeit mit weiterem Dienstleister

Das Logistik-Zentrum den Online-Händlers Amazon im osthessischen Bad Hersfeld: Der Konzern entlässt einen weiteren Dienstleister.

(Foto: dpa)

Amazon reagiert mit einem weiteren Minischritt auf die Proteste gegen die schlechten Bedingungen für Leiharbeiter: Der Online-Versandhändler entlässt den Dienstleister, der für Unterbringung und Transport der Arbeiter zuständig war.

Von Lars Langenau

Der Online-Versandhändler Amazon zieht weitere Konsequenzen aus den schweren Vorwürfen, die in der ARD-Dokumentation "Ausgeliefert - Leiharbeit bei Amazon" erhoben werden: Der Konzern trennte sich nun von einem Dienstleister, der für Unterbringung und Transport der Leiharbeiter in den Logistikzentren von Amazon verantwortlich war. "Es ist uns eindeutig nicht gelungen, die Einhaltung unserer hohen Standards auch durch den Dienstleister, der für Unterbringung, Transport und den Einsatz der Sicherheitskräfte verantwortlich war, zu gewährleisten", teilte das Unternehmen in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Nach Informationen von Süddeutsche.de handelt es sich dabei um das in der ARD-Doku genannte Unternehmen CoCo Job Touristik aus Leipzig.

Die Filmemacher Diana Löbl und Peter Onneken werfen Amazon vor, Arbeiter mit falschen Versprechungen aus ganz Europa nach Deutschland zu locken. Dort angekommen würden sie dann aber bei Leiharbeitsfirmen angestellt. Für Empörung sorgte vor allem die Unterbringung der Arbeiter: Im Film ist zu sehen, wie die Arbeiter in heruntergekommenen Ferienanlagen beengt zusammenleben. Genau dafür war CoCo Job Touristik zumindest in der Nähe einiger Amazon-Logistikzentren zuständig.

Auf dem Weg zur Arbeit, kritisieren die Filmemacher, seien die Menschen auf einen Bustransfer angewiesen - wenn sich die Busse allerdings verspäteten, bekämen die Arbeiter die Wartezeiten nicht bezahlt. Auch Verpflegung und Unterkunft würden vom Gehalt abgezogen.

Kritik von Filmemacher

"Amazon ist verantwortlich dafür, dass alle Beschäftigten unserer Logistikzentren jederzeit sicher sind und mit Respekt und Würde behandelt werden", hieß es nun in der Mitteilung des Unternehmens. ARD-Reporter Onneken sieht die neuesten Reaktionen von Amazon im Gespräch mit Süddeutsche.de hingegen kritisch: "Die packen das Problem mit den Leiharbeitern nicht an der Wurzel. Was bringt es, wenn jetzt wieder einem Dienstleister gekündigt wurde? Vergangenes Jahr hieß der noch anders, der wird sich doch wieder nur umbenennen - und dann wird es weitergehen wie zuvor."

Doch das Interesse an dem Thema hält weltweit an, die Doku ist inzwischen auch zu einem Web-Hit geworden. Unterdessen sind auch fast 25.000 Stimmen bei einer Internet-Petition von Verdis Amazon-Fachmann Heiner Reimann zusammengekommen. Der Gewerkschafter versucht, 30.000 Unterstützer für seinen Aufruf "#Amazon Deutschland: Verbesseren Sie die Arbeitsbedingungen Ihrer Leiharbeiter" zu sammeln.

Bereits am Montag hatte Amazon die Zusammenarbeit mit einem Sicherheitsdienst beendet, der die Unterkünfte der Arbeiter im hessischen Bad Hersfeld überwachte. Die Angestellten der Firma hatten das Filmteam bedrängt und ausländische Arbeiter schikaniert.

Arbeitsagentur fühlt sich getäuscht

Der Fall Amazon hat in der Politik eine generelle Debatte über Leiharbeit angestoßen. Die nordrhein-westfälische Landesregierung forderte nun Konsequenzen und will zunächst bei der Bezahlung von Leiharbeitern ansetzen. "Wir wollen erreichen, dass die Leiharbeit neu reguliert wird", sagte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) den Zeitungen der WAZ-Gruppe. "Es muss der Grundsatz gelten: gleiches Geld für gleiche Arbeit." Zuvor hatte bereits Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen Aufklärung von Amazon gefordert - und der Leiharbeitsfirma mit Lizenzentzug gedroht.

Die örtliche Arbeitsagentur erklärte inzwischen, dass sie sich von den Verantwortlichen des Amazon-Logistik-Zentrums in Bad Hersfeld getäuscht fühle. Man sei bei der Vermittlung von 68 Saisonarbeitskräften aus Spanien stets davon ausgegangen, dass diese bei Amazon direkt eingestellt würden. Wie die Beschäftigten selbst habe man erst zwei Tage vor Arbeitsantritt erfahren, dass eine Zeitarbeitsfirma zwischengeschaltet werden sollte. Die Agentur habe ihren Unmut darüber in Gesprächen mit Amazon deutlich gemacht und werde in Zukunft auf Einhaltung der Spielregeln bestehen.