Von T. Authaler, D. Mittler, S. Pfanzelt u. A. Ramelsberger

"Nach eigenen Kriterien ist sie nun eine arme Frau": Warum in Franken niemand ein schlechtes Wort über Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz verliert.

Die Frau gilt als Milliardärin, als Erbin, als Frau von Geld. Sie ist Großaktionärin beim Quelle-Mutterkonzern Arcandor, Besitzerin von Villen in der Schweiz, an der Côte d'Azur, im fränkischen Städtchen Hersbruck und in der Stadt Fürth. Nun klagt diese Frau darüber, dass sie nur noch 600 Euro im Monat zum Leben hat, beim Discounter einkauft und sich das Gemüse aus dem Garten holt, damit sie nicht zu viel Geld ausgeben muss.

Madeleine Schickedanz, Leo Herl, Foto:getty

Madeleine Schickedanz und ihr Ehemann Leo Herl haben strikte Gütertrennung vereinbart. (© Foto: getty)

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Blanker Zynismus einer reichen Frau, sagen die einen. "Die Frau lebt doch wie in einer anderen Welt. Hier in Fürth werden sogar schon Witze darüber gemacht", sagt Gerd Axmann, langjähriger Geschäftsführer von Verdi in Fürth. "Da heißt es etwa, vor dem oder dem Lidl sei ein schwer bewachter Rolls-Royce gesichtet worden: Frau Schickedanz beim Einkaufen." Je weiter weg die Menschen sind, desto unverständlicher wird es für sie, dass eine Millionärin darüber klagt, dass sie in Armut fällt.

Doch die Menschen in ihrer Heimat wollen ihre Madeleine nicht verdammen. Sie haben Mitleid - nicht mit der Unternehmerin, aber mit dem Menschen.

Die Bilder gehören dem Gatten

"Ausgeschlossen", sagt der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein. "Madeleine Schickedanz kokettiert nicht mit der Angst vor der Armut. Sie hat echte Existenzangst." Beckstein ist mit Madeleine Schickedanz als Kind zur Schule gegangen, sie beide stammen aus Hersbruck. Seit 20 Jahren pflegt der CSU-Politiker Kontakt zur Quelle-Erbin. "Sie hat offenbar das letzte Hemd verpfändet, weil sie unter allen Umständen das Erbe von Vater und Mutter weiterführen wollte", sagt Beckstein der SZ.

Beckstein, der in der Krise von Quelle immer wieder mit Schickedanz gesprochen hat, weiß, dass die Erbin ihre Bilder, die Möbel, die Häuser verpfändet hat, um Geld für Quelle zu besorgen. "Nach eigenen Kriterien ist sie nun eine arme Frau", sagt Beckstein. "Aber das Familieneinkommen liegt sicher nicht bei 600 Euro." Schickedanz hatte in der Bild am Sonntag erklärt, sie verliere nun alles. Allerdings lebten sie und ihr Mann in Gütertrennung, die wertvollen Bilder an der Wand gehörten dem Gatten.

"Man kann Häme oder Mitleid empfinden", sagt Thomas Jung, der Oberbürgermeister der Stadt Fürth, in der die Quelle-Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze zittern. "Das Wort arm ist relativ. Für jeden, der von Hartz IV leben muss, ist die Klage von Frau Schickedanz nicht verständlich", sagt Jung. Häme will Jung nicht gelten lassen: "Frau Schickedanz hat sich für ihr Unternehmen engagiert. Wir kennen hier auch andere. Die Witwe des Grundig-Chefs war Milliardärin und ist es nach wie vor. Aber von Grundig ist nicht mehr viel übrig."

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