Scheitern des Emissionshandels Eon-Chef warnt vor Kollaps der Klimapolitik

Teyssen befürchtet jahrelange Verzögerungen beim grünen Umbau von Europas Wirtschaft.

(Foto: AFP)

Vom Vorbild zum "Mogler": Eon-Chef Teyssen greift Europas Politiker nach dem Scheitern des Emissionshandels scharf an. Jeder, der erzähle, Europa sei Vorreiter beim Klimaschutz, solle sich schämen.

Nach dem Scheitern einer Reform des europäischen Emissionshandels schlägt Deutschlands einflussreichster Strommanager Alarm. Europa sei beim Klimaschutz vom Vorbild zum "Mogler" mutiert, warnt Eon-Chef Johannes Teyssen im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Ohne strengere Klimaziele drohe eine Dekade des Stillstands im Kampf gegen die Erderwärmung.

Als erster Dax-Manager beklagt Teyssen damit das Einknicken der Politik: "Wir geben eine lächerliche Figur ab. Eigentlich sollte sich jeder Politiker, der bei Sonnenschein erzählt, Europa sei Vorreiter beim Klimaschutz, schämen. Das ist ein Witz."

Eine Verschärfung des Emissionshandels war Mitte April am Veto des Europaparlaments gescheitert. Teyssen, dessen Konzern zuletzt Milliarden in den Aufbau grüner Stromkapazitäten investiert hatte, fürchtet deshalb jahrelange Verzögerungen beim grünen Umbau von Europas Wirtschaft. Ringe sich Europa nicht doch noch zu einer Reform durch, blieben die Verschmutzungsrechte spottbillig. Die Folge: Investitionen in sauberes Wirtschaften rentierten sich nicht mehr.

"Geld fließt wieder in eine Wirtschaft, die eigentlich bald Geschichte sein sollte", sagt Teyssen. "Der europäische Emissionshandel ist ein totkranker Patient. Entweder therapieren wir ihn jetzt schnell, oder er stirbt. Und das hätte nicht nur für den Klimaschutz kaum absehbare negative Folgen."

Den Umbau der Energiebranche in Deutschland sieht der 53-Jährige erst am Anfang. "In unserer Branche bleibt gerade kein Stein auf dem anderen. Unser Geschäft wird sich in den nächsten Jahren weiter drastisch ändern." Neue Technologien kämen in rasantem Tempo auf, das Kundenverhalten wandele sich radikal.

Viele würden selbst zu Energieerzeugern. Er sei optimistisch, dass Eon diesem Wandel gewachsen sei. "Niemand hat uns ins Geschichtsbuch geschrieben, dass wir das auch schaffen werden." Aber der Konzern kämpfe und habe gute Chancen.

Die Zukunft des Energieversorgers mit 130 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 70.000 Beschäftigten sieht Teyssen verstärkt jenseits des Heimatmarktes. Der Konzern werde seinen Marktanteil in Deutschland nicht halten können. Wachsen werde das Geschäft im Ausland. Nach dem Start von Eon in der Türkei und Brasilien will der Konzern in neuen Regionen aktiv werden. Die Eon-Landkarte werde sich in den nächsten Jahren weiter verändern, kündigte Teyssen an.

Das vollständige Interview lesen sie in der Süddeutschen Zeitung vom 27./28. April 2013.