Die gewaltigen Investitionen aus dem Ausland treiben die Preise nach oben und gefährden die chinesischen Unternehmen. Das Politbüro versucht nun, das Wachstum verlangsamen.
Eine Volkswirtschaft kann man sich wie einen Wasserkreislauf vorstellen, um sie besser zu verstehen: Wassermenge, Fließgeschwindigkeit und Flussrichtung erklären viele Probleme. Der neuseeländische Ingenieur und Ökonom Bill Phillips hat Mitte des vergangenen Jahrhunderts tatsächlich eine Maschine erfunden, die den Wirtschaftskreislauf mittels eines hydromechanischen Kreislaufs aus Röhren, Wassertanks und Pumpen analysierte. Der Wasserdruck stand für Investitionen, Exporte, Importe und Steueraufkommen. Eine der Maschinen steht heute in einem Wissenschaftsmuseum in London.
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Fahrradfabrik in Shenzen: Massive Geldmengen fließen nach China. (© Foto: dpa)
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Der "Hauptstrom" in der chinesischen Volkswirtschaft sind die massiven Geldmengen, die ins Land fließen. Der Überdruck dieser gewaltigen Investitionen ist für unseren gesamten Wirtschaftskreislauf zu einer Gefahr geworden. Ganz zwangsläufig steigt dadurch auch unsere Inflation.
Nach vier Jahren der Deflation hat Chinas Wirtschaft 2003 eine neue Entwicklungsphase erreicht. Bis Anfang vergangenen Jahres hatten wir noch keine Probleme mit der Inflation - deshalb hat die Regierung zunächst nicht reagiert, als die Konsumentenpreise in der zweiten Jahreshälfte plötzlich anfingen, schnell zu steigen. Als die Inflation drei Prozentpunkte über der Zielmarke der Regierung lag, begannen die Wirtschaftsplaner, sich Sorgen zu machen, und die Inflationsbekämpfung rückte ins Zentrum der wirtschaftspolitischen Aufmerksamkeit.
Steigende Kosten
Seither hat die Zentralbank die Leitzinsen immer weiter erhöht. Auch die Rücklagen, die Banken einbehalten müssen, wurden wiederholt heraufgesetzt. Trotzdem nahm die Geldmenge unverändert zu, und auch das Wirtschaftswachstum beschleunigte sich. Zudem konnte sich China nicht davon abschotten, dass die Inflation Ende vergangenen Jahres zu einem weltweiten Problem wurde.
Chinas Fabriken werden in diesem Jahr weiter unter den schnell steigenden Kosten leiden. Denn der harte Wettbewerb macht es ihnen fast unmöglich, die gestiegenen Preise für Energie und Rohmaterialien komplett an die Kunden weiterzugeben. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass dieser Preisanstieg sich verlangsamen könnte.
Die Wirtschaft Chinas ist exportorientiert, die größte Gefahr für unsere Volkswirtschaft ist die Verlangsamung des Exportwachstums. Fast ein Drittel unserer Produkte werden in die USA verschifft. Wenn sich die amerikanische Konjunktur verlangsamt und unsere Produkte durch die schnell steigenden Kosten an Konkurrenzfähigkeit verlieren, ist unser Wirtschaftswachstum in Gefahr. Auch die Arbeitslosigkeit könnte steigen.
Lesen Sie im zweiten Teil, warum China kein Billiglohnland mehr ist und wie die Kommunistische Partei mit der neuen Situation umgehen muss.
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