Schaeffler bei Conti Big Bang in Herzogenaurach

Der Schuss geht nach hinten los: Nicht Schaeffler schluckt Continental, sondern Conti wohl Schaeffler. Die Banken spielen den Worst Case durch - der Druck ist einfach zu groß.

Ein Kommentar von Melanie Ahlemeier

Nach Porsche nun also Schaeffler. Es ist das Scheitern der Größenwahnsinnigen, Teil zwei. Der Mittelständler aus Herzogenaurach, den bis zum August vergangenen Jahres kaum jemand außerhalb Bayerns kannte, wird wohl hilfesuchend unter das große Dach des einstigen Übernahmeopfers Continental flüchten - der Druck der geldgebenden Banken ist einfach zu groß.

Allein die vom deutschen Staat mitbetreute Commerzbank soll bis zu fünf Milliarden Euro in den schwer angezählten Zulieferer Schaeffler gesteckt haben. Geht Schaeffler pleite, verliert die Commerzbank viel Geld - massive Wertberichtigungen wären die Folge.

Bei der inzwischen verstaatlichten Royal Bank of Scotland, einem weiteren Kreditgeber, sieht es nicht viel besser aus. Kein Wunder also, dass die wichtigsten Schaeffler-Banken jetzt die Notbremse ziehen und die Berater von Roland Berger auf den zum Rohrkrepierer verkommenen "Big Deal" Schaeffler/Conti ansetzen. Eine Katastrophe muss im letzten Augenblick verhindert werden. Bücher prüfen, Zusammenschluss klarmachen - künftig könnten die beiden Zulieferer also einfach unter dem Dach Conti AG firmieren.

Und die Politik? Die klatscht bereits begeistert Beifall. Muss sie ja auch - sie hat schließlich selbst die Commerzbank mit Milliarden gepolstert. Irgendwann will Berlin dieses Geld wiedersehen.

Als Fusion beziehungsweise Integration wird der neue Deal dann wohl in absehbarerer Zeit verkauft. Fusion, das klingt selbst bei dramatischen Bedingungen immer noch ein bisschen positiv. Und Integration? Geht immer!

Schaeffler ist mit seinem Deal grandios gescheitert: Die Ausläufer der Wirtschaftskrise sind einfach zu gigantisch. Der Conti-Deal lässt sich bei wegbrechenden Einnahmen nicht stemmen, schon seit Monaten hängt der David aus Herzogenaurach am Tropf der Banken. Das Unternehmen kann sich freuen, wenn der ebenfalls schwer angeschlagene niedersächsische Zulieferer Asyl gewährt.

Das ist das einzig Positive an dieser Wirtschaftskrise: Der Größenwahn wird zurechtgestutzt. Es gilt das Prinzip Normalmaß. Für manche ist das sehr schmerzhaft.

Ein Wechselbad der Gefühle

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