Schadstofftests an Affen Skandal um Abgastests erreicht VW-Spitze

Vorerst beurlaubt: VW-Cheflobbyist Thomas Steg

(Foto: AP)
  • Der Skandal um Abgastests mit Affen fordert erste personelle Konsequenzen. VW hat seinen Cheflobbyisten Thomas Steg beurlaubt.
  • Steg gehörte zu den wichtigsten Mitarbeitern von VW-Chef Müller. Bevor er VW-Manager wurde, war er unter anderem stellvertretender Regierungssprecher.
Von Klaus Ott

Die Abgasaffäre bei Volkswagen kostet einen hochrangigen Konzernmanager das Amt. Thomas Steg, früher Sprecher der Bundesregierung und heute Cheflobbyist des Autoherstellers, gibt seinen Posten vorläufig auf. Er habe seine Freistellung selbst angeboten, teilte VW mit. Der Vorstand habe dem am Dienstag zugestimmt. Steg werde als Generalbevollmächtigter für den Konzern "bis zur vollständigen Aufklärung der Vorgänge von seinen Aufgaben entbunden".

Mit seiner Beurlaubung erreicht die Affäre die Konzernspitze von Volkswagen. Steg gehörte zu den wichtigsten Mitarbeitern von VW-Chef Matthias Müller. Der 57-Jährige war im vergangenen Jahrzehnt bei Bundeskanzler Gerhard Schröder und seiner Nachfolgerin Angela Merkel einer der Sprecher der Bundesregierung und ging dann später als Cheflobbyist zu Volkswagen.

Mit seiner Beurlaubung zieht VW nach eigenen Angaben "erste Konsequenzen" aus den umstrittenen Abgastests, die vor Kurzem publik wurden. Die bis 2017 von VW, BMW und Daimler betriebene und inzwischen aufgelöste Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) hatte einen Test finanziert, bei dem Affen Dieselabgasen ausgesetzt waren. Das sollte die Ungefährlichkeit von Stickstoffdioxid beweisen.

VW verspricht Aufklärung der Vorfälle

Stickstoffdioxid steht im Mittelpunkt der Abgasaffäre. Volkswagen hatte in den USA jahrelang Messergebnisse von Dieselfahrzeugen manipuliert, um zu vertuschen, dass die Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stickoxide um ein Vielfaches überschritten wurden.

Einer der engsten Mitarbeiter von Steg bei Volkswagen, Hans-Georg Kusznir, gehörte dem Vorstand der EUGT an. Kusznir war in der beim Vorstand angesiedelten Konzernpressestelle tätig, ehe er in die von Steg geleitete Abteilung für Außen- und Regierungsbeziehungen aufrückte. Laut Organigramm war er in den Jahren 2014 und 2015 einer der engsten Mitarbeiter von Steg. Kusznir wirkte für VW auch an der Auflösung des angeblichen Forschungsvereins mit, die nach Beginn der Abgasaffäre erfolgte.

Der Konzern teilte mit, weiter an der Aufklärung der umstrittenen Abgastests zu arbeiten. "Wir sind dabei, die Arbeit der 2017 aufgelösten EUGT genau zu untersuchen und alle nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen", sagte VW-Chef Matthias Müller. "Herr Steg hat erklärt, die volle Verantwortung zu übernehmen."

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