Altruismus oder Egoismus? Soll man ein ertrinkendes Kind retten? Oder doch lieber die teuren Schuhe?

Mit Selbstlosigkeit hat das nicht viel zu tun. Dabei argumentieren Altruisten, dass man doch genau deshalb spende - und fordern das auch ein. Der australische Philosoph Peter Singer bietet dafür das Beispiel des "Drowning Child" an, des ertrinkenden Kindes: Dieses ist in einen Teich gestürzt, Hilfe nicht in Sicht. Ein Passant kommt des Weges, er muss abwägen: Das Kind zu retten heißt, die eigenen, neu gekauften Schuhe zu ruinieren. Schuhe oder Kind?

Singers Studenten fällt die Antwort regelmäßig leicht. Aber was, fragt dann der Philosoph, unterscheidet das konkrete Kind im Teich von all den anderen Menschen auf der Welt, deren Leben man mit ebenso geringem Aufwand retten könnte? Muss man nicht ebenso, wie man am Teich bereit war die Schuhe zu ruinieren, auch Einkommen abgeben, bis an die finanzielle Schmerzgrenze? Also spenden, spenden, spenden - und dafür auf die angenehmen, aber teuren Dinge des Alltags verzichten: Restaurants, Bars, Kino? Das tut dann doch kaum jemand.

Am besten spendet man für das, was anderen die größte Verbesserung bringt

Nun mag man argumentieren, dass es letztendlich gleichgültig sei, warum gespendet wird, ob aus Moral oder aus Egoismus. Aber wer nur abgibt, um sich selbst besser zu fühlen, um womöglich ein wenig bei Kollegen und Freunden glänzen zu können, dem ist es im Zweifelsfall nicht allzu wichtig, ob seine Spende wirklich sinnvoll ist, solange er dabei ein gutes Gefühl verspürt.

Abhilfe schaffen kann da der sogenannte effektive Altruismus. Anhänger dieser Bewegung beklagen, dass zu viel Geld in unnütze Maßnahmen fließe, die den Betroffenen letztendlich nicht helfe, vor allem nicht auf lange Zeit gesehen. Viel Einsatz, aber keine Verbesserung der Lage, heißt das - und das nur, weil die Leute spenden, ohne nachzudenken, ohne sich zu informieren.

Auch effektive Spender streben nach Anerkennung

Das Gegenmittel lautet deshalb: Man muss so genau wie möglich überprüfen, ob die eigene Gabe wirklich etwas bewirken kann, bevor man spendet. An der Spitze der Bewegung steht ein junger Philosophie-Professor der Universität Oxford, William MacAskill. In seinem Buch "Doing Good Better" propagiert er, ausschließlich in solche Projekte zu investieren, deren Erfolg statistisch belegbar ist, bei dem geringe Kosten einen großen Nutzen bringen.

Allerdings sind auch diese vermeintlich vorbildlichen Spender nicht frei von dem Streben nach Anerkennung. Zwischen manchen von ihnen ist ein kruder Wettkampf um die effektivsten Spenden entstanden. Sie bewerten sich mit Punkten, messen anhand der Summen und Verwendungszwecke, wer theoretisch wie viele Leben gerettet hat - wie schön fürs eigene Selbstwertgefühl, wenn man im Ranking vorne liegt. Eine lässliche Form der Eitelkeit, die aber nicht die Sorgfalt bei der Auswahl der Spendenprojekte dominieren darf.

Denn eigentlich ist der Ansatz der effektiven Altruisten gut: Spenden für das, was für die anderen die größte Verbesserung bringt. Und nicht für einen selbst.