Sal. Oppenheim und Arcandor Middelhoff - das Gespenst der Pleite

Wie gut geht es Thomas Middelhoff? Offenbar besser als dem von ihm einst geführten Pleitekaufhauskonzern Arcandor. Es gab sogar viel Beraterhonorar.

Thomas Middelhoff, immer wieder Thomas Middelhoff. Selbst Menschen, die nicht den Wirtschaftsteil der Zeitungen lesen, kennen den Manager. Der promovierte Betriebswirt war einst Chef des Medienriesen Bertelsmann und dann des Kaufhauskonzerns Karstadt-Quelle, den er Arcandor taufen ließ.

Seitdem aber Arcandor pleite ging, und die mit dem Unternehmen eng verbundene Kölner Privatbank Sal. Oppenheim die Selbstständigkeit verlor, interessieren sich viele für die Welt jenes Mannes, den Freunde "Big T" nannten. Und, siehe, ein vertraulicher Bericht der Wirtschaftsprüfer von Deloitte, die im Auftrag der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht aktiv wurden, enthüllt Erstaunliches.

Danach hatten Thomas Middelhoff und seine Frau Cornelie bei Sal. Oppenheim Darlehen über insgesamt 107 Millionen Euro aufgenommen, wie die Süddeutsche Zeitung auf der Seite Drei berichtet. Im Wesentlichen wurden mit dem Geld Beteiligungen an Immobilienfonds des Josef Esch finanziert, jenes gelernten Poliers aus Troisdorf bei Siegburg, der einige Superreiche Deutschlands unter seine Fittiche genommen hat. Frappierend nur, dass Sal. Oppenheim im ersten Halbjahr 2009 auf die Middelhoff-Kredite eine Wertberichtigung von 37,4 Millionen Euro vorgenommen hat.

Die Middelhoffs: Verhältnisse "unzureichend"?

Die SZ zitiert Aussagen, wonach der Deloitte-Bericht festhalte, die wirtschaftlichen Verhältnisse der Middelhoffs seinen "unzureichend". Die Bank brauche mehr Sicherheiten.

In einem längeren Gespräch mit der SZ macht Thomas Middelhoff, was Menschen seiner Welt normalerweise nie machen: Er offenbart seine Vermögensverhältnisse. Makel kann er sich nicht erlauben. Danach habe er inzwischen mit der Deutschen Bank, die Sal. Oppenheim übernommen hat, 57 Millionen Euro Sicherheiten festgezurrt. Deloitte habe nur 53 Millionen für erforderlich gehalten. Und: Es gebe derzeit bei Middelhoff rund 50 Millionen Euro Festgelder.

Tatsache ist, dass Middelhoff schon bei Bertelsmann absahnte. Einmal gewährte ihm der Konzernpatron Reinhard Mohn einen Bonus von 40 Millionen Euro: Der seinerzeitige Vorstandschef hatte eine 50-Prozent-Beteiligung an AOL Europe in der Boomzeit der New Economy sündteuer verkauft. Auf Empfehlung des Deutschbankiers Rolf Breuer will Middelhoff dann zu Alfred Freiherr von Oppenheim, zu "Alfi", gekommen sein. Und der wiederum reichte den Neukunden zu Josef Esch weiter. Der unterhält ein Family Office, das die Gesamtvermögensveraltung (GVV) von Superreichen übernimmt, sich also um alles kümmert, von Flugreisen bis Opernkarten. Middelhoff wurde GVV-Klient 008, wie die SZ ausführt.

Zu seinem Arbeitsmittelpunkt wurde dann, mitten in den "Nullerjahren", die Karstadt-Quelle AG in Essen. Die Großaktionärin Madeleine Schickedanz, die ebenfalls von Josef Esch betreut wird, hatte ihn gewonnen - zunächst als Chef des Aufsichtsrats, dann des Vorstands. Dabei waren die Eheleute Middelhoffs zugleich an mehreren Oppenheim-Esch-Fonds beteiligt - und vier Fonds hatte in Karstadt-Warenhäuser investiert, in München, Potsdam, Leipzig und Karlsruhe. Dafür musste der Konzern hohe Mieten zahlen. "Was dem Privatmann Middelhoff Geld brachte, schadete dem Vorstandschef Middelhoff", so die SZ.

Weil dieses Geflecht so undurchsichtig ist und die Arcandor-Pleite viel Vermögen vernichtet hat, ermittelt die Bochumer Staatsanwaltschaft gegen Midelhoff wegen Verdachts der Untreue. Die Kölner Staatsanwaltschaft hilft. Middelhoffs Anwalt schickte der Justiz etliche Informationen, darunter den Einkommensnachweis für das Jahr 2005, als "Big T" den Vorstandsvorsitz übernahm: Damals verdiente er 21.337.575 Euro, also mehr als 21,3 Millionen Euro. Die Botschaft: Er habe es gar nicht nötig gehabt, sich bei Karstadt-Quelle zu bereichern.

Kunde 008 und seine Millionen

Überhaupt: Damals bei Bertelsmann hatte Middelhoff ja Vertrag bis zum 75. Lebensjahr, die Abfindung betrug satte 20 Millionen. Und bei der Londoner Investmentfirma Investcorp, wo er danach arbeitete, flossen auch später noch exit fees aus den von ihm eingeleiteten Geschäften, 2007 seien das mehr als 3,4 Millionen Euro gewesen. In jenem Jahr habe er ein Netto-Einkommen von 12,975 Millionen Euro gehabt.

Thomas Middelhoff, das ist sicher, hat ein großes Rad gedreht. Die Gelder flossen, um die Mühsal des Alltags kümmerte sich Helfer Esch, und er selbst redete viel über Arcandor. Ehrgeizige Aktienkursziele wurden verkündet. Als dann alles zusammenbrach und ein riesiges Blendwerk in Trümmern lag, da bekam Middelhoff von Sal. Oppenheim, der Bank an seiner Seite, sogar einen mit vier Millionen Euro im Jahr dotierten Beratervertrag. Das war großzügig. Immerhin war das Finanzhaus als Arcandor-Großaktionär selbst in die Bredouille geraten.

Der bemerkenswerte Beratervertrag mit dem Ex-Arcandor-Chef wurde schon nach wenigen Monaten aufgelöst. Da aber eine Laufzeit von drei Jahren (plus Option auf ein weiteres Jahr) verabredet worden waren, nahm Middelhoff für die ausgefallene Beratung noch einmal zehn Millionen Euro ein, rechnet die SZ vor.

Beim Gespräch mit der Zeitung präsentierte der Manager eine "Soll-Ist-Liste" für die Jahre 2005 bis 2010, die Vermögensberater Esch für den Kunden GVV 008 anfertigen ließ. Danach liege Middelhoff mit 72 Millionen Euro derzeit brutto um vier Millionen über dem einst errechneten Soll.

Big T ist nicht pleite. Pleite ist nur Arcandor - und Sal. Oppenheim hat viel Geld verloren. Alles weitere bespricht der Staatsanwalt.

Den vollständigen Artikel lesen Sie am Montag in der Süddeutschen Zeitung auf Seite Drei.