Sal.-Oppenheim-Prozess Ein Banker muss ins Gefängnis

  • Mehr als zwei Jahre haben die Verhandlungen gedauert, jetzt hat das Kölner Landgericht im Sal.-Oppenheim-Prozess entschieden.
  • Der ehemalige persönlich haftende Gesellschafter der Bank, Friedrich Carl Janssen, muss für zwei Jahre und zehn Monate in Haft.
  • Drei Angeklagte haben eine Bewährungsstrafe erhalten, der Bauunternehmer Josef Esch muss fast eine halbe Million Euro zahlen.
  • Das Gericht blieb mit seiner Entscheidung hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft zurück.
Von Jannis Brühl, Köln

Einer der größten Wirtschaftsprozesse der Nachkriegsgeschichte endet mit einer Haftstrafe und drei Bewährungsstrafen. Nach mehr als zwei Jahren hat das Kölner Landgericht im Fall Sal. Oppenheim geurteilt, der einst größten Privatbank Europas. Der ehemalige persönlich haftende Gesellschafter Friedrich Carl Janssen, 71, muss für zwei Jahre und zehn Monate in Haft.

Der 66-jährige Matthias Graf von Krockow, Ex-Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter, und Dieter Pfundt, 64, erhalten eine Strafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung. Ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurde die Strafe für Christopher von Oppenheim, 49 - ein Jahr und elf Monate.

Das Gericht sah bei allen vier Angeklagten den Vorwurf der "gemeinschaftlich begangenen Untreue in besonders schwerem Fall" als erwiesen an. Das Gericht blieb mit seinem Urteil hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Die hatte für Janssen zum Beispiel dreieinhalb Jahre Haft gefordert.

Die Urteile werden verkündet, ungläubiges Gelächter im Publikum

Während der Urteilsverkündung brach im Publikum Unruhe aus, einigen erschienen die Entscheidungen der Richter als zu milde. Eine Frau rief: "Das gibt's doch nicht!" Als das Urteil gegen den fünften Angeklagten, den Bauunternehmer Josef Esch, verkündet wurde, gab es sogar ungläubiges Gelächter. Er muss wegen Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz 90 Tagessätze à 5500 Euro bezahlen, ingesamt 495 000 Euro. Für den Arcandor-Komplex war er nicht angeklagt. Den Vorwurf der Beihilfe zur Untreue hatte das Gericht im Verfahrensverlauf fallengelassen.

"Es wird ein Kraftakt, wie das ganze Verfahren", sagte Richterin Sabine Grobecker, nachdem sie das Publikum zur Ruhe gerufen hatte. Der Prozess hatte fast 130 Verhandlungstage in Anspruch genommen. Die Kölner Staatsanwaltschaft hatte zwei Vorwürfe gegen die vier Männer erhoben.

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Der erste Vorwurf

Erstens beteiligten sie sich 2008 an Arcandor, weil sie für die Fonds-Geschäfte, die sie mit dem Mitangeklagten Esch aufzogen, an die lukrativen Karstadt-Immobilien kommen wollten. Sie gaben Arcandor Kredite in Höhe von 20 Millionen Euro - ohne ausreichende Sicherheiten.

Zuvor hatte die Bank bereits Quelle-Erbin und Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz mit einem Kredit geholfen, ihren Anteil an Arcandor mit einer dreistelligen Millionensumme zu erhöhen - auch Schickedanz hatte im Prozess ausgesagt. Das Geld floss über eine Strohmann-Firma, vorbei am Oppenheim-Aufsichtsrat. So verknüpften die Sal.-Oppenheim-Chefs das Schicksal ihrer Bank mit dem von Schickedanz - und dem von Arcandor, in der ihr Unternehmen Karstadt-Quelle aufging. Als Arcandor pleiteging, traf es die Bank hart. "Sie haben ab 2005 ein Lügengebäude errichtet, das ab 2008 einstürzte", fasste es Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich in seinem Schlussplädoyer zusammen.

Arcandor ging pleite, und auch Sal. Oppenheim wäre pleitegegangen - wenn die Deutsche Bank sie nicht übernommen hätte.

Der zweite Vorwurf

Im zweiten Anklagepunkt ging es darum, dass die Banker Millionen Euro ihres Hauses bei einem Immobiliengeschäft in Frankfurt in den Sand gesetzt haben.

Gestanden hatten nur von Kockow und von Oppenheim. Beide bestreiten aber, dass es sich hier um einen besonders schweren Fall von Untreue handelt. Sie hatten Reue geäußert und um Milde gebeten. Janssen und Pfundt hatten die Vorwürfe dagegen stets zurückgewiesen. Im Verfahren stellten sie sich als Randfiguren dar.

Den wichtigen Ebenen innerhalb der Bank enthielten die Chefs angeblich wichtige Informationen vor - der Staatsanwaltschaft zufolge, um unkontrolliert ihren Geschäften nachzugehen, die immer mehr mit ihren persönlichen Interessen verschmolzen. So verletzten die Banker grob ihre Pflichten.

Eine Bank für die Geldelite der Republik

Die Traditionsbank wurde zur Anlaufstation für Deutschlands Geldelite, unter anderem zählten die Deichmanns und der Bankerbe Wilhelm von Finck zu ihren Kunden. Wenn Gutbetuchte ihr Geld gut anlegen wollten, kamen sie zu Oppenheim - und investierten zum Beispiel in Immobilienfonds, die die Bank mit dem Unternehmer Josef Esch auflegte.

Parallel zum Kölner Verfahren muss sich die Bank deshalb mit einigen Zivilklagen ihrer reichen Kunden herumschlagen, die ihr Geld wieder wollen. Zudem will Thomas Middelhoff, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Arcandor und gefallene Star der deutschen Manager-Szene, von ihm dringend benötigte Millionen von Sal. Oppenheim zurück. Als wohl prominentester Zeuge im Prozess hatte er den Angeklagten Esch belastet.

Doch Josef Esch kommt unbeschadeter davon als seine Partner. Die Rolle des 57-jährigen Bauunternehmers bleibt undurchsichtig, belasten wollten ihn seine ehemaligen Geschäftspartner nicht. Esch legte mit der Bank zusammen Immobilienfonds auf, über welche die Millionärs- und Milliardärsfamilien Geld sparen wollten.

Ob Esch tatsächlich eine "graue Eminenz" war, die von außen die Geschäfte der Bank maßgeblich beeinflusste, wollte das Gericht nicht klären.