Ob Fusionswellen bei Unternehmen und Kursblasen am Aktienmarkt etwas gemeinsam haben, sagt Günter Müller-Stewens von der Universität St. Gallen. Er verrät auch, welche Zusammenschlüsse am ehesten erfolgreich sind.
sueddeutsche.de: Wir kennen Spekulationsblasen am Aktienmarkt: Man kauft, weil man kauft. Machen das Manager auch - andere Unternehmen kaufen, weil alle es tun?
Günter Müller-Stewens (© Foto: Universität St. Gallen)
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Günter Müller-Stewens: In der Tat gibt es Kaufwellen bei Unternehmen. So wie es Spekulationsblasen gibt, gibt es auch Fusionsblasen, die sich meist parallel entwickeln.
sueddeutsche.de: Platzen sie auch gleichzeitig?
Müller-Stewens: Meist geht es bei den Unternehmen etwas früher wieder bergab.
sueddeutsche.de: Sind die Manager also immer einen Schritt vor den Anlegern?
Müller-Stewens: Es gibt sicher Informationsvorteile. Und man fragt sich in den Unternehmen eben etwas schneller, ob ein Investment noch lohnt.
sueddeutsche.de: Stehen die Zeichen aktuell auf Überhitzung?
Müller-Stewens: Zum Teil ja. Private-Equity-Unternehmen kaufen heute Unternehmen zu Preisen, die zwei bis drei Mal so hoch sind wie noch vor zwei oder drei Jahren. Irgendwann sind die Zitronen ausgequetscht. Gefährlich wird es auch, wenn immer mehr Fusionen angekündigt und kurz darauf wieder abgesagt werden. Da wird dann deutlich, dass die Vorhaben nicht mehr durchdacht sind. Doch das ist derzeit noch nicht der Fall.
sueddeutsche.de: Wie kommt es, dass sich Übernahmewellen in der Wirtschaftsgeschichte mit schöner Regelmäßigkeit wiederholen?
Müller-Stewens: Die Unternehmensführungen pendeln zwischen Konzentration auf Kerngeschäfte und Ausweitung in neue Geschäfte. Mal machen alle Unternehmen das eine, mal das andere. Aber immer machen es fast alle zusammen.
sueddeutsche.de: Und wer stößt das Pendel an?
Müller-Stewens: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen Firmen die Kosten reduzieren und effizienter werden. Da werden schneller als sonst Unternehmensteile verkauft, manchmal aus purer Not. Auch werden Effizienzsteigerungsprogramme durchgeführt. Dadurch kommt wieder mehr Geld in die Kassen und die Unternehmen fragen sich: Wohin damit?
sueddeutsche.de: Man könnte es wieder in das Geschäft investieren, in dem man es verdient hat ...
Müller-Stewens: Häufig ist es so, dass es sich hier um Märkte mit rückläufigen Ertragschancen handelt, das Geschäft also nicht mehr als attraktives Wachstumsfeld wahrgenommen wird.
sueddeutsche.de: Was ist mit den Aktionären. Die hoffen doch auch immer auf eine üppigere Dividende?
Müller-Stewens: Ja, bis zu einem gewissen Teil kann man Dividenden erhöhen oder auch eigene Aktien rückkaufen. Doch irgendwann fragt sich dann auch der Aktionär, ob das denn noch eine attraktive Aktie sei. Offenbar hat ja das Management keine Phantasie mehr, was es mit diesem Geld machen könnte.
sueddeutsche.de: Es bleibt also nur noch die Möglichkeit ...
Müller-Stewens: ... das Geld in neue Geschäfte und neue Ideen zu stecken. Man geht auf Einkaufstour.
sueddeutsche.de: Es sind demnach nicht die Unternehmensberater, die, Moden gehorchend, das Pendel anstoßen?
Müller-Stewens: Nein, sie bilden eher das Pendel ab. Denn wenn das Pendel in eine Richtung schwingt, erzeugt es eine gewisse Eigendynamik. Und dann reden und fordern eben auch alle das Gleiche.
sueddeutsche.de: Gibt es in der Boomphase bei Managern auch den Hang zum Größenwahn, so wie er an der Börse immer wieder erkennbar ist?
Müller-Stewens: Zunächst steckt durchaus Kalkül hinter dem Verhalten der Vorstände: Im Boom gibt es mehr Übernahmen, die mit eigenen Aktien und nicht mit Geld bezahlt werden. Wann würde man denn selbst ein fremdes Unternehmen mit eigenen Aktien kaufen? Wenn man das Gefühl hat, dass die eigene Aktie eigentlich zu hoch bewertet ist und sie damit eine billige Währung ist. Doch wenn der Herdeneffekt einsetzt und plötzlich das Gefühl aufkeimt, man würde selbst leer ausgehen, sind eben manche auch bereit, Preise jenseits aller Vernunft zu zahlen. Dahinter muss nicht unbedingt Gier stecken, sondern vielleicht auch nur in- und extern erzeugter Druck zum Handeln.
sueddeutsche.de: Welche Fusionen haben denn am ehesten Aussicht auf Erfolg?
Müller-Stewens: Früher dachte man, dass sich Unternehmen mit ähnlicher Produktpalette bei einer Fusion leicht tun würden - wenn etwa ein Bierbrauer ein Fruchtsaftunternehmen kauft. Doch dies lässt sich nicht nachweisen. Es reicht nicht, dass beide Firmen Getränke anbieten, da sich offenbar das Alkohol-Geschäft zu sehr vom Fruchsaft-Bereich unterscheidet. Leichte Hinweise auf höhere Erfolgswahrscheinlichkeiten gibt es in Fällen, wo das erforderliche Managementwissen ähnlich ist.
sueddeutsche.de: Wie viele Fusionen gehen denn schief?
Müller-Stewens: Die Misserfolgsquote liegt bei 50 bis 70 Prozent - je nachdem, wie Sie den Erfolg messen.
sueddeutsche.de: Welche Varianten gibt es?
Müller-Stewens: Beispielsweise die Entwicklung des Aktienkurses in den Tagen und Wochen nach der Fusion, die Marktposition des Unternehmens nach der Fusion und auch die Aussagen der Manager: Würden sie es wieder tun oder nicht.
sueddeutsche.de: Unternehmen versprechen ja immer den Erfolg ...
Müller-Stewens: Auch das ist ein wichtiges Kriterium: Halten die Firmen ihre anfangs gemachten Versprechen ein, etwa bezüglich der angekündigten Synergien, die man in den kommenden Jahren realisieren möchte?
sueddeutsche.de: Was haben denn die Verbraucher von Fusionen?
Müller-Stewens: Wenn durch eine Übernahme die Kosten sinken, werden im besten Fall die Preise fallen.
sueddeutsche.de: Wenn aber die Marktmacht des Unternehmens größer wird, haben die Verbraucher das Nachsehen: Die Produkte werden teurer ...
Müller-Stewens: Stimmt, beide Effekte lassen sich allerdings in der Praxis nicht nachweisen.
sueddeutsche.de: Grund zur Gelassenheit also, weil sich für die Verbraucher ohnehin nichts ändert?
Müller-Stewens: Zumindest lässt es sich nicht feststellen. Auf längere Sicht überlagern sich so viele Effekte, dass nicht mehr erkennbar ist, ob eine Preisveränderung noch Folge einer Fusion ist. Doch wenn am Ende ein leistungsfähigeres Unternehmen zurückbleibt, dann ist dies gut für alle Anspruchsgruppen.
(sueddeutsche.de)
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(Professor Günter Müller-Stewens leitet an der Universität St. Gallen HSG das Institut für Management)
Was jetzt als die totale Fusionssucht zu erkennen ist, ist die Frucht der grenzenlosen Dummheit, Arroganz, Größenwahnsinn und Gleichgültigkeit der deutschen Politik. Seit mehr als 25 Jahren wird in diesem Land eine Politik gemacht die jegliches zukunftdenken ausschließen. Für die kommenden Generationen wird die wichtigste Grundlage, nämlich Arbeit zu haben oder wenigstens eine Aussicht auf eine zu bekommen von der Politik gänzlich verhindert, noch schlimmer, durch ihr Tun und handeln werden tausende und abertausende Arbeitsplätze vernichtet. An vorderster Stelle steht mit allerhöchsten Einsatz vorangetriebener Aufbau und die Erweiterung der Europäischen Union. Durch diesen Arbeitsplatzvernichtenden Vorgang wird unser Land von Federn auf Stroh kommen. Es wird versucht dem Arbeitnehmer klar zu machen das er zu teuer ist. Tatsache ist aber das jeder der sich sein Brot mit seiner Hände Arbeit verdient eine bestimmte Summe erhalten muss um sein Leben und den Unterhalt aller Zahlungen zu sichern. Wenn dann noch etwas übrig bleibt kann er in Urlaub fahren oder sich ein neues Auto kaufen. Die deutsche Politik hat nichts ausgelassen um den kleinen Mann zu schröpfen. Wenn der Politiker, die Marionetten und Handlanger der Industriebosse und Konzernchefs, im Stande wäre sich in das Leben der einfachen Bürger hinein zu denken, würde ihnen das auch auffallen. Aber da sie immer mit sich selbst und der Einkommen der Millionäre beschäftigt sind ist auch diese Hoffnung dahin. Eins ist auch klar, den größten Schaden richten die Bosse der Industrie und den Konzerne an. Jede Fusion die sie planen und durchführen gründet auf der Frage: Wie viele Arbeitnehmer können wir in die Wüste schicken wenn wir diese zwei Konzerne oder Firmen zusammen bringen. Noch nie wurde eine Fusion vollzogen um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Was die Regierung jetzt als den Oberaufschwung sieht wird sich spätestens Anfang nächstes Jahr als Strohfeuer herausstellen und dann ist Schluss mit Lustig. Wenn die deutsche Regierung nicht binnen kürzester Zeit den richtigen Weg einschlägt wird dieses Land vor die Hunde gehen.
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Vieles klingt so harmlos, was der Professor von sich gibt. Jedoch an einigen Stellen sagt er es doch recht deutlich: Dahinter muss nicht unbedingt Gier stecken . . .. Das heisst: es steckt bedingt Gier dahinter. Und der Professor spricht ja auch von einem gewissen Herdentrieb, der bei Managern durchaus tragende Säule sein könnte.
Bringe man es auf den Punkt: dass Managerhirne faktisch diese Welt steuern, bekommt ihr nicht gut. Sie sollen aufhören damit. Sie können nicht steuern, da sie nur begrenzt wahrnehmungsfähig und von Lebensdingen kaum was verstehen. Sie setzen sich über die Nationalverfassungen hinweg und dirigieren die EU in eine Richtung menschenunwürdiger Daseinsformen: eine Welt nur noch für Reiche und selbst für die am Ende keine mehr.
richard kendel
...Manager folgen also nicht der Vernunft sondern dem Herdentrieb . Gut, dass diese bekannte Tatsache einmal von einem anerkannten Experten geäußert wird. Man selbst würde bei dieser Aussage gleich des "Manager Bashings" bezichtigt.
Schlimm dabei ist, dass die enorme Managementenergie, die in diese sinnlosen, größenwahnsinnigen Fusionen (Daimler-Benz: vom "integrierten Technologikonzern" zur "Welt AG" und gescheitert zurück zum stinknormalen Autobauer) für eine vernünftige Unternehmensführung und für Wachstum aus eigener Kraft fehlen.
Kann jemand erahnen wo der Sinn einer Fusion zwischen MAN, Scania und VW sein soll? Wohl niemand! Der nächste Größenwahn, also!
es gibt mittlerweile keinen anreiz mehr organisch zu wachsen. versucht man durch unternehmenskäufe das eigene unternehmen im globalem wettbewerb zu sichern, werden manager dafür belohnt - nicht für eine organisches wachsen. mittlerweile hängt eine ganze industrie am sog. m+a - auch unser werter herr professor. aber von solchen argumenten habe ich in dem interview nichts gehört.
wenn es also der manager in irgendeiner weise vertreten kann, dass ein unternehmen gekauft wird, dann werden ganz automatisch gehälter und provisionen erhöht, weil diese meist an quantitative größnordnungen (umsatz) festgemacht werden.
ein gutes beispiel für organisches wachsen ist toyota - ein schlechtes beispiel ist daimlerchrysler.