Wie die ideale Warteschlange aussieht, warum Weiblichkeit wichtig ist und wie man Wartezeit schnell kalkulieren kann - sagt Hartmut Trier von der Post.
Hartmut Trier ist Abteilungsleiter Qualität im Servicebereich Filialen der Deutschen Post.
(© Grafik: Florian Dreyßig)
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sueddeutsche.de: Seit einiger Zeit gibt es bei der Post nur noch eine Warteschlange. Die empfängt einen allerdings oft schon vor dem Gebäude. Früher gab es mehrere und dafür kürzere Schlangen. Da durfte man wenigstens noch Hoffnung schöpfen ...
Hartmut Trier: Doch die war trügerisch. Wenn ein Kunde mehr Zeit in Anspruch nahm, waren die Dahinterstehenden ausgeliefert. Zugleich ist es auch für Kunden unangenehm, die eine längere Beratung brauchen. Wer will schon den Betrieb stauen.
sueddeutsche.de: Wie lange darf denn bei der Post gewartet werden?
Trier: Wir haben verschiedene Filialformate. Aber die Zielvorgaben liegen zwischen drei und fünf Minuten. Unsere Kunden sollten also spätestens nach fünf Minuten bedient werden.
sueddeutsche.de: Also, aus der eigenen Erfahrung heraus ...
Trier: ... gut, das gilt zumindest im Normalfall! Ein Drittel der Kunden wurde 2006 sofort bedient, gut acht Prozent warteten aber auch über fünf Minuten. Diese Anteile sind Durchschnittswerte und örtlich unterschiedlich ausgeprägt. Gerade in Ballungsgebieten haben wir noch Probleme. Doch in vielen Filialen warten unsere Kunden nicht länger als drei Minuten.
sueddeutsche.de: Im Schnitt? Oder real?
Trier: Real. Im Schnitt sind es nur 1,83 Minuten.
sueddeutsche.de: Und die zentralisierte Schlange reduziert die Wartezeit?
Trier: Und ob. Denn dahinter steckt das System 'Wer zuerst kommt, wird zuerst bedient'. Wenn einer der Kunden mal etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt, ist zwar ein Bedienkanal blockiert, doch die Kunden müssen kaum länger warten. Es gibt, um das einmal in der Fachsprache zu formulieren, keine Stopfkunden mehr.
sueddeutsche.de: Um wie viele Minuten hat die zentrale Warteschlange denn die Wartezeit verkürzt. So ganz ohne Stopfkunden ...?
Trier: Wenn die Bedienzeiten bei den einzelnen Kunden stark schwanken, wird die durchschnittliche Wartezeit um bis zu 20 Prozent reduziert.
sueddeutsche.de: Lässt sich die Wartezeit rasch überschlagen, wenn man in die Post kommt? Sagen wir: Sechs Kunden vor mir und drei Schalter sind geöffnet.
Trier: In dem Fall müssten Sie wahrscheinlich länger als die von uns anvisierten fünf Minuten warten. Als Faustregel gilt: Wenn die Zahl der noch wartenden Kunden größer ist als die Zahl der besetzten Theken mal zwei ist, wird es kritisch.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, ab welcher Wartezeit die Kunden zornig werden und warum die gefühlte Wartezeit so unterschiedlich ausfällt.
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Single Awareness Day
Ich kann nur sagen, daß ich es mein Leben lang geschätzt habe, in Schweden anzustehen. Dort hat es bei nahezu allen "Anstehpunkten" das Nummer-Zieh-System, das für mein Dafürhalten genau den von Herrn Trier erwähnten Vorteil hat, daß man keine Panik bekommen muß, seinen "gerechten" Platz zu verlieren, aber gleichzeitig die Zeit damit verbringen kann, sich frei im Laden zu bewegen. In unserer Gesellschaft ist Ellenbogenausfahren und Drängeln einfach immer noch und - wie ich finde - immer mehr angesagt und bringt oftmals eine richtig aggressive Stimmung in eine Warteschlange. Das mögen manche nachher dem Geschäft anlasten, in meinem Fall aber liegt das an den Leuten, die sich für clever statt für unfair halten, wenn sie die Schlange austricksen können.
Auch an anderer Stelle habe ich schon ein verändertes Anstehverhalten festgestellt. Im Krieg, in der Liebe und an deutsche Supermarktkassen war bisher alles erlaubt, zumindest, wenn eine neue Kasse eröffnet wurde. Das hat sich inzwischen geändert. Dahinter verbirgt sich die schleichende Amerkanisierung des Warteschlangensystems:
http://doener.blogage.de/article/2008/3/12/Kulturimperialimus-an-der-Supermarktkasse#comments
Die zentrale Warteschlange ist natürlich gut, wenn auch nicht so gut wie Nummern. In den Filialen ist die Wartezeit wohl unterschiedlich: Ich gehe mindestens jeden zweiten Tag in München zur Post - meine durchschnittliche (gemessene, nicht gefühlte!) Wartezeit liegt bei über 7 Minuten! Der Hauptgrund ist (zumindest in meiner Filiale) die schlechte Organisation der Paketausgabe. Wird ein Paket angefordert, muss der Postangestellte den ganzen Raum durchqueren und in einem Lager suchen - der Weg nimmt meist weit über die Hälfte der Zeit des Bedienungsvorganges ein.
Es könnte viel Zeit gewonnen werden, wenn der Schalterangestellte die Paketnummer per Mikrofon an einen Lagerangestellten weitergeben könnte, der dann das Paket bringt. Das würde ca. 60% der Zeit sparen und das summiert sich...
... "Stopfkunde"! Lohnt sich zu merken :-))
...kommt der Briefträger schon seit Jahren auch nur noch einmal pro Tag.
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