Seitdem die Rohstoffpreise Rekorde erreichen, ist das Know-how von Saatgutzüchtern wie Stefan Streng gefragt: Erträge lassen sich auch ohne Gentechnik steigern.
Stefan Streng ist buchstäblich auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Wobei die Nadel in diesem Fall genau genommen ein kleines Getreidekorn ist. Nicht irgendeines, sondern das ideale Weizen- oder Gerstenkorn, optimal angepasst an den Standort, an dem es später einmal aufgehen soll.
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Neue Züchtungen sollen extremem Wetter standhalten. (© Foto: dpa)
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Keine leichte Aufgabe, denn die Umweltbedingungen, die in den rauen Weiten Kasachstans, den Trockenregionen Spaniens oder im regenreichen bayerischen Voralpenland herrschen, könnten unterschiedlicher kaum sein.
Der 40-jährige Franke ist einer von knapp 100 Saatzüchtern in Deutschland. Auf den Feldern, die sein Familienbetrieb bei Uffenheim südlich von Würzburg bewirtschaftet, wachsen in diesem Sommer 34.000 verschiedene Getreidesorten in den unterschiedlichen Testphasen heran.
Getreidevorräte auf dem Tiefststand
Spezialisiert hat sich Streng vor allem auf Sommergerste, die in der Bierproduktion gebraucht wird. Große Hersteller, darunter Beck's, Paulaner und Bitburger, testen seine Neuzüchtungen und prüfen, ob sie den besonderen Qualitätsansprüchen für die Bierproduktion genügen.
Bekannt ist die Firma auch für ihre Neuzüchtungen bei Weizen, Wintergerste und Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, die in erster Linie als Tierfutter eingesetzt wird.
Seit die weltweiten Vorräte an Getreide den niedrigsten Stand in drei Jahrzehnten erreicht haben und die Rohstoffpreise von Rekord zu Rekord eilen, sind Streng und seine Kollegen gefragter denn je.
Nur wenn es gelingt, die Ernteerträge auf den Feldern jährlich um mindestens zwei Prozent zu steigern, ist die Ernährung der rasch wachsenden Weltbevölkerung gesichert, meinen Wissenschaftler. Von diesem Ziel ist die Agrarindustrie allerdings weit entfernt. Im weltweiten Durchschnitt liegt der Produktionszuwachs pro Jahr derzeit bei nur knapp einem Prozent.
Neue Generation von Saatzüchtern
Umso gefragter ist deshalb das Know-how von Züchtern wie Streng, der mit Pflanzen großgeworden ist. Der Aspachhof und die dazu gehörende Saatzuchtwirtschaft Streng ist seit mehr als 100 Jahren in Familienbesitz.
"Eine so lange Tradition verpflichtet", sagt Streng, der einer neuen Generation von Saatzüchtern angehört, die sich nicht mehr allein auf die traditionelle Kreuzungslehre verlässt. "Wir müssen auch moderne Verfahren wie etwa die Biotechnologie einsetzen, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen", meint der promovierte Agrarwissenschaftler.
Lesen Sie im zweiten Teil, vor welche Herausforderungen der Klimawandel die Saatzüchter stellt.
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