Luftfahrt Ryanair nimmt Niki Lauda die Sorgen ab

Der Luftfahrtunternehmer und Ex-Rennfahrer Niki Lauda steht vor einem Airbus seiner Fluggesellschaft Laudamotion.

(Foto: dpa)
  • Ryanair bezahlt nach eigenen Angaben "weniger als 50 Millionen Euro" für die kleine Fluggesellschaft Laudamotion.
  • Europas größte Billigfluggesellschaft legt aber noch einmal 50 Millionen oben drauf, um die Anlaufkosten im ersten Jahr zu finanzieren.
  • Mindestens 30 Flugzeuge soll Laudamotion nach drei Jahren betreiben.
  • Nach dem derzeitigen Stand der Dinge wird Laudamotion auch als Ryanair-Tochter ein separates Unternehmen bleiben. Niki Lauda soll den Verwaltungsrat anführen.
Von Jens Flottau, Toulouse

Das Schicksal von Niki Laudas neuester Airline Laudamotion schien unsicher zu sein. Irgendwie würde Lauda es wohl schaffen, Ende März die ersten Flugzeuge in die Luft zu bringen. Er würde einen Teil seiner Flotte im Auftrag von Thomas Cook fliegen und, mit viel Glück und gnädiger Unterstützung der Kartellwächter, vielleicht auch noch für Eurowings ein bisschen Sommerprogramm fliegen. Und dann? Im Winter, wenn niemand zusätzliche Kapazität braucht oder im nächsten Sommer, wenn Eurowings und Condor zusätzliche eigene Maschinen gefunden haben werden?

All diese existenziellen Gedanken müssen sich Niki Lauda und seine Mitarbeiter seit dem Vormittag nicht mehr machen. Denn da gab Europas größte Billigfluggesellschaft Ryanair bekannt, dass sie sich an Laudamotion beteiligen werde und damit doch noch auf sehr verschlungenen Umwegen einen Teil aus der Air-Berlin-Insolvenzmasse aufgreift. Die in Irland ansässige Ryanair bezahlt nach eigenen Angaben "weniger als 50 Millionen Euro" für die kleine Fluggesellschaft, legt aber noch einmal 50 Millionen oben drauf, um die Anlaufkosten im ersten Jahr zu finanzieren. Knapp 100 Millionen Euro für eine gerade gegründete Airline in einem europäischen Nischenmarkt sind eine Menge Geld, auch für die reiche Ryanair.

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Mindestens 30 Flugzeuge soll Laudamotion nach drei Jahren betreiben und damit ist die Entscheidung für die Konkurrenten im deutschen und österreichischen Luftverkehrsmarkt beachtlich. Wien entwickelt sich immer mehr zu einem Kampfplatz für Billigfluggesellschaften, was keine guten Nachrichten für die Lufthansa-Tochter Austrian sind. Noch in der vergangenen Woche hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr vorhergesagt, dass die Konzerntochter Eurowings rund zehn Laudamotion-Flugzeuge mit Besatzungen anmieten würde, um die eigene Kapazitätsknappheit zu lindern.

Dass Eurowings nun noch mit Laudamotion zusammenarbeitet, darf aber selbst in der an Verrücktheiten normalerweise nicht armen Branche als sehr unwahrscheinlich gelten. Schließlich würde Lufthansa damit zumindest indirekt einen der ärgesten Konkurrenten auf innereuropäischen Strecken unterstützen. Das tut man nur, wenn es gar nicht mehr anders geht. Lauda selbst findet, dass "Laudamotion sich nun als starker Mitbewerber behaupten und die Möglichkeit hat, rasch und nachhaltig zu wachsen".

Während für Niki Lauda der Einstieg von Ryanair ein unverhoffter Segen ist, denn die Existenzsorgen seiner kleinen Airline haben sich damit erledigt, ist nicht ganz so offensichtlich, warum Ryanair den Schritt geht. Erst vor wenigen Tagen äußerte sich Airline-Chef Michael O'Leary am Rande einer Tagung in Brüssel skeptisch, was die weitere Konsolidierung des Billigflugsektors in Europa angeht. Ryanair und Easyjet seien schon jetzt so groß, dass jeder weitere Schritt von den Wettbewerbshütern sehr kritisch gesehen werde. "Wir haben mehrfach versucht, Aer Lingus zu übernehmen und es wurde uns nicht erlaubt," klagte O'Leary. Nun versucht er es in Österreich dennoch.