Der unzureichende Wettbewerb im Energiemarkt hat den Stromkonzernen zuletzt dicke Gewinne gebracht. Insofern fallen die jüngsten Zahlen des zweitgrößten deutschen Versorgers RWE enttäuschend aus.

Zwar erzielte RWE in diesem Jahr einen Gewinnsprung, doch für das laufende Jahr rechnet der Versorger mit einem stagnierenden Ergebnis. Der Betriebsgewinn werde wie der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) auf dem Niveau des Jahres 2007 bleiben, teilte das Unternehmen am Freitag in Essen mit. Mittelfristig will der Konzern die Schwäche aber wieder ausgleichen.

Anzeige

Für die Jahre bis 2012 rechnet Deutschlands größter Stromproduzent insgesamt mit einem organischen Wachstum von durchschnittlich fünf Prozent jährlich.

Der bereinigte Überschuss, an dem sich die Höhe der Dividende orientiert, soll im gleichen Zeitraum um fünf bis zehn Prozent steigen. Für dieses Jahr rechnet der neue RWE-Chef Jürgen Großmann mit einem um Sonderfaktoren bereinigten Überschuss, der über zehn Prozent über dem Vorjahr liegt.

Weitere Effizienzsteigerungen geplant

Helfen sollen dabei auch Einsparungen, die sich bis 2010 auf 600 Millionen Euro jährlich summieren sollen. Zudem seien weitere Effizienzsteigerungen geplant, hieß es. Konkrete Details nannte RWE nicht.

Um das Wachstum abzusichern, will die Gesellschaft bis zum Jahr 2012 mehr als 30 Milliarden Euro in Netze und seinen Kraftwerkspark investieren. RWE bekräftigte, dass der Eintritt in die Märkte Türkei, Griechenland sowie in weitere Länder Südosteuropas geplant sei.

Gleichzeitig würden Optionen in Russland geprüft, hieß es. Die Expansion ist Teil der Strategie von Vorstandschef Großmann, der im Tagesverlauf weitere Details nennen will.

Unter den Erwartungen der Analysten

Im vergangenen Jahr steigerte der Eon-Rivale sein Ergebnis zwar der eigenen Prognose entsprechend deutlich, blieb aber hinter den Erwartungen der Analysten zurück.

Der Betriebsgewinn wuchs gegenüber dem Vorjahr um 14,8 Prozent auf 6,52 Milliarden Euro. RWE führte das Plus auf Zuwächse seiner Stromerzeugungssparte sowie der Handelssparte zurück, womit Belastungen durch Regulierung und den Ausfall des Atomkraftwerks Biblis ausgeglichen wurden.

Der Umsatz verharrte ungeachtet der Zuwächse mit 42,51 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau, während der Überschuss um 30,9 Prozent auf 2,66 Milliarden Euro einbrach.

Gewinn um ein Fünftel gewachsen

Bereinigt um Sonderfaktoren - 2006 waren unter anderem Gewinne aus dem Verkauf der britischen Wassertochter Thames Water angefallen - wuchs der Gewinn um ein Fünftel auf 2,98 Milliarden Euro.

Analysten hatte im Durchschnitt mit einem Betriebsgewinn von 6,71 Milliarden Euro und einem Umsatz von 43,06 Milliarden Euro gerechnet. Den Überschuss hatten sie bei 3,28 Milliarden Euro gesehen.

Den Wert seiner vor dem Verkauf stehenden US-Wassertochter korrigierte der Stromkonzern nach unten. Die im vierte Quartal 2007 vorgenommene Wertberichtigung bei American Water betrage 429 Millionen Euro, sagte Finanzchef Rolf Pohlig.

RWE bekräftigte zugleich, möglichst rasch in diesem Jahr eine Mehrheit der US-Tochter an die Börse bringen zu wollen. Davon sollten auch die Aktionäre mit einer höheren Ausschüttungsquote profitieren.

RWE-Chef Jürgen Großmann hatte den ursprünglich für 2007 geplanten Börsengang im November wegen der Turbulenzen am US-Kapitalmarkt verschoben und damit die Anleger verprellt.

Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/dpa-AFX/Reuters/pak/hgn)