RWE-Chef Jürgen Großmann über die Renaissance der Atomkraft, erneuerbare Energien und die Wirtschaftskrise.
Jürgen Großmann, 56, übernahm im Oktober 2007 die Führung des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns RWE. Der Unternehmer rettete Anfang der 90er Jahre die Stahlfirma Georgsmarienhütte und ist dort bis heute Gesellschafter. Großmann sieht nach wie vor Chancen für die Atomkraft auch in Deutschland.
RWE-Chef Jürgen Großmann fordert längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke. (© Foto: AP)
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SZ: Herr Großmann, durch den Schwenk Schwedens in der Atompolitik bekommt die Debatte eine neue Dynamik. Planen Sie jetzt neue Kernkraftwerke in Deutschland?
Großmann: Ich begrüße den schwedischen Realitätssinn. Aber wir würden Deutschland überfordern, wenn wir jetzt gleich an Neubauten denken. Es wäre schon viel erreicht, wenn wir den Umfang der Stromerzeugung durch Kernkraft halten könnten.
SZ: Ein Drittel des Stroms kommt aus der Kernkraft. Bleibt das so?
Großmann: Nur, wenn die Laufzeiten der bestehenden Kraftwerke verlängert werden. Das ist unsere dringende Forderung.
SZ: Mehr nicht?
Großmann: In der Energiepolitik lernt man, in längeren Zeiträumen zu denken. Erst mal die Verlängerung der Laufzeiten, dann sehen wir weiter.
SZ: Was heißt das: weitersehen?
Großmann: Mittelfristig brauchen wir einen nationalen Energieplan, in dem den verschiedenen Energieträgern dauerhaft eine klar definierte Rolle zugewiesen wird. Da muss auch die Kernkraft ihren Platz haben, anders wird das nicht gehen. Die wohlmeinende Idee, nur mit alternativen Energien einen Industriestandort wie Deutschland am Laufen zu halten, ist abwegig.
SZ: Da gibt es aber auch andere Positionen...
Großmann: Aber die sind realitätsfremd. Bei den heutigen technischen Gegebenheiten gibt es eine natürliche Grenze bei den erneuerbaren Energien. Davon sind wir bei der Umsetzung der derzeitigen Investitionsvorhaben nicht mehr weit entfernt. Wenn es heißt, die Erneuerbaren sollen 35 Prozent des Energiebedarfs bis 2030 decken, dann setzt das voraus, dass es zusätzliche Stromleitungen in erheblichem Umfang und auch Stromspeicher einer neuen Dimension gibt. Wir brauchen dann ganz andere Möglichkeiten zur Bevorratung von Elektrizität. Die sehe ich derzeit nicht.
SZ: Das klingt sehr selbstgerecht.
Großmann: Soll es gar nicht. Die Energiewirtschaft hat bei den erneuerbaren Energien sicherlich manches versäumt und oft nur an Großkraftwerken gehangen, einerseits. Aber jetzt holen wir mit Hochdruck auf. Andererseits führt eine übermäßige Fortschrittsgläubigkeit dazu, dass man Technologien aufgibt, die sich bewährt haben, noch bevor die neuen verlässlich tragen können. Viele Leute vergessen zum Beispiel, dass die Versorgungspflicht der großen Energieversorger durch die Liberalisierungsgesetze beendet ist.
SZ: Was wollen Sie damit sagen?
Großmann: Wenn wir in Deutschland einen Versorgungsengpass bekommen, ist die Aufregung groß. Aber kein Verbraucher kann mehr sagen: Du, lieber Versorger, bist für die Liefersicherheit in meiner Region allein verantwortlich, also liefere mir den Strom. Nehmen Sie den aktuellen Winter. Der Januar war eiskalt, es gab wenig Wind. Von den Windrädern mit ihrer Gesamtkapazität von 23.000 Megawatt waren teilweise weniger als 800 Megawatt am Netz. Die Erkenntnis daraus: Entweder wir schaffen uns mit dem weiteren schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien zusätzliche Versorgungsrisiken, oder wir behalten das im Blick. Noch liegen wir mit unseren Ausfallzeiten zugegebenermaßen noch besser als andere, ebenfalls hoch entwickelte Staaten. Aber das muss man dann auch halten wollen. Wissen Sie, was mich wirklich aufregt?
SZ: Nein, was?
Großmann: Dass wir immer Freund-Feind-Diskussionen haben. Es gibt mehr Ideologie als Fakten. Wenn einer Fakten aufzeigt, kommen Ideologen - wie aus Sigmar Gabriels Umweltministerium - und sagen: Das darf so nicht sein. Wie bei der aktuellen Debatte zu Schweden und der Kernenergie. Hier verbittet sich der schwedische Umweltminister mittlerweile zu Recht die interpretierende Einmischung der deutschen Umweltpolitiker. Bei aller Liebe zu den Erneuerbaren - RWE macht auf diesem Feld nachweislich viel: Ich glaube einfach nicht daran, dass man die Versorgung allein mit erneuerbaren Energien stabil halten kann. Kernkraftwerke dürfen die deutschen Versorger hierzulande nicht bauen. Bei Gas machen wir uns immer weiter von Angeboten eines einzigen Anbieters abhängig, und der Abbau von Braunkohle wird durch die neuen CO2-Bestimmungen bestraft.
Lesen Sie im zweiten Teil, warum die Strompreise langfristig steigen werden - und wie Deutschland durch die Krise kommt.
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Putin und Hollande streiten um Intervention in Syrien
Es ist schade, so viel Firmeninteressen lesen zu müssen, die dem volkswirtschaftlichen Interesse so entgegenstehen!
Wo ist die Frage nach den Risiken der Atomkraft, die die Allgemeinheit tragen muss, da dies privatwirtschaftlich nicht versicherbar ist? In den USA wird seit Jahrzehnten kein Atomkraftwerk gebaut, weil mögliche Betreiber keine Versicherung finden und der Staat die Risiken nicht übernimmt. Atomkraft ist nur dann ein wirtschaftliches Projekt, wenn die Allgemeinheit die Risiken und im Fall eines Super-GAU auch die Folgen trägt!
Wo ist die Frage nach der Höhe der angeblich existierenden "natürlichen Grenze" der erneuerbaren Energien? In Norwegen liegt diese Grenze bei praktisch 100%.
Wo ist die kritische Nachfrage nach den angeblich in "einer neuen Dimension" benötigten Speichern? Schmack Biogas, Enercon und Solar World haben 2007 das sogenannte Kombikraftwerk vorgestellt, das zeigt, wie man ohne zusätzlichen Speicherbedarf eine vollständige Stromversorgung auf der Basis ausschließlich erneuerbarer Energien sicherstellt.
Wo ist die Frage nach der Sicherheit der Atomkraftwerke bei einer Laufzeitverlängerung? Kein Atomkraftwerk ist für mehr als 40 Jahre Laufzeut ausgelegt. Wie man den ausführlichen Artikeln in der Süddeutschen Zeitung vom Vortag (!) entnehmen kann gibt es weltweit kein einziges Atomkraftwerke, das seit mehr als 41 Jahren in Betrieb ist! Die beiden letztes Jahr abgeschalteten Atomkraftwerke (in Japan) sind vor 35 bzw. 39 Jahren in Betrieb gegangen.
Wo ist die kritische Nachfrage danach, ob RWE Klimaschutz für notwendig hält? Der von Herrn Großmann kritisierte Emissionshandel erzeugt nur dann Zusatzkosten für die Stromerzeuger, wenn die vorgegebenen Klimaschutzziele nicht erreicht werden -- bei Erreichen der Ziele ist der Preis der Zertifikate Null Euro. Die Opportunitätskosten der CO2-Emissionzertifikate sind im Übrigen schon in die Strompreise eingepreist, obwohl die Zertifikate verschenkt wurden. In der Branche wurde die Bundesregierung hinter vorgehaltener Hand ja sogar unverhohlen ausgelacht ob so viel betriebswirtschaftlichen Unwissens.
greenpeaceaktion-unterschriftenemaillliste
mit Vattenfall ins Klimachaos
Seit Wochen versucht der Energieriese Vattenfall sich mit einer gigantischen Marketingkampagne grünzuwaschen. Mit dem irreführenden Titel Klimaunterschrift stellt er sich europaweit als besorgten Konzern dar, dem Klimaschutz besonders wichtig ist. Trotzdem steckt Vattenfall Milliarden in den Bau klimaschädlicher Kohlekraftwerke.
liste auf:
klimaunterschrift-vattenfall.de
Wirtschafts-Lobbyismus
Die Einflüsterer
Wie Interessenvertreter der Wirtschaft immer raffinierter versuchen, in Berlin Politiker zu beeinflussen - und warum das schlecht für den Mittelstand ist.
Von Marc Beise
...Brav kommt zwar Angela Merkel noch zu den Jahrestagungen von BDI und BDA, aber die wichtigen Gespräche führt sie im Kanzleramt, wohin sie die Chefs der großen Konzerne bestellt. Das ist ganz wie bei Vorgänger Gerhard Schröder, nur dass es bei Frau Kanzlerin weniger krachledern zugeht als damals in den berüchtigten Rotweinrunden....
sueddeutsche.de/wirtschaft/422/433171/text/
"Aber verantwortlich für die aktuelle Situation ist Merkel. "
Sie machen es sich zu einfach. Die Stromkonzerne haben alle bisherigen Liberalisierungsbemühungen torpediert. Egal wer in der Regierung war. Sowas an politischem Filz ist ein Strukturversagen unserer Demokratie.
Die EDF hat heute Gewinne herausgelassen, 15.4 Mrd Euro vor Abschreibungen (EBITDA) und 3.4 Mrd Netto. Die Franzosen haben mehr Fläche wie wir und 20 Mio weniger Leute. Alleine die EON hatte 2007 doppelt so viel Nettogewinn wie die ganze EDF und die versorgt definitiv keine 60 Millionen.
SZ: Immerhin sinken derzeit die Strompreise.
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bitte?
STROMPREISE
Jetzt zahlen auch Kunden von E.on und RWE mehr
20. Januar 2009, 11:46 Uhr
Ab Februar ziehen über 60 weitere Stromanbieter in Deutschland die Preise an. Darunter sind regionale Versorger des Energiekonzerns E.on. Der Konkurrent RWE will bald nachziehen. Verbraucherschützer raten zum Anbieterwechsel denn manche Unternehmen halten die Preise weiter stabil.
welt.de/finanzen/article3057980/Jetzt-zahlen-auch-Kunden-von-E-on-und-RWE-meh
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