In der Autobranche wird über ein Engagement von Oleg Deripaska bei Opel spekuliert - doch der Mann hat andere Probleme.
Oleg Deripaska hat vermutlich zu wenig Zeit, um auch noch die kritische Zeitung Nowaja Gaseta zu lesen. Vielleicht hätte er es einmal tun sollen. Denn kürzlich widmete sie ihm eine ganze Seite samt Fotos von Protesten, die dem Unternehmer gar nicht gefallen hätten. "Deripaska - verkauf Deine Yacht", "Kein Fabriken-Sterben" und "Deripaska - geh!" stand auf den abgebildeten Plakaten, die Angestellte eines Werks in Pikalewo in die Höhe hielten.
Oleg Deripaska war schon mal Investor bei Magna - steigt er nun bei Opel ein? (© Foto: Reuters)
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Es läuft derzeit nicht sehr gut für den 41 Jahre alten Oligarchen. Den Titel "reichster Mann in Russland", den ihm das Magazin Forbes verlieh, hat er im Zuge der weltweiten Finanzkrise abgeben müssen, den Angaben zufolge hat er durch die Krise bislang 25 Milliarden Dollar verloren. Schlagzeilen macht der Mann inzwischen nicht mehr durch Übernahmen, sondern durch den Verkauf von Beteiligungen. Und beständig kursieren Spekulationen über das Ausmaß seiner finanziellen Schieflage. Umso überraschter waren manche Beobachter, als sein Name im Zusammenhang mit einem möglichen Einstieg bei Opel auftauchte.
Oleg Deripaska war bis zum vergangenen Jahr Großaktionär beim kanadisch-österreichischen Autozulieferer und Opel-Interessenten Magna. Die Wirtschaftskrise zwang ihn zum Ausstieg. Als nun Meldungen auftauchten, der Autokonzern Gaz, der Deripaska gehört, werde zusammen mit dem größten russischen Kreditinstitut Sberbank ein neues Bündnis mit Magna eingehen, um sich bei Opel einzukaufen, ließ der Geschäftsmann dies dementieren. Aber ist diese Absage auch endgültig?
Putins Freund
Dass Deripaska offiziell kein Interesse signalisiert, ist verständlich. Denn derzeit verhandelt er mit ausländischen und russischen Banken über die Umschuldung von geschätzten 15 Milliarden Dollar, und ein offen geäußerter Wunsch nach neuen Geschäften würde diese Gespräche erschweren. "Deripaska rettet Opel. Doch wer rettet Deripaska?", schrieb eine russische Internet-Zeitung. Allein das Autowerk Gaz hat etwa eine Milliarde Euro Schulden und musste bereits ein Viertel seiner einst 120000 Mitarbeiter entlassen; weitere 30000 Arbeitsplätze gelten als gefährdet.
Aus eigener Kraft könnte Deripaska einen Einstieg bei Opel nicht finanzieren. Es müsste schon der russische Staat aushelfen, der die heimische Automobilindustrie mit protektionistischem Einsatz unbedingt sanieren will. Ein Technologietransfer durch Opel würde da gut ins Bild passen. Im Gegenzug könnte Opel langfristig vom wachsenden russischen Automarkt profitieren, der bis zur Finanzkrise auf dem besten Weg war, der größte in Europa zu werden. Welche Rolle Deripaska bei all dem spielen könnte, ist unklar. Wohl kein russischer Geschäftsmann aber hat derart gute Kontakte zugleich zu Ministerpräsident Wladimir Putin wie auch zum Magna-Konzern. Nur reicht das? Im vergangenen Jahr hatte Deripaska dank der Unterstützung von Putin noch einen Überbrückungskredit in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar bekommen. Doch inzwischen hat Präsident Dmitrij Medwedjew deutlich gemacht, dass die Großunternehmer sich fortan selber helfen müssten.
Der Reichtum der wilden neunziger Jahre
Oleg Deripaska ist - wie die meisten russischen Oligarchen - während der wilden neunziger Jahre reich geworden, als der damalige Kremlchef Boris Jelzin in einer landesweiten Gutschein-Aktion wichtige Staatsbetriebe zur Privatisierung freigab. Der studierte Physiker Deripaska konzentrierte sich zunächst auf die Aluminiumindustrie und galt dabei als einer der aggressivsten Unternehmer der Branche. Die USA verweigerten ihm wegen seiner angeblichen Verwicklung in die brutalen Verteilungskämpfe zwischenzeitlich sogar die Einreise, derweil er in Russland sein Imperium mit Hilfe von Krediten zielstrebig ausdehnte.
Vor allem über seine Holding Basowy Element, international auch Basic Element genannt, engagierte sich Deripaska mehr und mehr im westeuropäischen Markt. Er stieg unter anderem beim österreichischen Baukonzern Strabag ein, kaufte Anteile des deutschen Konzerns Hochtief, beteiligte sich bei Magna und dem italienischen Dieselhersteller VM Motori. Doch dann erreichte ihn die Finanzkrise mit voller Wucht, und die Dominosteine, zuvor mühsam aneinandergereiht, fielen. Deripaska zog sich aus Magna zurück, aus Hochtief, und vor einer Woche verkündete Strabag, dass Deripaskas Basic Element sein Aktienpaket von 25 Prozent verkaufen werde, wenngleich mit einer Option zum Rückkauf bis zum 20. Dezember.
Zugleich droht dem russischen Unternehmer nach einem Bericht der Zeitung Wremja Nowostej auch ein prestigeträchtiger Rückfall in seinem Kerngeschäft, der Aluminiumbranche. Sein Konzern Rusal, bei dem er Anfang des Jahres wieder selbst die operative Leitung übernommen hat, könnte 2009 den ersten Platz in der Welt an das Unternehmen Rio Tinto verlieren. Zu dem Bericht stellte die Zeitung ein Foto Deripaskas, auf dem er grimmig schaut - und kämpferisch. "Rusal wird auch in diesem Jahr vorn sein", erklärte das Unternehmen siegesgewiss.
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(SZ vom 05.05.2009/mel)
Großprojekte in Berlin
unter Termindruck gerät. Gegen diese Konstellation ist das FIAT Szenario doch richtig konkret ! Das wird teuer für den Steuerzahler denn offensichtlich ist Marchionne nun der einzige der ernsthaft bereit ist das Opel Problem in die Hand zu nehmen.
Dafür, dass Marchionne mit dem Stellenabbau bis zum Herbst wartet werden Guttenberg & Co viel Geld zahlen !
"Die USA verweigerten ihm wegen seiner angeblichen Verwicklung in die brutalen Verteilungskämpfe zwischenzeitlich sogar die Einreise, derweil er in Russland sein Imperium mit Hilfe von Krediten zielstrebig ausdehnte."
Und genau hier liegt das Problem dieser Menschen. In guten Zeiten mag das Einkaufen auf Pump gutgehen, jedoch kann diese Vorgehensweise in schlechten Zeiten zum Verhängnis werden.
Was haben viele Russen gemacht? Viele Russen (Privatpersonen und Unternehmer) haben sich im Ausland mit günstigen Krediten eingedeckt. Der Zinssatz war in den USA nd in der EU historisch gesehen niedrig, wobei sich die Zinsen in Russland bei mindestens 10% bewegten. Wer klug war und Zinszahlungen sparen wollte, nahm Kredite in $ auf. Das ging auch gut, weil die Wirtschaft boomte und diese Vorgehensweise wurde immer beliebter...ja bis es zum großen Knall kam. Die Aktienpreise an der russischen Börse fielen während und nach dem Georgienkrieg massiv, womit sich das Vermögen einiger Russen drastisch schmälerte. Hinzu kam der Verfall des Rubels gegenüber dem $ und dem und auf einmal musste man für einen $Kredit anstatt 1.000.000 Rubel direkt 1.300.000 Rubel zahlen. Man musste also mehr an die Banken zahlen, während das Vermögen schrumpfte, womit die Jungs in "Teufels Küche" kamen.
Das Resultat waren massive Aktienverkäufe um überhaupt die Zinsen zahlen zu können und der Ruf nach Papa Staat (Putin). Der hat den Leitzinssatz sogar noch erhöht (!) (während er in den USA praktisch bei 0 liegt) um den Verfall der russischen Währung zudämpfen. (Dieses Vorgehen ist eigentlich einmalig und muss weiter beobachtet werden.) Momentan scheint sich die lage stabilisiert zu haben und die Jungs suchen nach neuen "Wachstumschancen".
Man sieht also auch hier: Gier frisst Hirn und unsere Elite ist nicht die einzige, die bei den vergangenen Zockergeschäften dabei war.