Russland Ikea zensiert sein Kundenmagazin

Selbstzensur beim Kundenmagazin von Ikea in Russland: Das Unternehmen streicht eine Geschichte über zwei lesbische Frauen

Eine Geschichte über zwei lesbische Frauen im "Family"-Magazin von Ikea erscheint in 25 Ländern - nur nicht in Russland. Es ist nicht das erste Mal, dass Ikea durch vorauseilenden Gehorsam auffällt.

Zwei lesbische Frauen, die gemeinsam mit ihrem Kind in London leben - das ist das Thema einer Reportage, die in der Dezember-Ausgabe des Kundenmagazins "Family" von Ikea abgedruckt ist. Das Heft erscheint in 25 Ländern - aber nicht in Russland.

Ikea-Sprecherin Ylva Magnusson erklärte, die Entscheidung sei getroffen worden, weil der Artikel im Widerspruch zu den Gesetzen des Landes zur Schwulen- und Lesbenpropaganda stünde. Man habe sich mit Rechtsexperten beraten, sei aber nicht in der Lage, den Artikel zu publizieren, weil die russische Gesetzgebung "Einschränkungen vorsieht, was die Förderung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften betrifft".

Erst im vergangenen Jahr sah sich Ikea mit internationaler Kritik konfrontiert: Ebenfalls in vorauseilendem Gehorsam hatte der Möbelkonzern in der saudi-arabischen Ausgabe seines Katalogs alle Bilder von Frauen wegretuschiert.

Und auch in Russland löschte Ikea schon einmal: Ein Foto auf der russischen Webseite zeigte vier Jugendliche, die sich bei einer Ikea-Werbeaktion bunte Sturmmasken im Stil der russischen Polit-Punkband Pussy Riot aufgezogen hatten. Es wurde gelöscht. Ikea begründete den Schritt damals damit, das Unternehmen wolle nicht "als Ort der Agitation jeder Art" ausgenutzt werden.

Ausspähaffäre bei Ikea Frankreich

Ärger anderer Art droht dem schwedischen Möbelhaus in Frankreich: Wegen der mutmaßlichen Ausspähung von Angestellten und Kunden haben Staatsanwälte Ermittlungsverfahren gegen das Unternehmen und zwei seiner Manager eingeleitet. Davon betroffen seien sowohl die französische Tochtergesellschaft selbst als auch Geschäftsführer Stefan Vanoverbeke und Finanzvorstand Dariusz Rychert, teilte der Möbelkonzern mit. Wie aus Justizkreisen verlautete, befanden sich Vanoverbeke und Rychert für die Vernehmung in Polizeigewahrsam in Versailles.

In dem Verfahren geht es um Vorwürfe, Ikea habe sich illegalen Zugang zu geheimen Polizeiakten verschafft, um Informationen über Mitarbeiter und Kunden zu erhalten. Ermittelt wird unter anderem gegen den langjährigen Sicherheitschef, Jean-François Paris, sowie vier zivile Polizeiangestellte. Diese sollen Ikea gegen die Zahlung von etwa 80 Euro pro Person Daten zu Mitarbeitern, Gewerkschaftern oder den Besitzern gewisser Nummernschilder oder Handynummern aus dem zentralen Polizeisystem besorgt haben. In einem Fall soll der Konzern zudem Informationen zu einem Kunden angefordert haben, der ihn verklagt hatte.

Erst kürzlich ließ die Polizei die Konzernzentrale in Paris durchsuchen. In der Folge entließ Ikea Frankreich vier ranghohe Mitarbeiter, leitete eine interne Untersuchung ein und verabschiedete einen Verhaltenskodex.