Der Streit ums Geld beim öffentlich-rechtlichen Bruderzwist geht in die nächste Runde. ARD-Chef Jobst Plog kann die Forderungen des ZDF auf Kosten seines Senderverbunds nicht nachvollziehen.
Mit einer bescheidenen Bitte trat vor einigen Wochen die ARD an das ZDF heran. Man möge doch vorab gewisse Dokumente austauschen, die schließlich am 30. April bei den Ländern und deren Gebührenkommission offiziell eingereicht wurden.
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Es handelt sich um mehrere Aktenordner und Bände, in denen die öffentlich-rechtlichen Anstalten auf Euro und Cent genau beziffern, wie viel Geld sie vom Jahr 2005 an zusätzlich benötigen und damit eine Erhöhung der Rundfunkgebühr von 16,15 Euro auf über 18 Euro beantragen. Doch das ZDF lehnte das Ansinnen der ARD ab, man möge sich gegenseitig Einblick in die Unterlagen gewähren.
"Nun ahnen wir, warum", sagt der ARD-Vorsitzende Jobst Plog. Das ZDF in Mainz rechnet in seiner Finanzanmeldung vor, man sei gegenüber der ARD krass benachteiligt und müsse deshalb bei der geforderten Gebührenerhöhung einen Extrazuschlag bekommen. Die ARD könne in ihr Erstes deutlich über 100 Millionen Euro pro Jahr mehr investieren als das ZDF in sein Zweites. Dadurch bleibe man auf ewig Zweiter, so die sich benachteiligt fühlenden Mainzer.
Auch die ARD hat fleißig gerechnet und ist zum gegenteiligen Ergebnis gekommen: "Das ZDF hat in den vergangenen Gebührenrunden seinen Anteil zu Lasten der ARD deutlich gesteigert", sagt Plog. Bei der ARD ist man offenbar ein wenig verärgert, dass die Taschenrechner in Mainz anders bedient werden als im eigenen Hause. Von öffentlich-rechtlicher Brüderlichkeit ist derzeit wenig zu spüren.
Eigene Rechnungen korrigiert
"Wir können die Zahlen des ZDF nicht nachvollziehen", sagt Plog. "Offenbar geht das ZDF mit dem Begriff ,empirisch gesichert' recht großzügig um." So hatte man in Mainz die bei der Gebührenkommission eingereichte eigene Rechnung beschrieben. Die ARD kommt auf eine ganz andere empirische Wirklichkeit.
Das ZDF, das über zu wenige Premieren in seinem Programm klagt, müsse nur einmal in den Jahrbüchern der Anstalten nachschlagen. Danach gebe es im Ersten fast 39,1 Prozent und in den Dritten Programmen sogar 48,1 Prozent Wiederholungen, im ZDF seien es im Jahr 2001 hingegen 38,8 Prozent gewesen, sagt Plog.
Und die Marktanteile im Fernsehen hätten sich in den vergangenen Jahren zu Lasten des Ersten und zu Gunsten des ZDF verschoben. Das spreche nicht "für eine Unterfinanzierung in Mainz", meint Plog. "Zieht man die Gemeinschaftskanäle wie Arte und 3sat ab, bekommt die ARD für neun Fernsehprogramme 6,60 Euro, das ZDF für nur ein Programm bereits jetzt 4 Euro Gebühr pro Monat."Der Rest der Gebühr entfällt auf die Radioprogramme und die Landesmedienanstalten.
Aber auch die eigenen Rechnungen musste die ARD korrigieren. War man vor zwei Jahren noch von einem Minus in der Gebührenperiode bis Ende 2004 von knapp 600 Millionen Euro ausgegangen, ergibt sich jetzt für denselben Zeitraum ein Plus von 237 Millionen.
Die Frage ist also, ob die ARD in so kurzer Zeit weiterhin derart viel Geld sparen und so den Gebührenbedarf deutlich senken könnte. Plog antwortet: "Wir haben unser Anmeldeverhalten den Erwartungen der Gebührenkommission angepasst. Deshalb werden vergleichbare Abweichungen nicht mehr auftreten." Außerdem habe man durch ein besseres Marketing mehr Gebühren einziehen können.
Der Überschuss von 237 Millionen Euro drücke den Finanzbedarf in der nächsten Gebührenperiode, erläutert Plog und platziert einen Seitenhieb auf das ZDF: Das Verhalten der ARD sei "mit Blick auf die wirtschaftliche Lage verantwortungsvoller, als regelmäßig Verluste zu erwirtschaften". Das ZDF kalkuliert mit einem Minus von 211 Millionen Euro bis Ende 2004.
Ist der Sport zu teuer?
Plog bestreitet auch, dass die ARD "summa summarum deutlich mehr in den Sport investiert als das ZDF - mal abgesehen vom Regionalsport, um den wir uns intensiv kümmern". In einigen ARD-Anstalten gibt es aber Hinweise, der Sport gehe zu Lasten anderer Inhalte, so auch in Plogs eigenem Norddeutschen Rundfunk.
Der NDR schreibt in der Gebührenanmeldung, wegen der teuren Sportrechte und Filme und den höheren ARD-Verpflichtungen des NDR müsse man für das Erste zusätzlich Geld aufwänden. Um die Kosten wieder zu drücken, seien "erhebliche Einschnitte in das NDR-eigene Programm" erforderlich.
Plog sagt dazu, die Kosten für Fußball und Co. beliefen sich auf weniger als fünf Prozent des Gesamtetats der ARD. Dabei bleibe es auch in der kommenden Gebührenperiode -selbst, wenn es zum Kauf der Bundesligarechte kommen sollte, über den aber noch nicht entschieden ist.
Die Schweizer Agentur Infront, der die Bundesliga-Fernsehrechte gehören, hat wiederholt mit der ARD gesprochen. Plog sagt, "nach den ersten Sondierungen ist klar: Die Preisvorstellungen liegen so weit auseinander, dass ernsthafte Verhandlungen bisher nicht geführt werden". Und über die von Infront angebotenen Live-Spiele sei noch nicht geredet worden.
Plog hatte vor zwei Wochen erstmals die beantragte Gebührenerhöhung mit dem Fußball (WM 2006, gegebenenfalls Bundesliga) verknüpft und sich dafür sogleich Kritik aus der Politik eingehandelt.
Hat der ARD-Chef die falsche Taktik gewählt? "Ich habe lediglich klargestellt: Sollte eine Gebührenanpassung ausbleiben, wären Einschnitte bei allen Programmausgaben erforderlich - auch beim Sport." Im Übrigen sei der Eindruck falsch, eine Gebührenerhöhung sei vor allem wegen hoher Sportrechtekosten erforderlich.
In ihrem Gebührenantrag schreibt die ARD, der eigene Mehrbedarf von 1,12 Euro pro Monat entspreche dem Wert "von zwei Briefmarken oder einem Liter Benzin". Rein mathematisch zumindest ist gegen diese Rechnung nichts einzuwenden. Nicht mal vom ZDF.
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