Ruhegehälter Großer Unterschied zwischen Pensionen und Renten

Wir sitzen doch alle im selben Boot? Bei Renten und Pensionen gibt es immer noch große Unterschiede.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Eine Anfrage der Linken zeigt wieder einmal: Die Unterschiede der Ruhegehälter von Beamten und Arbeitnehmern sind groß.
  • Politiker der Grünen und Linken schlagen vor, Selbständige und langfristig Beamtete anders als bisher in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen zu lassen.
Von Alexander Hagelüken

Die durchschnittlichen Ruhegehälter vieler Staatsdiener erscheinen zumindest auf den ersten Blick deutlich höher als übliche Renten in Deutschland. Das ergibt sich erneut aus Daten, die die Bundesregierung auf Anfrage der Linken zusammenstellte. So erhielten Berufssoldaten im Alter Anfang 2015 im Schnitt 2900 Euro brutto im Monat. Wer im Schuldienst der Bundesländer arbeitete, erhielt 3000 Euro, Mitarbeiter des Vollzugsdiensts 2400 Euro. Anders bei der gesetzlichen Rente: Wer als Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft 45 Jahre Beiträge gemäß des Durchschnittslohns zahlte, erhält eine Monatsrente von 1300 Euro brutto.

Die Unterschiede könnten die Debatte über einen Umbau des Alterssystems befeuern. Politiker der Grünen und Linken schlagen vor, Selbständige und langfristig Beamtete anders als bisher in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen zu lassen. Eine Studie des DIW-Instituts legt Reformbedarf für das Alterssystem nahe: Demnach sinkt das Niveau der gesetzlichen Rente ohne Reformen bis 2040 von 48 auf 42 Prozent des Durchschnittslohns. Dagegen steige der Beitragssatz der Arbeitnehmer von knapp 19 auf 23,5 Prozent.

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Vertreter der Beamten dagegen weisen einen isolierten Vergleich der Ruhegehälter und der Renten als unangemessen zurück. So verdienten Staatsdiener häufig weniger als in vergleichbaren Berufen in der freien Wirtschaft. Sie hätten im Schnitt häufig eine höhere Qualifikation. Außerdem erhielten zahlreiche Beschäftigte in der Wirtschaft zur gesetzlichen noch eine Betriebsrente.

Die Brutto-Ruhegehälter seien zudem nicht direkt mit Renten vergleichbar, weil die individuellen Abschläge für Steuern und Krankenversicherung mit 20 bis 25 Prozent höher seien, so der Beamtenbund. Von den 1300 Euro des Standardrentners in der Wirtschaft gehen etwa zehn Prozent für Kranken- und Pflegeversicherung ab. Steuern zahlen Standardrentner ohne zusätzliche Einkünfte - etwa aus Vermietung oder Geldanlagen - kaum.

Obwohl sich Ruhegehälter und Renten nur eingeschränkt vergleichen lassen, dürfte die Diskussion über die Unterschiede anhalten. Weil immer weniger Arbeitnehmer auf einen Senioren kommen, wird das Rentenniveau in den kommenden Jahrzehnten erheblich sinken. Zugleich funktioniert die als Ergänzung gedachte private Vorsorge per staatlich geförderten Riester-Vertrag schlechter als erhofft. "Die Altersversorgung der freien Berufe und Beamten zeigt, dass armutssichere Ruhegelder möglich sind. Das muss für alle gelten", sagt Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann.

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