Rückruf von BASF Erster Hersteller ruft belastete Matratzen zurück

Belastete Matratzen werden aus den Läden zurückgeholt.

(Foto: dpa)
  • Der Chemiekonzern BASF hat einen flüssiges Produkt in Umlauf gebracht, der möglicherweise gesundheitsschädlich ist.
  • Der Stoff namens Toluoldiisocyanat wird in Matratzen verarbeitet und steht unter Verdacht, Krebs zu erregen.
  • Entgegen einer ersten Meldung scheint ein Teil der Ware nun doch schon in den Handel gelangt zu sein.

Der Chemiekonzern BASF hat einen Monat lang ein belastetes Zwischenprodukt für die Kunststoffherstellung ausgeliefert, der unter anderem für die Herstellung von Matratzen verwendet wird. Etwa 7500 Tonnen davon sollen die Werke der Firma verlassen haben und an etwa 50 Kunden ausgeliefert worden sein. Das teilte das Unternehmen mit, nachdem ein Kunde auf die Belastung aufmerksam gemacht hatte. Etwa 5000 Tonnen davon seien laut BASF aber noch nicht weiterverarbeitet worden. Sie würden von BASF zurückgeholt.

Es handelt sich bei dem belasteten Stoff um Toluoldiisocyanat (TDI). Dieser enthält eine deutlich erhöhte Konzentration an Dichlorbenzol, das unter Verdacht steht, Krebs zu verursachen. Zudem kann es Haut, Atemwege und Augen reizen. Einer BASF-Sprecherin zufolge wurde bei dem betroffenen Produkt ein Dichlorbenzol-Anteil von mehreren Hundert ppm (parts per million - Anteile pro Million) gemessen - normalerweise liege das Level unter drei ppm.

Industrie warnt vor Panik - doch ein Hersteller ruft bereits zurück

Das Zwischenprodukt für die Kunststoffherstellung TDI wird in der Möbelindustrie auch für Polsterungen oder Holzbeschichtungen benutzt, hauptsächlich aber für elastische Schäume in Matratzen. Der Fachverband der Matratzen-Industrie teilte bereits kurz nach Bekanntwerden des Problems am Dienstagabend mit, einige Unternehmen hätten wegen des Vorfalls die Produktion eingestellt oder gedrosselt. Er warnte jedoch davor, in Panik zu verfallen. Aufgrund der langen Lieferketten und Produktionszeiträumen sei es unwahrscheinlich, dass belastete Ware in bereits großen Mengen in den Handel gelangt sei.

Nun stellt sich jedoch heraus: So klein wie dargestellt ist das Problem offenbar nicht. Die Firma Dunlopillo hat als erster Hersteller ihre Matratzen zurückgerufen. "Auch wenn die abschließenden Ergebnisse noch nicht vorliegen, besteht der Verdacht für eine gesundheitliche Gefährdung. Wir werden alle betroffenen Matratzen, die beim Endkunden oder beim Händler liegen, zurückholen und durch neue ersetzen", sagt der Geschäftsführer von Dunlopillo, Manuel Müller. Die Auslieferung der möglicherweise betroffenen Produkte sei bereits gestoppt.

Auch das belgische Unternehmen Recitel hat bereits seine Produktion sowie die Auslieferung von Schaumstoffprodukten gestoppt. Zudem geht aus einer Mitteilung des Konzerns hervor, dass das Problem bereits seit sechs Tagen bekannt ist. BASF hat seine Kunden demnach bereits am 5. Oktober über die belasteten Stoffe informiert, die Öffentlichkeit hingegen erst am 10.

BASF selbst hat unterdessen den Herstellern angeboten, das noch nicht verarbeitete TDI aus den Produktions-Tanks zurückzunehmen. Außerdem will das Unternehmen auf eigene Kosten nicht verarbeitete Schaumblöcke einsammeln, die im betroffenen Zeitraum hergestellt wurden. Bei bereits verarbeiteten Produkten liege es hingegen an den Herstellern zu testen, ob die Grenzwerte der jeweiligen Industrien eingehalten würden. BASF selbst hat zudem eine Kundenhotline eingerichtet. Verbraucher können dort erfragen, ob der potenziell gefährliche Stoff in ihrer Matratze verarbeitet wurde.

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