Von Marc Beise und Claus Hulverscheidt

Der Bund beteiligt sich wieder an der Herstellung von Pässen und Personalausweisen. Er will einen Anteil an der Bundesdruckerei zurückkaufen.

Er will nach derzeitiger Planung 25,01 Prozent an der Bundesdruckerei zurückkaufen, die er erst vor sieben Jahren komplett privatisiert hatte.

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Die Mehrheit an dem Betrieb soll an das Münchner Familienunternehmen Giesecke & Devrient (G&D) gehen, das der einzige deutsche Konkurrent der Bundesdruckerei ist.

Wie die Süddeutsche Zeitung von mit dem Vorgang vertrauten Personen erfuhr, stehen die Gespräche kurz vor dem Abschluss.

"Mögliche strategische Option"

G&D interessiert sich seit langem für den Wettbewerber und hat stets von einer "möglichen strategischen Option" gesprochen, auf die man sich vorbereite; am Mittwoch wollte das Unternehmen keine Stellungnahme abgeben.

Die rot-grüne Regierung hatte das damalige Staatsunternehmen Bundesdruckerei in Berlin 2000 an den Finanzinvestor Apax verkauft - für umgerechnet etwa eine Milliarde Euro. Apax setzte damals nur 300 Millionen Euro eigenes Kapital ein, der restliche Preis wurde dem Konzern aufgebürdet oder vom Bund gestundet.

Bald geriet die überschuldete Bundesdruckerei an den Rand der Pleite, die Zahl der Arbeitsplätze sank von 4000 auf 1300. Schon 2002 stiegt Apax wieder aus, und die Authentos-Gruppe übernahm die Firma, hinter der der Unternehmer Heinz-Günter Gondert von der Anwaltssozietät Clifford Chance in Frankfurt stand. Hauptkreditgeber war die Hessische Landesbank Helaba.

Gewährtes Darlehen abgeschrieben

Heute gilt die Bundesdruckerei als saniert, dank der Aufträge des Bundes für elektronische Reisepässe. Der Finanzminister musste aber einen Großteil des gewährten Darlehens abschreiben.

Wegen der sicherheitsrelevanten Aktivitäten der Bundesdruckerei wuchs in der großen Koalition der Druck, sich wieder an dem Unternehmen zu beteiligen. Insbesondere Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gilt als Befürworter einer solchen Staatsbeteiligung.

Mit dem Wiedereinstieg des Staates wächst die Chance der Bundesdruckerei, den Großauftrag für elektronische Personalausweise zu erhalten; auch steht der Reisepass-Auftrag zur Verlängerung an.

Nach SZ-Informationen hatte es G&D zur Bedingung für den Kauf des knapp 75-prozentigen Anteils gemacht, dass der Bund die Aufträge für die Ausweise und Pässe nicht anderweitig vergibt.

Konkurrent Gemalto

Konkurrent von G&D war bis zuletzt der niederländische Chipkartenkonzern Gemalto, der aus der Fusion der beiden Unternehmen Axalto und Gemplus entstanden ist.

Gemalto und G&D arbeiten mitunter zusammen, so bei der Produktion elektronischer Gesundheitskarten für die AOK: Die Niederländer produzieren die Karten, das Karten-Managementsystem stammt von den Deutschen.

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(SZ vom 06.03.2008/pak)