Rosenthal: Ottmar C. Küsel Das Ende nach 18 Jahren

Viel Porzellan zerbrochen: Beim insolventen Porzellanhersteller Rosenthal scheinen die Tage von Vorstandschef Ottmar C. Küsel gezählt zu sein.

Von Uwe Ritzer

Nur noch wenige, letzte Details seien zu klären, dann dürfte die Übernahme der Rosenthal AG durch den italienischen Besteck- und Geschirrhersteller Sambonet unter Dach und Fach sein. Die endgültige Einigung sei nur noch eine Sache von Tagen, heißt es in Kreisen, die in die Verhandlungen eingebunden sind.

Wohl nicht mehr lange im Amt: Der Abgang des langjährigen Rosenthal-Vorstandsvorsitzenden Ottmar C. Küsel scheint beschlossen zu sein.

(Foto: Foto: dpa)

Von dort sickerte auch durch, dass es für den bisherigen Chefmanager des Porzellanherstellers keine Zukunft mehr gibt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ist der Abgang des langjährigen Rosenthal-Vorstandsvorsitzenden Ottmar C. Küsel beschlossene Sache.

Der Retter mit dem jugendlichen Charme

Dabei sah es lange so aus, als könnte sich der seit 18 Jahren amtierende Küsel halten. Als das ehemalige Tochterunternehmen des irisch-englischen Waterford-Wedgwood-Konzerns Anfang Januar Insolvenz anmeldete, gerierte sich der 57-jährige Manager mit dem betont jugendlichen Auftreten in der Öffentlichkeit noch als großer Retter.

Bei einer Pressekonferenz legte Küsel damals einen ebenso bizarren wie großspurigen Auftritt hin. Er selbst habe nichts falsch gemacht und werde nun schnell dafür sorgen, dass Rosenthal an einen neuen Eigentümer verkauft und weitergeführt werde, sagte er.

Dabei vermittelte der Vorstandschef den Eindruck, die Insolvenz sei nur ein kleiner, letztlich jedoch völlig unbedeutender Unfall in der glorreichen Firmengeschichte. Ganz so, als wäre Rosenthal nicht unter seiner langjährigen Führung an die Wand gefahren.

Schuldenberg trotz Restrukturierungen

In den 18 Jahren von Küsels Amtszeit jagte eine Restrukturierung die andere, Hunderte Arbeitsplätze wurden abgebaut, ohne dass der durchgreifende Umschwung gelang. Stattdessen häufte das Traditionsunternehmen 132,3 Millionen Euro Schulden an.

Wenn alles weitergelaufen wäre wie bisher, würde Rosenthal monatlich gut eine Million Euro Verlust machen, notierte Insolvenzverwalter Volker Böhm Ende März in einem vertraulichen Bericht an das zuständige Gericht in Hof. Für all das trägt Küsel sicher nicht die Hauptverantwortung, aber ein gerüttelt Maß davon.

Lange schien es, als könnte Küsel sich trotzdem an der Spitze halten. Insolvenzverwalter Böhm schien vorbehaltlos zu Küsel zu stehen. Der mischte während der vorläufigen Insolvenz noch eifrig mit. Bei der Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens hieß es dann jedoch, er stünde Böhm nur noch "beratend" zur Seite.

Frühstücksdirektor mit Vorstandsgehalt

Das gilt nach wie vor. Nach Aussagen aus Firmenkreisen ist Küsel inzwischen jedoch kaum noch mehr als ein Frühstücksdirektor, wenn auch bestens bezahlt mit Vorstandsgehalt. Er sei in letzter Zeit immer seltener anwesend, heißt es am Rosenthal-Sitz im oberfränkischen Selb.

Insolvenzverwalter Böhm habe das Unternehmen fest in Griff. Spekulationen, wonach Küsel Investoren suche, mit denen er Rosenthal in Eigenregie übernehmen wolle, bewahrheiteten sich nicht. Auch Sambonet scheint nun auf Küsels Dienste verzichten zu wollen. Dabei war er es, der die Italiener bereits lange vor dem Insolvenzantrag ins Spiel brachte.

Die Informationen, wonach sein Abgang nun bevorsteht, ließ er unkommentiert. Es nehme dazu nicht Stellung, hieß es bei Rosenthal. Auch ein Sprecher von Insolvenzverwalter Böhm wollte die SZ-Informationen weder bestätigen noch dementieren.