Rosa Überraschungsei Feministen beschuldigen Ferrero der Verdummung von Mädchen

Ein Überraschungsei "nur für Mädchen": Das ist die neue Geschäftsidee des Süßwarenherstellers Ferrero, der mit rosa Verpackung und sexy Feen auf eine neue Zielgruppe abzielt. Mädchengerecht, findet Ferrero. Sexistisch, meinen die Kritiker.

Von Sabrina Keßler

Spiel, Spaß und Sexismus: Der Süßwarenkonzern Ferrero ("Nutella") wirbt seit einiger Zeit für eine neue Variante seines Klassikers "Überraschungsei": Auf übergroßen Plakaten prangt der Slogan "Ei love rosa", darunter steht ein mit rosa Blumen verziertes Schoko-Ei "nur für Mädchen". Einmal ausgepackt, kann der weibliche Nachwuchs mit Plastikfiguren der TV-Serie "WinX-Club" spielen: Dünne Feenpüppchen in Hotpants, Miniröcken und Bustiers mit langen Haaren und noch längeren Beinen. Feministinnen sind empört.

Die neue Kampagne zur Sonderserie des Süßwarenherstellers stößt auf Kritik.

(Foto: ferrero.de)

"Die Puppen haben ein total sexualisiertes Image", schimpft Genderforscherin Stevie Schmiedel, die lange Jahre an der Hamburger Universität lehrte. Mit solchen Frauenbildern dränge man Mädchen in altbekannte Rollen und erziehe sie zu kleinen Konsumentinnen. Diese Kampagne sei "ein absoluter Rückschritt und nicht kindgerecht", moniert die Deutsch-Britin. Sie sieht in den Figuren sogar eine Einstiegsdroge zum Magerwahn.

Doch die Spielfiguren sind nicht das einzige Problem. Vielmehr sei es die generelle "Gender-Apartheid" bei Kinderprodukten, die Schmiedel stört. Deshalb hat sie im Frühjahr die Kampagne "Pinkstinks" gestartet, die den Geschlechterwahn der Spielwarenwelt anprangert. Mit einer Petition will sie gegen die "Pinkifizierung" der Spielzeuge vorgehen, die vorschreiben, was Mädchensein bedeute: "Rosa steht für niedlich, modebewusst und sexy. Dabei ist das nur eine Facette vom Mädchensein."

Das Unternehmen hat sich gewappnet

Ferrero hingegen weiß um die Vorwürfe. Der Konzern hat per Pressemitteilung vorgesorgt: Das Basissortiment des rosa Überraschungsei halte neben klassischen Mädchendingen wie Blumen-Ringe oder Armbänder auch aktivierende Spielzeuge zum Werfen, Puzzeln oder Basteln bereit. Schließlich ließen sich Mädchen heutzutage nicht mehr in nur eine Schublade stecken: Pink und Ponyhof seien ihnen genauso wichtig, wie Fußball und Frauenpower, ergaben Erhebungen des Konzerns.

Diesen Trend bestätigt auch Axel Dammler, Marktforscher bei "Iconkids&Youth". Er arbeitete im Auftrag des Unternehmens und verteidigt die Industrie. "Natürlich betonen solche Produkte gewisse Stereotype." Hinter dem rosa Spielzeug stecke aber dennoch ein klares Ziel: Es gehe darum, das Interesse der Kinder auf Dinge zu lenken, mit denen sie sich sonst nicht beschäftigen würden.

Feministinnen verurteilen die neue Kampagne

Ähnlich sei es mit "Lego Friends", einem Bausatz mit lila Klötzchen, die Mädchen zum Bauen animieren sollen. Mädchen hätten nun mal ein "Puppen-Gen" und würden sich sonst nicht mit solchen Sachen befassen. Wenn man aber ihre Vorliebe für rosa nutze, um sie dann für etwas zu begeistern, was sie sonst ignorieren würden, sei das doch eine gute Sache. "Auch wenn die Unternehmen bewusst genderspezifische Produkte anbieten, sollte man nicht immer gleich die ideologische Keule herausholen", kritisiert der Marktforscher die Gegner der Kampagne.

Feministen geben sich damit nicht zufrieden. "Auf all diese Produkte gehört eigentlich ein Warnhinweis: ,Rosa macht Mädchen dümmer'", kommentiert das Frauenmagazin Emma. "Zum Wohl ihrer Profitraten vermüllt die Pink-Industrie den kleinen Mädchen das Gehirn." Heraus kämen Prinzessinnen, die nur eins im Kopf haben: Konsum.