"Ein Großteil der Hausaufgaben ist gemacht": Hessens Ministerpräsident Koch will am Einstieg von Magna bei Opel keine Zweifel aufkommen lassen. Doch die fünf Wirtschaftsweisen üben Kritik.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch will keinen Zweifel aufkommen lassen an der angestrebten Opel-Übernahme durch das Konsortium um den Autozulieferer Magna. Es gebe nicht den geringsten Grund anzunehmen, dass die Gespräche zwischen der Opel-Mutter General Motors (GM) und Magna noch scheitern könnten, sagte Koch bei einem Besuch in der Opel-Zentrale im hessischen Rüsselsheim. "Ein Großteil der Hausaufgaben ist gemacht."

Roland Koch, Opel, Reuters

"Wollen einen Investor, dem es selber schlecht geht, wenn er hier schlechte Arbeit leistet": Hessens Ministerpräsident Roland Koch (© Foto: Reuters)

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Koch sagte, er traue beiden Seiten zu, die Gespräche über noch ungeklärte Details zu einem positiven Abschluss zu führen. Berichte, wonach die Bundesregierung nicht alle Kosten und Hindernisse gekannt habe, als sie Magna den Zuschlag für Opel erteilte, wies Koch zurück: "Wir sind doch keine Deppen, die einfach in ein Problem hineinlaufen."

Zweifel am Engagement der Russen

Offen ist etwa die Zukunft des Werks in St. Petersburg, das bislang noch nicht zu dem neuen Opel-Unternehmen gehört. Russland gilt trotz der derzeitigen Absatzeinbrüche als Zukunftsmarkt. Gemeinsam mit GM will Magna dort kurzfristig auf einen Marktanteil von 20 Prozent kommen.

Weitere wichtige Fragen, wie die Höhe der Investitionen von Magna in Opel und die künftigen Lizenzgebühren seien aber bereits geklärt, sagte Koch. Der Zulieferer wolle in den kommenden Jahren insgesamt 500 Millionen Euro investieren. Eine erste Tranche von 100 Millionen Euro solle bei Vertragsabschluss fließen. Die letzte Zahlung sei 2012 fällig.

Opel-Chef Hans Demant gab sich vorsichtig: "Wir dürfen noch nicht 'Hurra' schreien, es liegt noch eine Menge Arbeit vor uns. Ich glaube, dass noch einige Gewitter an uns vorbeiziehen werden, aber wir werden auch Sonnenschein sehen", sagte er nach dem Gespräch mit Koch und dem hessischen Wirtschaftsminister Dieter Posch. Den anderen beiden Opel-Interessenten Fiat und dem chinesischen Autobauer BAIC räumt Koch keine Chancen mehr ein.

Mitgefangen, mitgehangen

Koch betonte, es sei von Anfang an verabredet gewesen, dass Magna sein Eigenkapital von 500 Millionen Euro in mehreren Tranchen über mehrere Jahre hinweg einzahlen werde. 100 Millionen würden bei Vertragsschluss fällig und 100 Millionen im nächsten Jahr. Die Abschlusszahlung sei für 2012 festgelegt worden.

Trotz der zögerlichen Kapitalbeteiligung trage Magna ein "nicht unbeträchtliches unternehmerisches Risiko", sagte Koch. Magnas Zukunft hänge auch vom Erfolg bei Opel ab. "Wir wollen einen Investor, dem es selber schlecht geht, wenn er hier schlechte Arbeit leistet. Und ich bin ziemlich sicher, das ist bei Magna so."

Zweifel an der Langfristigkeit des Engagements der russischen Opel-Partner versuchte Koch auszuräumen. Die Sberbank, die im Auftrag der russischen Regierung agiert, will sich mit 35 Prozent an Opel beteiligen, hat aber bereits öffentlich über einen Weiterverkauf ihres Anteils nachgedacht.

Nach Angaben von Koch käme als Käufer dafür der Autohersteller Gaz in Frage, der ebenfalls Teil des Magna-Konsortiums für den Einstieg bei Opel ist. Darüber hinaus könne die Sberbank ihren Anteil nur mit Zustimmung der anderen Opel-Eigner verkaufen. Neben Magna soll GM weiter 35 Prozent an Opel halten, mit zehn Prozent sollen die Beschäftigten einsteigen.

Kritik der Wirtschaftsweisen

Indes üben die fünf Wirtschaftsweisen harte Kritik an der staatliche Rettung von Opel. Durch den Verzicht auf ein Insolvenzverfahren sei ein "gefährlicher Präzedenzfall" geschaffen worden, schrieb der Sachverständigenrat in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Seine Folgen könnten verheerend sein."

Dem Steuerzahler seien im Fall Opel erhebliche Risiken aufgebürdet worden. Öffentliche Vorfestlegungen hätten zudem die Verhandlungsposition der deutschen Interessen im Fall Opel "deutlich verschlechtert". Ein Insolvenzverfahren biete die Möglichkeit, die Eigentümer in die Haftung zu nehmen und ein Unternehmen nach einer Umstrukturierung weiterzuführen. Dass die Bundesregierung dieses Instrumentarium nicht genutzt hat, werten die Wirtschaftsweisen als Mangel an Professionalität.

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(sueddeutsche.de/dpa/AP/as/tob)