Rohöl Warum die Ölpreise wieder steigen

Öl wird wieder teurer. Ein Arbeiter in Bahrain (Archiv)

(Foto: Hasan Jamali/AP)
  • Auf dem Ölmarkt wird weiter zu viel des Rohstoffs angeboten. Trotz fehlender Nachfrage stiegen zuletzt die Ölpreise.
  • Hintergrund sind unter anderem Hedgefonds, die weniger auf fallende Preise wetten.
Analyse von Jan Willmroth

Nahe dem Hafen von Algeciras, mit Blick auf die Halbinsel von Gibraltar, ist am Sonntag Historisches geschehen. Nur 17 Tage hat der erste Tanker für seinen Weg durch das Mittelmeer gebraucht, um nach Jahren der Sanktionen wieder iranisches Rohöl nach Europa zu bringen. Gegen Mittag war bereits ein Viertel der etwa eine Million Barrel Öl (ca. 159 Liter pro Einheit) entladen. Zwei weitere Tanker fahren derzeit noch gen Frankreich. Die iranische Regierung verliert keine Zeit, wenn es darum geht, den einst wichtigsten Exportmarkt für ihr Erdöl wieder zu erschließen.

Zugleich ist der Preis des Rohstoffs zuletzt wieder deutlich gestiegen - ungeachtet des anhaltenden Überangebots, das durch die iranische Rückkehr noch verschärft wird. Zu Wochenbeginn überstieg der Preis der maßgeblichen Ölsorte Brent zum ersten Mal seit Dezember wieder die Marke von 40 Dollar pro Barrel, ein Plus von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Tiefststand von 27 Dollar im Januar. Dienstag war der erste seit sechs Tagen, an dem die Ölpreise wieder nachgaben. Eine grundlegende Wende ist noch nicht in Sicht.

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Denn noch immer liegt die Ölproduktion deutlich über der nachgefragten Menge, wenngleich die Ölproduktion der USA seit sechs Wochen sinkt. Die Öltanks der weltweit größten Reservespeicher in Cushing, Oklahoma, in Rotterdam und in Singapur sind inzwischen fast bis zum Rand gefüllt. Für steigende Preise sorgt einerseits die Erwartung, dass sich mehrere Opec-Staaten und Russland Mitte des Monats erneut treffen werden, um über eine Deckelung der Fördermenge zu beraten. Zwischen 20. März und 1. April wollten Vertreter großer Öl-Förderländer in Russland, Doha oder dem Opec-Stammsitz Wien zusammenkommen, sagte der russische Energieminister im Staatsfernsehen.

Diesmal möchte auch Aserbaidschan mitmachen, eines der ersten Länder, die wegen wegbrechender Öleinnahmen bereits Hilfskredite bei IWF und Weltbank beantragt haben. Bereits im Februar hatten sich Saudi-Arabien, Katar, Venezuela und Russland geeinigt, ihre Fördermengen auf dem aktuellen Niveau einfrieren zu wollen - wenn sich andere Produzenten dem Plan anschlössen. Dies sei "der Anfang eines Prozesses", er mache "weitere Schritte nötig, um den Markt zu stabilisieren und zu verbessern", hatte der saudische Ölminister Ali Al-Naimi gesagt.

Für Preissteigerungen sorgten zuletzt auch Hedgefonds und Händler, die weniger als zuvor auf weiter fallende Preise wetten. Die Stimmung im Markt hat sich vorerst zugunsten höherer Preise gedreht. Iran dürfte das freuen.

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