Ein Kommentar von Cornelia Bolesch

Die EU-Kommission will die Preistreiberei bei den sogenannten Roaming-Gebühren nicht mehr dulden. Sie schlägt ein Gesetz vor, das die Kosten um bis zu 70 Prozent senken würde.

Wenn der Wettbewerb nicht funktioniert, muss er reguliert werden. Regulierung heißt: Die Politik mischt sich ein. Der Gesetzgeber legt Zugangsregeln für einen bestimmten Markt fest und übernimmt die Preisgestaltung - ein Horrorszenario für jeden gestandenen Marktwirtschaftler.

Teurer Spaß: Urlauberin telefoniert in Mallorca. (© Foto: ddp)

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Manchmal allerdings führt kein Weg an der Regulierung vorbei. Etwa dann, wenn Telekom-Unternehmen den europäischen Markt als Selbstbedienungsladen verstehen und ihre Kunden mit Gebühren schröpfen, die in keinem Verhältnis zu den Kosten stehen.

Ohnmächtig mussten bisher die nationalen Kontrollbehörden der Willkür und Preistreiberei bei den sogenannten Roaming-Gebühren zusehen. Auch wer im europäischen Ausland Anrufe nur entgegennimmt und gar nicht selbst aktiv telefoniert, muss tief in die Tasche greifen.

Preissenkung um bis zu 70 Prozent

Umso erfreulicher ist es, dass sich die EU-Kommission einschaltet und ein Gesetz vorschlägt, das die Roaming-Entgelte um bis zu 70 Prozent senken könnte.

Für Brüssel ist dieser Schritt auch eine gute Imagewerbung. Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Telekom-Kommissarin Viviane Reding platzten deshalb vor Stolz, als sie sich als Anwälte der Bürger präsentierten.

Kritiker wenden nun ein, die Kommission sei doch nicht so mutig gegenüber der Industrie, wie sie es ursprünglich versprochen hatte. So wird es immer noch teurer sein, in Madrid mit einem deutschen Handy ein Taxi zu rufen als daheim eine Pizza zu bestellen.

Das "Europa der Ergebnisse"

Doch wenn andere über die "sozialistische Planwirtschaft" aus Brüssel schimpfen, können Barroso und seine Kommissare doch ganz zufrieden sein mit ihrem Vorstoß für ein "Europa der Ergebnisse".

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(SZ vom 13.07.06)