Rinderzucht Weltgrößte Klonfabrik soll Chinas Fleischhunger stillen

Ein Marktstand mit Fleischprodukten in der ostchinesischen Stadt Qingdao

(Foto: AFP)
  • In China steigt der Fleischverbrauch stark an. Ein Unternehmen will nun eine Fabrik für Klonrinder errichten.
  • Ethische Bedenken gibt es beim Thema Klonen in China in der Regel nicht.
Von Marcel Grzanna, Shanghai

Wo früher Reis und Kohl zum Sattwerden ausreichen mussten, wird zunehmend Fleisch aufgetischt. Der wachsende Wohlstand in der Volksrepublik China hat das Essverhalten der Menschen verändert. Die steigenden Einkommen erhöhen den Bedarf nach Schweine- und Rindfleisch von Jahr zu Jahr. Die chinesische Schweineproduktion ist ausreichend groß, um den heimischen Appetit weitgehend stillen zu können. Für Rinder aber gilt das nicht. Teure Importe müssen die Lücken schließen. Ein chinesisch-koreanisches Gemeinschaftsunternehmen will den Mangel deshalb im Labor beheben. Es will Fleisch verkaufen, das von geklonten Tieren stammt.

Von 2016 an soll das Klonzentrum in der Hafenstadt Tianjin zunächst 100 000 Embryos produzieren. Dies ist die weltgrößte Fabrik ihrer Art, aber das soll nur der Anfang sein. Stimmt die Nachfrage, soll das Volumen auf bis zu eine Million Exemplare gesteigert werden. Die Betreiber schwärmen von der Qualität des Fleischs, das durch die künstliche Schöpfung einen besonders hohen Fettanteil enthalten und damit saftiger und schmackhafter sein soll.

Treibende Kraft hinter der Initiative ist die Boyalife Group, die im vergangenen Jahr mit der Forschungsstiftung Sooam aus Südkorea die erste kommerzielle Klonfirma in China bildete. Jetzt einigten sich die beiden Partner mit dem Institut für Molekularmedizin der Peking-Universität und der Internationalen Akademie für Biomedizin in Tianjin auf die Finanzierung des 29-Millionen-Euro-Projekts. Die Verantwortlichen sind optimistisch, dass geklontes Rindfleisch auch bei den Verbrauchern gut ankommt. Es sei das leckerste Fleisch, das er jemals gegessen habe, behauptet Xu Xiaochun, Aufsichtsratschef der BoyaLife Group.

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Das Klonzentrum entsteht in einem Wirtschafts- und Entwicklungspark, der von den örtlichen Behörden finanziell unterstützt wird. Außer Rindern sollen dort auch Spürhunde oder Rennpferde geklont werden, die durch entsprechende Manipulation mit den bestmöglichen genetischen Voraussetzungen erschaffen werden können.

In China spielen ethische Bedenken kaum eine Rolle, wenn es ums Klonen oder den Eingriff ins Erbgut von Mensch und Tier geht. Das wurde deutlich, als chinesische Wissenschaftler im Frühjahr vermeldeten, sie hätten erstmals menschliche Embryos manipuliert. Eine öffentliche Debatte darüber blieb aus. Geklont werden Schafe, Schweine oder Rinder in der Volksrepublik bereits seit dem Jahr 2000. Das Klonzentrum in Tianjin ist jedoch die erste kommerzielle Einrichtung ihrer Art. Sie ist das Ergebnis einer zunehmend schwierigeren Versorgungslage.

Die Menschen wollen immer mehr Rindfleisch

China hat bereits vor Jahrzehnten damit begonnen, die Produktivität seiner eigenen Viehzucht zu erhöhen. Bauern wurden zur Viehhaltung ermutigt und die Qualität des Viehfutters erhöht. Vornehmlich verwenden die Züchter Sojamehl, das wegen seines hohen Proteingehalts die Produktivität anschiebt. Als Folge des steigenden Bedarfs nach dem Futter kletterte das Volumen chinesischer Importe von Sojabohnen zwischen 1995 und 2013 von 75 Millionen US-Dollar auf 38 Milliarden pro Jahr.

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Doch die Expansion ist ins Stocken geraten. "Der Markt benötigt immer mehr Rindfleisch. Steigende Löhne in zahlreichen Industriesektoren locken aber die Viehzüchter zunehmend als Arbeiter auf Baustellen und Fabriken. Das Personal fehlt jetzt. Deswegen fallen immer mehr Betriebe als Versorger aus, obwohl der Bedarf im Land steigt", sagt Wang Dingmian, Vorsitzender der südchinesischen Milchprodukt-Vereinigung in Guangzhou, der sich mit der Aufzucht und Effizienz der Zucht beschäftigt. Bestehende Betriebe erweiterten zwar ihren Bestand, doch damit steigt auch die Seuchengefahr. Technologisch hinkt der Sektor den internationalen Standards hinterher, weil er fragmentiert und schwach organisiert ist. Der Staat will die Branche umstrukturieren und damit effizienter und sicherer gestalten.

Doch das nimmt Zeit in Anspruch. Chinesische Unternehmen beteiligen sich deshalb verstärkt in Australien oder Neuseeland als Investoren bei Zuchtbetrieben. Dort legen sie sich ins gemachte Nest, weil die Technologie und das Know-how bereits zur Verfügung stehen. Zahlreiche chinesische Verbraucher wollen oder können sich das deutlich teurere Importfleisch jedoch nicht leisten. Das Klonfleisch könnte deshalb zu einer gefragten Alternative werden. "Qualitativ steht das Fleisch dieser Rinder dem von nicht geklonten Tieren in nichts nach. Es kann sogar besser sein", sagt Verbandsvertreter Wang.

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