Rettungspaket für Zypern Zyperns Präsident will Bankkunden mit Aktien entschädigen

Die privaten Sparbücher bleiben unangetastet, hatte Zyperns Präsident Anastasiades erst versprochen. Im Parlament muss er um Zustimmung für den radikalen Kurswechsel fürchten. Zur Besänftigung verspricht Anastasiades den geprellten Sparern Aktien der geretteten Banken - und stellt Anlegern, die ihr Geld trotz dieses Vertrauensbruchs im Land lassen, weitere Entschädigungen in Aussicht.

Zyperns Präsident Nikos Anastasiades muss um die Annahme des EU-Rettungspakets im Parlament in Nikosia fürchten. Am Sonntagabend warb er deshalb in einer Fernsehansprache für die Zwangsabgabe - und stellte den betroffenen Sparern Entschädigungen in Aussicht.

Anastasiades habe die Bedingungen im Gegenzug für die internationale Hilfe akzeptieren müssen, da ansonsten der Insel die Pleite gedroht habe. "Die gefundene Lösung ist nicht das, was wir wollten, aber es ist unter den gegebenen Umständen der am wenigsten schmerzhafte Ausgang", erklärte Anastasiades. Für seine Zustimmung zu dem in Brüssel beschlossenen Maßnahmenpaket werde er den "politischen Preis" zahlen, fügte der zyprische Präsident hinzu.

Laut dem Beschluss der Eurogruppenländer müssen Sparer aus dem In- und Ausland mit bis zu 100.000 Euro Einlagen bei zyprischen Banken eine Abgabe von einmalig 6,75 Prozent zahlen, Kunden mit mehr als 100.000 Euro 9,9 Prozent. Die Verluste würden die Zinsen von zwei Jahren kaum übersteigen, sagte Anastasiades, und die Maßnahme sei einmalig. "Ich kämpfe weiter dafür, dass die Beschlüsse der Eurogruppe in den nächsten Stunden dahingehend differenziert werden, dass die Auswirkungen auf die Kleinsparer eingeschränkt werden", sagte er.

Außerdem würden die Kunden umgehend mit Aktien der betroffenen Banken entschädigt. Diese Anteilsscheine seien durch zukünftige Einnahmen aus dem Verkauf von Erdgas garantiert. Treuen Kunden stellte Anastasiades eine weitere Kompensation in Aussicht: Wer sein Geld für die nächsten zwei Jahre im Lande lasse, soll 50 Prozent der verlorenen Summe in Form von Optionen auf die Gewinne aus den vermuteten Gasvorkommen vor der Küste Zyperns erhalten.

Schlimmste Krise seit der türkischen Invasion

Die Länder der Eurozone hatten nach rund neunmonatigen Verhandlungen in der Nacht zum Samstag ein zehn Milliarden Euro schweres Rettungspaket für das von der Staatspleite bedrohte Zypern beschlossen. Zypern hatte ursprünglich Hilfen in Höhe von 17 Milliarden Euro gefordert. Die Beteiligung der Sparer soll nun 5,8 Milliarden Euro beitragen.

Anastasiades forderte die zyprischen Abgeordneten auf, "eine Entscheidung zu treffen". Er werde diese "vollständig respektieren". Das Parlament in Nikosia soll am Montag ab 16.00 Uhr über das Rettungspaket beraten. Die Mehrheitsverhältnisse sind unklar. Anastasiades sagte, er teile die "Unzufriedenheit" vieler Landsleute mit dem Kompromiss.

Mit teilweise dramatischen Worten verteidigte der Staatschef im Fernsehen seine Entscheidung: Zypern befinde sich im Notstand. Das Land durchlebe seine schlimmste Krise seit der türkischen Invasion und der Teilung der Insel 1974. Anastasiades umriss noch einmal die Alternativen einer ungeordneten Staatspleite oder einer schwierigen, aber kontrollierten Situation, die die Chance auf einen Neubeginn biete.