Der Soffin beschäftigt einen Manager von jener Bank, die sie mit viel Aufwand gerettet hat. Der Ex-HRE-Mann ist ein Wanderer zwischen den Welten.
Die Dinge scheinen einfach zu sein: Der Bankenrettungsfonds Soffin pumpt Milliarden in die marode Hypo Real Estate (HRE) - und beschäftigt einen früheren HRE-Manager. Da ist der Fall doch klar: Der Herr von Hypo Real Estate wird doch gar nicht anders können als in Erinnerung an seinen alten Arbeitgeber pro domo zu handeln. Oder?
Soffin: "Wir haben es von Anfang an so organisiert, dass die Verantwortung für die HRE beim Referatsleiter Recht liegt" - und nicht bei Herrn Lüpke. (© Foto: Getty)
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Dieser Herr heißt Thomas von Lüpke und hat eine einigermaßen illustre Tour durch die Finanzwelt und einige angeschlagene Banken hinter sich: Von 1989 bis 2003 arbeitete er bei der WestLB, zuletzt als Leiter der Abteilung Strategie und Controlling und wechselte dann zur Ratingagentur Fitch. Dort wurde sein Arbeitsplatz 2008 wegrationalisiert. Lüpke machte sich daraufhin als Berater für Banken selbständig und wechselte im November 2008 als Interimsmanager zur Hypo Real Estate.
Bei der HRE beriet er den Vorstand in Ratingfragen und war auch für die Darstellung der Bank gegenüber den Ratingagenturen verantwortlich. Lüpke blieb bis Februar 2009 in München und ging im April schließlich zum Soffin. Dort ist er nun Referatsleiter für "Stabilisierungsmaßnahmen und Beteiligungscontrolling" - und damit für die Rettung von Banken zuständig. Nur in einem Fall darf er nicht entscheiden: bei der HRE.
"Abwegiger Vergleich"
Gerade um zweifelhafte Entscheidungen zu vermeiden "haben wir es von Anfang an so organisiert, dass die Verantwortung für die HRE beim Referatsleiter Recht liegt", sagte Lüpke zu sueddeutsche.de.
Das hat auch das Finanzministerium zur Kenntnis genommen, das im April in einem Brief an den Soffin gewarnt hatte, dass "ernsthafte Interessenkonflikte mit seiner vorgesehenen Tätigkeit" im Soffin bestünden.
Der Soffin lobt das breite Fachwissen Lüpkes. Das hat freilich nicht immer vor falschen Einschätzungen geschützt. Etwa im Januar 2008: Damals hatte die Hypo Real Estate gerade Abschreibungen und eine Dividendenkürzung bekanntgegeben. Für Lüpke war das das reinigende Gewitter: "Die Kapitaldecke ist adäquat, die Risiken dürften jetzt gut abgedeckt sein", sagte er seinerzeit der Süddeutschen Zeitung. Ein paar Monate später ging es erst recht bergab mit der HRE.
Lüpke sagt heute, er habe damit nicht nur seine Meinung wiedergegeben, sondern die der zuständigen Abteilung von Fitch. "Wir wollten damit sagen, dass die neu aufgetretenen Risiken adäquat abgedeckt worden sind." Es sei aber geradezu "abwegig", diese Situation mit der zu vergleichen, die ein Dreivierteljahr später - nach der Lehman-Pleite - aufgetreten sei. 99,9 Prozent des Marktes hätten ebenso wenig abgesehen, wie dramatisch sich die Lage bei der HRE noch zuspitzen würde. "Ich gebe gerne zu, dass ich keine hellseherischen Fähigkeiten besitze", grollt der Soffin-Mann.
Dass er auch durchaus mit Banken zu streiten versteht, hatte er vorher bewiesen: Als Manager bei Fitch hatte Lüpke in einer Anhörung zur Zukunft der Sparkassen gesagt, dass die WestLB "noch nicht nachhaltig profitabel" arbeite. Dies hatte der damalige WestLB-Chef Thomas Fischer mit den Worten zurückgewiesen: "Wir schreiben Gewinne" - und die Zusammenarbeit mit Fitch kurzerhand aufgekündigt.
Lüpke betont, dass Fitch schon lange vor seinem Eintritt die Schwächen der WestLB erkannt und auch immer wieder thematisiert habe. Sein Job sei es aber gewesen, bei den Landesbanken noch genauer hinzuschauen.
Eines also zieht sich wie ein roter Faden durch die Vita Lüpkes. Wo immer er nach der WestLB anfing - immer konnte und wollte sich ein Arbeitgeber die Expertise aus vorherigen beruflichen Positionen des Bank-Mannes zunutze machen. Bei Fitch war es das Wissen über die WestLB, bei der HRE zählte die Kenntnis der Rating-Branche und der Soffin profitiert von allem. Wenn die staatliche Einrichtung mögliche Interessenkonflikte dabei ausschließen kann, gilt: so verkehrt ist das nicht.
(sueddeutsche.de/mel)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Danke.
Damit Leute wie Du meine Kommentare kommentieren können. Vielleicht erhält ja Dein Leben dadurch einen Sinn?
Wenn die SZ so verschnarcht und unfähig ist, wie Sie behaupten, warum schreiben Sie dann eigentlich hier noch?
Ich kann's nicht oft genug wiederholen, Deutschland hat endlich mal wieder einen richtigen und guten Finanzminister verdient!
2,5 Legislaturperioden hatte die SPD jetzt die Chance, in diesem doch relativ wichtigen Ministerium gescheiterten und abgewählten Länderministerpräsidenten ein Spielfeld für weiteres Handeln zu geben. Beide, Eichel und auch Steinbrück, sind als Tiger gestartet mit kleineren Anfangserfolgen und als Bettvorleger geendet.
Da beide kaum Ahnung von der Materie hatten, waren Sie gezwungen, Personal ins Finanzministerium zu holen, das die Bankster und Finanzdienstleister genau da haben wollten. So sind Asmussen und Lüpke an ihre Jobs gelangt und sie haben ganze Arbeit geleistet. Allerdings nicht für den deutschen Staat und die Steuerzahler, sondern einzig und allein für ihre Lobby. Eigentlich gehören beide hinter Gitter und Eichel und Steinbrück mit ihnen.
Was diese Herrschaften im Namen der SPD verbrochen haben, ist kaum zu glauben.
über einen Artikel der SZ zum Fall Asmussen (der im Netz schon seit Oktober 2008 diskutiert wurde) das Folgende:
Ein weiteres Beispiel dafür warum es herkömmliche Zeitungen wie die SZ in 10 Jahren nicht mehr geben wird. Im "Netz" wird dieser Fall schon seit Monaten diskutiert - nun endlich bequemt sich auch die SZ, darüber zu berichten. Statt sich jedoch durch neue Erkenntnisse hervorzutun, die eine Existenz berechtigen würde, wird einfach nur zusammengefasst. Aufhellende Zitate aus älteren Dokumente? Fehlanzeige. Hintergründe? Fehlanzeige. Dafür braucht niemand eine Zeitung.
Früher hieß es: "Nichts ist so alt wie die Zeitung vopn gestern."
Heute muss es heißen: "Nichts ist so alt wie die Zeitung von heute."
In einem weiteren Beitrag zuvor hatte ich zudem einen Beitrag zum obigen Herrn Lüpke gelinkt. Mal ganz ehrlich: Dass die Wirtschaftsredaktion der SZ nicht viel taugt, wissen wir spätestens seit N. Piper, aber dass Ihr 2 Tage zum Abschreiben braucht - das ist neu.
Paging